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Skandal in Hütteldorf

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Keine Angst, der Skandal betrifft nicht den Sportklub Rapid. Sondern die Raubritter-Methoden der Gemeinde Wien und der Bezirksvertretung.

Hütteldorf wäre ein beliebter Umsteigepunkt für Menschen, die aus dem Rest von Österreich nach Wien einpendeln und die U-Bahn zur Weiterfahrt benützen wollen. Gäbe es da nicht ein erhebliches Problem. Im weiten Umkreis des Bahnhofes Hütteldorf finden sich kaum Parkplätze. Diese Parkplatzmisere wird durch die großen Gemeindebauten der Umgebung verschärft, wie den Hugo Breitner-Hof, deren Bewohner auf die „Laterndlgarage“ angewiesen sind. Man findet die Fahrzeuge der Pendler, erkennbar an ihren Kennzeichen und an ihrer Abstelldauer, daher meist erst in Meidling vor; einem Bezirk, der bereits durch zahlreiche Fahrzeuge aus Margareten überlastet ist, deren Besitzer damit das Parkpickerl sparen.

Wie kann man einem Parkplatzproblem in einer Randzone abhelfen? Richtig, meist mit einem effizienten park-and-ride System. Wie so vieles, wird jedoch auch das Wort „effizient“ im anderen Wien anders verstanden.

In Hütteldorf gibt es seit Jahren eine Parkgarage, für mehrere hundert Fahrzeuge, nur 100 Meter vom Bahnhof entfernt. Gäbe es, denn sie darf nicht benützt werden. Anfangs wehrten sich die Grünen gegen die Freigabe der Benützung, die Garage könnte Verkehr anziehen. In üblicher selbstreinigender Logik. Später wurde behauptet, die Garage sei nicht zugelassen, es gab verschiedene Rechtsstreitigkeiten. Der nächste Grund war schon eher auf die eigentliche Absicht gerichtet: Die Garage würde nicht von der Gemeinde Wien betrieben, die Gemeinde hätte also finanziell keinen Nutzen davon.

Bezirksvorsteherin Andrea Kalchbrenner und ihr Team zeichnen sich allgemein durch eine selbst für Wien nicht zur Norm gehörende Eigenschaft aus: Es wird zu Problemen geschwiegen, man ist nicht gesprächsbereit, bei Anfragen verweist man auf das allmächtige Rathaus.

Östlich des Bahnhofes Hütteldorf liegt schon lange ein Areal brach, das die ÖBB nicht benötigten. Vorgeschlagen war lange, dort mindestens eine geräumige Tiefgarage zu errichten. Schweigen. Der Platz wurde schließlich durch zwei kleine Supermärkte und Lokale vergeudet. Statt dessen begann man, zwischen der Bahn und dem Wiental ein Parkhaus zu errichten. Geplant mit besonderer Intelligenz, denn Zu- und Abfahrten münden in die ohnehin zu enge Wiental-Straße, als Autobahnzubringer eine Schande für jede Großstadt. Die zusätzlichen Ampeln kommen mit der üblichen Begründung des Büros Stadtrat Schieder, die Verkehrsströme müßten geteilt werden. Selbstredend, wie in Wien Standard, sind auch die neuen Ampeln der Roten Welle angepaßt.

Nun der Hammer:

Heimlich, still und leise, gerade in den Vorbereitungen zur EM, um das öffentliche Interesse gering zu halten, werden in der Deutschordensstraße beidseitig Radstreifen markiert. Nach Zählung der Autofahrerclubs gehen dadurch rund 200 Parkplätze verloren, die vorwiegend von Anrainern genützt worden waren. Auf Reklamation hört man vom Bezirk: „Ja, da müssen Sie eben das Parkhaus benützen.“ Das natürlich nicht gratis ist, sondern im Monat schon einen dreistelligen Betrag erfordert. Eine Lappalie besonders für ältere Mieter. In solchen Fällen ist es üblich, eine Kommission einzusetzen, die eine Änderung begutachtet und bewilligt. Nach alter Wiener Tradition nehmen an diesen Kommissionen in der Regel nur Parteifunktionäre und zugeteilte Magistratsbeamte teil, Bürgern verweigert man Einsicht, Information und Teilnahme, Protokolle werden krampfhaft verheimlicht. Kaum unklar, weshalb. Die Verengung der Fahrbahnen ist natürlich auch gewollt, es wird schon nichts passieren.

Wien rühmt sich, ein riesiges Radfahrnetz zu haben. Für das selbstverständlich Steuermittel von der EU kassiert werden. Sieht man genauer hin, sind der größte Teil dieser Radwege markierte Fahrstreifen in normalen Straßen, auf Gehsteigen und durch Parkanlagen. Sicherheit pur. Da die Damen und Herren der Stadtverwaltung nur selten in Wien unterwegs sind und wenn, dann mit Dienstwagen, fällt ihnen verständlicherweise nicht auf, daß nur sehr wenige Radfahrer diese Radstreifen benützen. Die große Mehrheit fährt auf Gehsteigen, direkt auf der Fahrbahn, oder durch Fußgängerzonen. Kritische Bemerkungen dagegen sind nicht angebracht, sie werden von vielen Radfahrern, auch Innen, mit lauten Beschimpfungen, Fußtritten, Zerkratzen der Autotür, je nach Gelegenheit geahndet. Schließlich sind Radfahrer anonym, daher unantastbar, und wehren sich nicht ohne Grund heftigst gegen jede Kennzeichnung.

Durch die nach typisch Wiener Art unsinnige Straßenführung im Wiental muß die Deutschordensstraße einen Teil des Autoverkehrs Richtung Hütteldorf schlucken. Niemand weiß hingegen, wer dort Radstreifen benötigt. Radfahrer waren dort schon vorher selten, die wenigen benützen auch jetzt meist die Gehsteige. Warum ist auch klar. Die Deutschordensstraße führt unter der Bahn hindurch, in dieser Unterführung werden Radfahrer schlecht gesehen, Räder mit Licht sind nirgends üblich. Wäre Hütteldorf eine Weinbaugegend, würde man die Einrichtung der Radstreifen einem Heurigenbesuch zuordnen.

Die Finanzen der Gemeinde Wien sind traditionell weit überspannt, man ist immer um Einnahmequellen bemüht. Sucht sich dabei meist das am leichtesten zu melkende Vieh heraus, nämlich die Autofahrer. Daß auch eigene Wähler darunter sind, gerade in den betroffenen Gemeindebauten, interessiert schon lange niemanden mehr, man erschließt ja neue Wählerschichten. So versteht man im anderen Wien eben Effizienz.

An die Möglichkeit, einzusparen, hat man bei der Gemeinde Wien viele Jahrzehnte lang nicht gedacht. Durch die Streichung der so freizügig verteilten Subventionen an ungezählte, „befreundete“ Vereine und Organisationen würde man ein Vielfaches der Mittel hereinbekommen, die hier in Raubritterart Anrainern abgepreßt werden. Das wäre aber politisch nicht erwünscht.

Unter dem Strich bleiben Fragen, die man in demokratischen Systemen erwarten würde, die sich jedoch in Wien keiner Beliebtheit erfreuen:

Werden die Zu- und Abfahrten für das Parkhaus so abgeändert, daß sie den Verkehrsfluß nicht stören?
Werden die in jeder Hinsicht unnötigen und verkehrsbehindernden Radstreifen-Markierungen wieder entfernt?

Und vor allem, wann nehmen die Verantwortlichen für diese Unsinnstat den Hut?

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