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ORF-Dilemma: Für Wrabetz wird es eng

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orf-kuniglbergDie Verschiebung der ORF-Strukturreform auf März kommenden Jahres durch Generaldirektor Alexander Wrabetz lässt die Gerüchteküche brodeln. Während dieser bereits vor wenigen Wochen den Abbau von mehr als 1.000 Stellen ankündigte, sorgt die verschobene Reform nun für Spekulationen über einen zusätzlichen Postenabbau. Angaben des Fernsehsenders zufolge betrifft die langfristige Strukturplanung auch Änderungen im ORF-Stellenplan. „Generaldirektor Wrabetz hat bereits erkennen lassen: ‚Wenn nichts passiert, wird es eng‘. Die Personalentscheidungen obliegen aber dem Management“, meint Marcin Kotlowski, Sprecher des Medien-Staatssekretärs Josef Ostermayer im Bundeskanzleramt, im Gespräch mit pressetext. Eng könnte es auch für Wrabetz selbst werden, folgt man dem Stiftungsrat des ORF.

Der Stiftungsrat wolle Wrabetz eine „allerletzte Chance geben“, um ein Struktur- und Strategiekonzept für den ORF vorzulegen. Das „fragmentarische Handeln von Beschluss zu Beschluss“ habe keinen Sinn, wenn eine Vision und eine Leitlinie fehle, zitiert der ORF Stiftungsratschef Klaus Pekarek. Nach Ansicht des Staatssekretariats sei die Position von Generaldirektor Wrabetz selbst derzeit aber nicht zu hinterfragen. „Personalentscheidungen stehen nicht zur Debatte“, so Kotlowski. Auch in Management-Entscheidungen über den Personalabbau werde die Bundesregierung nicht eingreifen.

Im Rahmen der ORF-Strukturreform sollte etwa die Ausgliederung von Unternehmensteilen sowie eine Entscheidung über den künftigen Unternehmensstandort beschlossen werden, was Vermutungen über eine mögliche (Teil-)Privatisierung des ORF aufkeimen lässt. „Das neue Konzept muss dem Betriebsrat und dem Management erst vorgelegt werden. Es liegt aber keine unbedingte Privatisierungsdebatte vor“, versucht das Staatssekretariat im Gespräch mit pressetext zu beschwichtigen. Nachdem der Stiftungsrat signalisiert hatte, den Plänen des Generaldirektors zu Strukturmaßnahmen nicht zuzustimmen, wurden sie von Wrabetz zurückgezogen.

Die bisherigen Pläne sahen etwa die Auslagerung von Marketing oder Rechtemanagement in neu zu gründende Unternehmenstöchter, eine mittelfristige Finanzplanung bis 2012 sowie Immobilienverkäufe vor. Darüber hinaus umfasst das Paket einen Teil der Personalrochaden. Neben den Auslagerungsplänen werde die Personalreduktion vornehmlich durch Altersabbau sowie Kündigungen erfolgen und nach Kollektivvertrag Angestellte sollten sich bereit erklären, wieder als freie Mitarbeiter zu arbeiten. „Erst wenn das neue Papier vorliegt, sind weitere Entscheidungen abzusehen. Bis dahin wird man sich gedulden müssen“, sagt Kotlowski.

Vom ORF-Stiftungsrat beschlossen wurde gestern, Donnerstag, hingegen das Budget für das kommende Jahr. Dieses sieht vor, das diesjährige Minus von rund 100 Mio. Euro 2009 auf ein Konzernergebnis von minus 29 Mio. Euro einzudämmen. Das dafür notwendige Sparprogramm wird neben der Unternehmensstruktur auch die Programminhalte des ORF treffen. Zwar stünden die Einsparungen ORF-Kommunikationschef Pius Strobl zufolge „unter der Prämisse, dass im Programm für unsere Kunden keine Auswirkungen spürbar sind.“ Dennoch wird der ORF eigenen Angaben zufolge „bei fiktionalen Großproduktionen und Sportrechten sparen.“ So sei etwa nicht mehr vorgesehen, die Champions League zu übertragen, sollte sich kein österreichischer Fußballclub dafür qualifizieren. Ebenso werde der bis 2011 aufrechte Vertrag für die Übertragungsrechte der Formel 1 vorerst nicht verlängert. (pte/red)

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