XlargE Magazin Abo

Telemedial Fatal – Die miesen Tricks der Fernsehmacher

Artikel per Email versenden Artikel per Email versenden

Thomas Hornauer (46) ist ein Tausendsassa, der schräge Schwabenvogel hat schon einige Rollenbilder hinter sich gelassen: Rockmusiker, Gastwirt, Pornofilmer. Seit der Scheidung fühlt sich Hornauer pudelwohl und spricht am eigenen Sendeplatz auf Kanal Telemdial gerne von seinen Töchtern, die auch schon mal am „Orange Table“ platz nehmen, um bis spät in die Nacht den frönenden Klängen ihres Vaters eher nüchtern zu lauschen.

Unumstritten ist der Medienmacher freilich nicht. Im Februar 2003 erwirbt Hornauer für rund 1,6 Millionen Euro den insolventen baden-württembergischen Regionalsender BTV. Kurze Zeit später erfolgt nach einem Beschluss des Verwaltungsgerichts Stuttgart der Lizenzentzug. Anstatt brav über Weinfeste im Remstal, Geburtstage des Ministerpräsidenten und Unfälle auf der A8 zu berichten, lud Hornauer Geisterheiler ins Ludwigsburger Studio ein und ließ Hexen Tarotkarten legen. Die Kirchen waren entsetzt, die Politiker auch, und die Boulevardpresse beschimpfte ihn als Irren.

Der selbsternannte Guru schwärmt für Buddhismus und Magie, isst selbst kein Fleisch und schmückt sich mit ostasiatischen Anhängern. Täglich ab 21 Uhr sendet Hornauer auf der Astra Frequenz von KI.KA. Als im Dezember 2007 seine neue Vision On Air geht, verkündet der Medienmacher höchst persönlich »Liebe Kinder, die ihr Kinderkanal geguckt habt. Holt mal schnell die Mama und sagt ihr, dass hier ein neuer Onkel ist« Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ wettert »Telemedial ist ein einziges, mit Schicksalsglauben verbrämtes Abzockunternehmen«

Das Revival von Kanal Telemedial verdankt der Schwabe dem österreichischen Regulator Komm-Austria, der schon einmal an TV6 (Anm.d.R. österreichischer Erotik- und Call-In Sender) Betreiber Peter Stolz, aus der Rotlichtszene, eine Sendelizenz vergab. Im Dezember 2007 erteilt sie Hornauer schließlich die Lizenz zum Senden. Seitdem beglückt der Mann mit kurzem Haar und Nadelstreif die spirituelle Gemeinde via Astra Satellit. Nicht unumstritten, wie die Behörde jetzt feststellt. Nachdem ein Heilpraktiker auftritt und entgegen dem österreichischen Privat-TV Gesetz den Zusehern faktisch die Schulmedizin ersparen möchte, hagelt es eine Rüge aus Wien.

Von dem unbeirrt, macht Hornauer in seinem 2.500 m² Studio in Ludwigsburg, aber auch in seiner Wiener Dependance, munter weiter. Unter dem Schlagwort »Free-Pay-TV« will der Alleskönner „Selbstwertfernsehen“ verkörpern. Den Begriff habe er sich selbst einfallen lassen, einer seiner vielen Geistesblitze. Künftig sollen die Zuschauer für sein Programm freiwillig bezahlen. Man könnte auch sagen: sie sollen spenden. Hornauer drückt sich anders aus »Ich erwarte von unseren Kunden einen spirituellen Energieausgleich«

So kann man bereits mit einem Anruf satte 30,- Euro von seiner Telefonabrechnung abschreiben, oder man überweist die monatliche Grundgebühr auf eines der eingeblendeten Konten. Wer astrologische Tipps möchte oder gar mit Hornauer persönlich sprechen will, muss rund 1,99 Euro / Minute auf den Tisch legen. Doch dem nicht genug, denn Hornauer will für Europa trommeln, Versteigerungen zu Gunsten von Kanal Telemedial organisieren und sieht sich dabei als Helfer der Armen.

Wer beispielsweise mit dem Rauchen aufhören möchte, ruft einfach Dr. Marlboro in Gestalt von Thomas G. Hornauer. Und dann zeigt sich der Ludwigsburger in der Totalen, auf seine Anruferin einwirkend:

„Respektiere und akzeptiere diese buddhistische Wahrheit. Alles, was Anfang hat, hat auch ein Ende. Kannst du das realisieren?“

„Auch die Depression?“

„Genau! Du hast es schon erkannt. Und du könntest jetzt in diesem Augenblick entscheiden, dass der Wurschtzipfel, der mal vor 23 Jahren begonnen hat, heute ein Ende hat. Das kannst du jetzt in dieser Sekunde entscheiden. Indem du sagst: Ja, das Leben liebt mich.“

„Aha.“

„Das Leben liebt dich. Die Tonja (Hornauers Assistentin) kriegt’s ganz klar rein. Es geht bergauf.“

„Ja?“ „Spürst du’s? Geht’s auf in dir?“

„Ja. Ich krieg jetzt irgendwie ’nen warmen Oberkörper.“ – „Jetzt läuft’s. Jetzt geschieht’s. Jetzt krieg ich’s rein, jetzt läuft’s, jetzt fließt’s. Jetzt hat’s ‚knacks‘ gemacht.“ – „Ich spüre das in meinem Oberkörper, der wird ganz warm.“ – „Jetzt raus ausm Verstand und schweig, und lass es jetzt wirken.“

Kurz um, wer sich auf Hornauer einlässt, muss baldigst mit satten Telefonspesen oder einem dicken Minus am Konto rechnen. Während Hornauer über Presse und die verdorbene Zunft der Journalisten wettert, türmen sich in Videoportalen wie YouTube tagtäglich neue Sequenzen aus Hornauers all abendlicher Lebensschule. Sogar einen eigenen Song hat der Musiker kreiert, der bereits über 121.000 Mal aus dem Netz geladen wurde, allerdings über die eigens eingerichtete Verkaufshotline nur wenig Absatz findet.

Die deutsche Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg will nun erneut gegen den Guru vorgehen und hat bereits mit den österreichischen Kollegen der Komm-Austria Kontakt aufgenommen. Unter anderem soll Hornauer den Sex mit Kindern gegenüber einer Anruferin verharmlost haben. Zudem hätte Kanal Telemedial als einziges Medium nicht an gemeinsamen Gesprächen mit Betreibern sogenannter „Beratungssender“ teilgenommen. Stattdessen ruft Hornauer kritisch berichtende Journalisten auf, in seiner Sendung anzurufen.

Jedenfalls will die Komm-Austria den aktuellen Beschwerden nachgehen und gegebenenfalls über einen Lizenzentzug entscheiden. »Aufgrund der geltenden Gesetze ist das in Österreich allerdings ausschließlich im Instanzenweg möglich, den Hornauer selbstverständlich beschreiten kann« wie eine Sprecherin gegenüber Xlarge bestätigt.

Die von Komm-Austria ausgesprochene Rüge, muss Hornauer jedenfalls in seiner Sendung verlesen.

Download PDF
Impressum | Kontakt | Sitemap

BlitznewsSteirerblattXeleon.TVWhats Up TV