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Nachgehakt – Die Lehren aus dem Jugendamt Gelsenkirchen Skandal

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Der Untersuchungsausschuss um den Jugendamt Gelsenkrichen Skandal tagte dieser Tage zum ersten Mal. Rechtliche Befugnisse stehen dem städtischen Ausschuss nicht zu, so können weder Zeugen noch Sachverständige geladen und befragt werden. Der Ruf nach einer Auslandsunterbringung von Problem Jugendlichen geht dennoch weiter. XlargE fragte in Kreisen der Kinder- und Jugendhilfe, Erziehungsexperten und Psychologen nach.

Umgangssprachlich klassifizieren Sozialarbeiterinnen der Jugendämter ihr Problem behaftetes Klientel als renitent. Kinder die aus gesellschaftlich geprägten Wunschrollen fallen, sind nicht selten gut genug für die Unterbringung im Ausland. Ämter lassen sich die sogenannte einzelpädagogische Maßnahme gut und gerne 5.500 Euro pro Kind und Monat kosten.

Das ARD-Magazin Monitor entflechtete das Thema in Zusammenhang mit dem Jugendamt Leitern der Stadt Gelsenkirchen, die seit Anfang 2000 in Ungarn Erziehungshilfe bieten. Vor der ARD Kamera entpuppte sich das teure Spektakel in Form eines heruntergekommenen Bauernhofs samt Hilfsarbeiter und einem 11-jährigen aus Dorsten, der zweimal pro Woche Schulunterricht via Internet bekommt.

In Gelsenkirchen gingen die Geschäfte gut, denn eine absichtlich überfüllte Erziehungsanstalt brachte sein Klientel, der Kinderschutzbund sondierte und die Leiter im Jugendamt Gelsenkrichen enttarnte das Fernsehmagazin als mutmaßliche Drahtzieher. Gegenwärtig rollt die Staatsanwaltschaft die rechtliche Seite auf – Untreue und Verletzung der Fürsorgepflicht stehen im Raum.

Rolph Wegensheit ist Kinderpsychologe, der von jeher Maßnahmen unter dem Vorwand von Distanzbildung ablehnt icon-angle-double-right Bis heute kann kein einziges Unternehmen und kein einziger Verein nennenswerte Zahlen über diesen Hokuspokus veröffentlichen. Mit dem Vorwand die Kinder haben eine lange Heimkarriere oder Erfahrungen mit Haftstrafen hinter sich, wird lediglich Kasse gemacht und kein einziges Kind auf den Weg gebracht icon-angle-double-left

Wegensheit kritisiert ferner die staatliche Allmacht, die nun alles richtet. icon-angle-double-right Außer Frage steht die Unterbringung psychiatrisch kranker Kinder in entsprechenden stationären Einrichtungen. Nur genau das sind Kinderheime oder sozialpädagogische Wohngemeinschaften nicht, auch wenn dort Liter weise Ritalin durch medizinische Laien ausgeschenkt wird. icon-angle-double-left

Bastian Felber ist Pädagoge und begrüßt die Arbeit mit Familien. Rebellische Teenager sieht er als konstruktive Herausforderung. Für Felber ist die Arbeit mit der Herkunftsfamilie zu bevorzugen, in die einmal Kinder hineingeboren wurden.

Für Rolph Wegensheit ist das starre Strukturenfundament der Jugendwohlfahrt Hauptgrund für immer mehr Heimkinder, die nicht selten vorschnell aus ihren Familien gerissen werden. An leibliche Eltern gerichtet betont Wegensheit aber auch die Möglichkeit der Verwandtenpflege in Fällen, die vorerst verkorkst sind  icon-angle-double-right Als Erziehungsberechtigter kann man über sein Kind frei entscheiden, das unter dem Druck der Ämter für Familie, allen voran in Wien, gerne vergessen wird. Wenn Sohn oder Tochter einmal Grenzen im Familienverband erreichen die für alle nicht mehr erträglich sind, kann beispielsweise die Unterbringung im Freundes- oder Verwandtenkreis für mehrere Monate angedacht werden. Der Onkel mit klarem Strukturempfinden kann auf das Kind anders einwirken, als die machtlos scheinende Mutter  icon-angle-double-left

Der Jugendamtskandal in Gelsenkrichen zieht unterdessen seine Kreise vornehm im Desaster einer Verflechtung zwischen Behördenleiter und privater Jugendhilfe. Der Unfug Auslandserziehung mit Steuergelder hat die Verantwortlichen wohl noch nicht erreicht.

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