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Kinder im Heim: BR-DokThema regt über geschlossene Erziehungsanstalten auf

Kinderheime Zwangsmaßnahmen Artikel per Email versenden Artikel per Email versenden

Ein Pinkelkübel im versperrten Zimmer. Mädchen die mittels Implanon sexuell ruhig gestellt werden. Kinder die ohne richterliche Genehemigung unkontrolliert Einschluss- und Time-Out-Maßnahmen ausgesetzt sind. Eine am Mittwochabend ausgestrahlte Dokumentation des Bayerischen Rundfunk regt auf. Bereits im April recherchierte der Sender zu schwerbehinderten Kindern, die in geschlossenen Anstalten Kastenbetten und Fixiermaßnahmen ausgesetzt sind. Die bayerische Sozialministerin Emilia Müller war schockiert und richtete einen Expertenrat ein. Teilnehmende Elternvertreter kritisieren, dass betroffene Jugendliche dem Expertenrat nicht hinzugezogen wurden.

Freiheitsentziehende Maßnahmen sind, im Gegensatz zu Österreich, ein in Deutschland praktizierendes Element der Jugendhilfe. Kinder die in den Augen der Jugendämter delinquent bzw. renitent aus dem Raster fallen, können auf Beschluss eines Familiengerichts in einem geschlossenen Erziehungsheim untergebracht werden. Die Maßnahmen dort kontrolliert oder genehmigt aber niemand, denn die Heimaufsicht untersteht den Behörden, die laut Aussage von Insidern Kontrolltermine mit den Heimen absprechen. Buben und Mädchen sind meist schon mit 10 Jahren von Einschlussmaßnahmen betroffen. Kinder im Volksschulalter sollen so einer reizarmen Umgebung zugeführt werden.

Das Bayerische Fernsehen recherchierte, und viele Heimtüren blieben verschlossen. Im Mädchenheim Gauting gewährte man zumindest oberflächlich Einblick. Den Vorhalt eines Pinkelkübels weist man vor laufender Kamera zurück. Es sei unlogisch, da einige Zimmer auch über eine Nasszelle verfügen. Inwiefern das Wegsperren von Kindern pädagogisch sinnvoll und entwicklungsfördernd sei, darüber rätseln Experten bis heute. Viele Kinderpsychiater und -psychologen kritisieren die fehlende Fachlichkeit und dürfe man solche Maßnahmen nur nach reiflicher Überlegung im Notfall anwenden.

Am Beispiel der Erziehungsanstalt Haasenburg, die nach zahlreichen Beschwerden behördlich geschlossen wurde, fällt aber auf der Notfallknopf wird nicht selten gedrückt. Regelmäßig rangeln Erzieher Kinder zu Boden. Arme werden noch immer verdreht, wenn bereits dicke Kindertränen kullern, und Buben wie Mädchen sich schreiend am Boden winden.

Wieviele Kinder aus Österreich in deutschen Erziehungsanstalten freiheitsentziehende Maßnahmen erdulden müssen, lässt sich schwer sagen, meint Enthüllungsjournalist Stephan Pfeifhofer gegenüber XlargE. Offizielle Zahlen zum „Kinder-Export“ existieren genauso wenig, wie die erforderlichen gerichtlichen Genehmigungen für solche Maßnahmen. Während wie im Fall von Gauting Kinder in Zimmer oder Time-Out-Räume gesperrt werden, geht man in anderen Einrichtungen nicht nur bei der Elternarbeit grundlegend andere Wege. Gute pädagogische Konzepte sehen durchaus „Time-Out-Maßnahmen“ vor, wenn ein Kind in agressives Verhalten verfällt, sagt unter anderem Rolf Wegensheit, Kinderpsychologe, gegenüber XlargE  icon-angle-double-right Es ist durchaus sinnvoll das betroffene Kind im Anlassfall aus der Gruppendynamik erst einmal zu befreien. Bei uns geht ein Betreuer mit dem Kind ins Zimmer. Türen werden aber nicht verschlossen. So kann unmittelbar nötige Zuwendung gegeben und der Anlassfall einer Agression mit dem betreffenden Kind gleich aufgearbeitet werden  icon-angle-double-left

Enthüllungsjournalist Stephan Pfeifhofer stieß in 10 Jahren auf viel Macht und Geld, denn selbst in Österreich bezahlen Jugendämter an Heimbetreiber Unsummen, wie beispielsweise in vielen Fällen rund 5.000,- Euro pro Kind und Monat. In einigen Fällen gar mehr. Statistiken über Resozialisierung, wie analog zum Strafvollzug, bietet das System der Kinder- und Jugendhilfe nicht , wie XlargE Recherchen in Erfahrung bringen. Derzeit leben laut Familienministerium über 12.000 Minderjährige in österreichischen Erziehungsanstalten, die wiederholt markante Nähen zu SPÖ nahen Organisationen aufweisen. Selbst Sozialarbeiterinnen in österreichischen Jugendämtern konnte XlargE wiederholt parteipolitische Nähe nachweisen.

An freiheitsentziehenden Maßnahmen für Kinder will man unterdessen in Deutschland festhalten. Über verbesserte Richtlinien der Heimaufsicht sei man aber gesprächsbereit, wie das Bayerische Sozialministerium nach Veröffentlichung der Expertenrat-Ergebnisse betont.

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