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AUFGEDECKT: Aus für arbeitslosen Sunny Boy in Steyr

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Bis zuletzt narrte Martin B. (29) österreichische Gerichte mit zahllosen Anträgen. Insbesondere in Steyr trieb es der Ex-Maler bunt, als 2004 die Handschellen das erste Mal klickten, schmückte er sich noch mit einem Doktortitel. Die Folgen waren schließlich drei Wochen Untersuchungshaft.

Jetzt hat die Juriderei des Notstandshilfeempfängers aus Steyr ein jähes Ende genommen. Wie der Oberste Gerichtshof in seiner Entscheidung (GZ 15Os54/06i) vom 8. August 2007 feststellt, war die Nichtigkeitsbeschwerde des Martin B. (Verurteilung wegen des teils vollendeten, teils versuchten gewerbsmäßigen schweren Betruges nach §§ 146, 147 Abs 3, 148 zweiter Fall und 15 StGB und weiterer strafbarer Handlungen) zurückzuweisen. Aufgrund der vorhergehenden Unbescholtenheit fasste der selbsternannte Jurist beim Oberlandesgericht Linz schließlich drei Jahre unbedingt anstatt viereinhalb Jahre Haft aus.

Im Internet präsentiert sich der witzige Sunny Boy als vermeintlicher Angestellter einer Rechtsanwaltskanzlei, gibt aber vor Gericht an er wäre Leistungsempfänger beim AMS Steyr. Wie das Nachrichtenmagazin Xlarge aufdeckt, ist die verantwortliche AMS Spitze um Mag. Dietmar Hoffmann ahnungslos »Selbstverständlich werden wir den Hinweisen Ihres Magazins nachgehen« sagt der gelernte Jurist gegenüber dem Xlarge Chef Reporter Stephan Pfeifhofer.

Doch dem nicht genug, denn B. hat das Arbeitsmarktservice lieb gewonnen und vertritt wahllos arbeitslose Mitstreiter. So auch Peter S. aus Steyr, er kämpft bereits seit Jahren um seine nunmehr 12 jährige Tochter, die sich noch immer bei Pflegeeltern befindet (Xlarge hat ausführlich berichtet). Über 30 Betroffene wollte das juridische Konglomerat auf die Beine stellen, und flugs folgte die Zurücklegung der Anzeigen durch die Staatsanwaltschaft Steyr.

Gedämpft mit Erfolgen macht es sich Martin B. aber dennoch gemütlich und sieht sich als Gast unzähliger Partys, deren Fotos anschließend im Internet landen. Vergangenes Jahr folgt schließlich der vorerst letzte Partyrausch für den gescheiterten Jungunternehmer auf Monastir in Tunesien. Mit gerade einmal Euro 750,00 Notstandshilfebezug pro Monat war dennoch eine Woche lang Party angesagt.

Unterdessen zählt das Landesgericht Steyr in seiner Anklage über 50 Geschädigte und immer wieder melden sich geprellte Kunden von Martin B. und seinen Geschäftspartnern. Der Konkurs gegen das eigene Malerunternehmen konnte mangels kostendeckenden Vermögens hingegen nicht eröffnet werden. So verhielt es sich auch mit dem Versuch eines Privatkonkurses. Schließlich inserierte B. in diversen Zeitungen, wollte maroden Unternehmen unter die Arme greifen und gründete selbst eine erfolgversprechende Limited Gesellschaft in England, ein Geschäftsmodell das später für gutes Geld an verschuldete Unternehmer verkauft werden sollte.

Auf Kosten der Opfer gibt sich der Steyrer schließlich mit Doktortitel als Unternehmensberater aus. So habe er gar bei der Liquidation eines Bauunternehmens kräftig mitkassiert. Als die Kripo seine Wohnung stürmt, entgegnet den Polizeibeamten ein Bild des Grauens. Die Bürowände waren mit zahlreichen Urkunden verziert, doch hat Martin B. weder einen akademischen Grad noch die Qualifikation zur Unternehmensberatung.

Über 100.000,- Euro wechselten schlussendlich den Besitzer und bis heute warten die Anleger auf ihr Geld. Jedenfalls vergeblich, denn beim Steyrer Sunny Boy ist nichts zu holen. Der Gerichtsvollzieher zählt zwischenzeitlich immerhin über 400.000,- Euro Miese. Darunter naturgemäß Gläubiger wie Finanzamt und die Gebietskrankenkasse. In diversen Internetforen verkündet B. stolz, dass Exekutionsanträge gegen ihn sofort und amtswegig eingestellt werden.

Wer über die Machenschaften des 29 jährigen als Medium berichtet, sieht sich schnell mit Klagen konfrontiert. So auch Xlarge Chef Reporter Stephan Pfeifhofer, der sich dank hervorragender Advokaten über sechs Klagen vom Hals schaffen konnte.

Während der Kläger Martin B. mit Vorliebe die staatliche Verfahrenshilfe beansprucht, sehen sich die leidvollen Beklagten mit rigorosen Honorarforderungen ihrer Anwälte konfrontiert, weshalb der Steyrer nicht ungern als zwielichtige Gestalt bei Gerichten gehandelt wird. Gerne schmückt sich B. aber auch mit zufriedenen Vertretenen. Dazu zählen sich insbesondere Inge Weber und German Bader, der dubiosen »Initiative für Yasemin« rund um den vielzitierten »Fall Yasemin«

Eigentlich sollte die Plattform Unterstützer der Mutter Franziska Kobal sein, die seit 2002 um das Sorgerecht ihrer Tochter Yasemin kämpft. Das Mädchen lebt seit November 2004 bei ihrem Vater in Istanbul. Seit sich die Kindesmutter nach dem Bekanntwerden der Connections zwischen Vorarlberg und Oberösterreich von dieser Initiative abwendet, wird auf der Initiativen Homepage keine Veröffentlichung mehr vorgenommen. Stattdessen werden Agitationen gegen den Xlarge Chef Reporter Stephan Pfeifhofer unaufhörlich publiziert.

Nun muss Martin B. endgültig hinter Gitter, wie Jurist Mag.iur. Michael Kovalzky weiß »Bei einem Strafausmaß von bis zu drei Jahren kann der Verurteilte maximal einen Monat Haftaufschub beantragen, oder er geht freiwillig wegen Haftuntauglichkeit in ein psychiatrisches Krankenhaus. Natürlich kann im Falle neuer Beweise auch ein Antrag auf Wiederaufnahme beim zuständigen Strafgericht gestellt werden. Allerdings liegt es auch hier im Ermessen des Gerichts, ob überhaupt eine Straf hemmende Wirkung eintritt, dh. ob der Verurteilte aufgrund eines Wiederaufnahmeantrages auf freiem Fuß bleibt und das Verfahren wiederaufgenommen, also neu verhandelt, wird«

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