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RESÜMEE ALS PERSIFLAGE: Bizarre Gutachter, Defizitäre Kollekte, Mediale Wirtschaftskrise

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Xlarge Jahresrückblick 2008Kardinal Schönborn lehrt uns eines: Sei Christ und kein Konsumterrorist. Das Jahr 2008 war nicht nur in Punkto »Richter in Weiß« für Überraschungen zu haben. Im Gegenteil, medial geformte Rezession, fernab der Tatsache, dass Banken nicht erst seit dem BAWAG Debakel rote Zahlen schreiben, lassen Redakteure, berufen von ausländischen Medien zum Fall Fritzl, zum Sprachrohr der Nation emporsteigen. Imaginäre Manager, die für Tausende Euro im VIP-Bereich diverser High Society Riegen logieren, trotzen jedenfalls gegen Rezession – das ganze Jahr hindurch.

Das Jahr 2008 – in Prunksucht fließend – wohl wie jedes andere Jahr auch. Erstmals aber lechzt die Justiz unter ihrer Last an »Richter in Weiß« Damit entbrannt eine Diskussion über Sinn und Unsinn des österreichischen Gutachterwesens, das im Gegensatz zum deutschen Nachbar, beispielsweise in der Begutachtung von Missbrauchsopfern, von keiner 0-Hypothese ausgeht. Das heißt, die Allüren so mach eines medialen Starpsychiaters gewichtet bei Gericht nicht selten als subjektiver Beweis dafür, dass lediglich darüber Aussagen getroffen werden, ob ein Opfer sexuellen Missbrauchs vor Gericht überhaupt in der Lage ist, über das Erlebte zu sprechen.

Ein besonderes Antlitz heimischer Wegweiser, der Wiener Kinderpsychiater Max Friedrich, seines Zeichens Schirmherr unzähliger Opferschutzvereine, die wohl kaum ohne ihn als wissenschaftlicher Beirat mit Subventionen auskommen würden.

Anmutend rebelliert die Richtervereinigung, allen voran der Vize Manfred Herrnhofer. »Nicht Schlampig« urteilt Österreichs unabhängiger Justizveteran. Trotz richterlichen Gütesiegels »einwandfrei & ordentlich« will die erhoffte Ruhe nicht so recht inne halten. Das bisweilen schweigsame Boulevard Rhinozeros ‚NEWS’ kommt auf den Plan, streut selbstselig Blumen, will zahllose Opfer kennen, verkennt aber eine Tatsache – Xlarge war, bereits Monate zuvor, eifrig am berichten.

Die Gunst der Stunde jedenfalls erkennen viele, wenig elitäre Verbände, teils lose Männerrunden, die seit Jahren gegen das Ansinnen heimischer Gutachter kämpfen. Ob Salzburg, Kärnten, oder Wien, überall dort, wo bisweilen Gutachter dominierten, begehren Väter- und Elternvereine Platzanspruch. Mittendrin füllen nun ganz persönliche Geschichten die Klatsch Spalten der Boulevard Presse. Allen voran Albin K., im Gefängnis geknechtet, im jetzigen Leben als Kinderschänder gebrandmarkt, durchlebt der Klagenfurt einen wahren Medien Hype, der auf Russwurms exklusiver Talk-Couch endet, nachdem sogar ‚Die Ganze Woche’ ein doppelseitiges Refugium mit Erfolg offerieren konnte. Er will Opfer von Max Friedrich sein, wie viele andere auch, die bis dahin im stillen Kämmerlein sitzen. Nun aber verspüren auch sie ihren medialen Auftritt. Plötzlich sprießen Aktenzahlen aus diversen Websites, mit dem Verweis auf eine Vielzahl an Sachverhaltsdarstellungen gegen eine Berufsgruppe, die seit Anbeginn von ihrem Arbeitgeber Deckung erwartet.

Nichts desto trotz machen die Profiteure, freie Träger der Jugendwohlfahrt, im Fundraising Geschäft munter weiter. Man könnte gar glauben, sie hätten es 2008 noch nie so eilig haben können. Schließlich leben nicht wenig Kinder, die aufgrund von Missbrauchsvorwürfen oder Sorgerechtsstreitigkeiten ihrer Eltern beispielsweise in einem SOS Kinderdorf geparkt sind, auf Zeit in ungewissen Umständen, fernab ihrer Familie. Deshalb darf es nicht verwundern, wenn eine Kinderdorfmutter vor Gericht plötzlich den Meineid schwört, die Interessen von Arbeitgeber, Gutachterwesen und Fürsorgeindustrie, den Interessen eines Kindes und seiner Familie vorzieht. Akademisch pazifistisch eben, die letzte Chance eines Obsiegens, gegen rebellisch, einfach denkende Menschen, die eben mehr explodieren als implodieren.

Diffus so manches Gedankengut, das uns 2008 beschert wurde, über zahlreich bestrebte Besserwisser auf uns herniederging. Spärliche Kollekte, die plötzlich auf den Ausläufer der nunmehrigen Rezession zurückzuführen ist. Gutachter, die zum Missfallen der Betroffenen nicht zur Verantwortung gezogen werden können, denn sie wissen nicht was sie tun. Im Sinnbild des täglichen Medien Mainstream, der mitunter auch gesellschaftskritische Themen behandelt, dürfte zumindest die Weltwirtschaftskrise Schuld am sinkenden Spendenverhalten von Herr und Frau Österreicher sein. Damit sei der Ursachenforschung Genüge getan, ob ausschließlich für 2008, bleibt dahingestellt.

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