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Jetzt macht Natascha Kampusch Psycho-Hygiene

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Natascha Kampusch TalkshowAm Sonntagabend flimmerte Natascha Kampuschs erste „Talkshow“ mit Gast Niki Lauda über den Bildschirm. Zu Sehen bekam ganz Österreich im Hauptabendprogramm des Privatsenders Puls 4 eine zurückhaltende 20-Jährige und einen einfühlsamen Promi. Für den Psychologen Gerald Kral im Berufsverband der Österreichischen Psychologen (BÖP) war das aufgezeichnete Gespräch vor allem ein Verarbeitungsversuch und ein mutiger Schritt von Natascha Kampusch.

„Es ist für mich auch ein bisschen ein Bewältigungsversuch“, sagte Kral. Die Entscheidung, selbst in so einer Sendung an die Öffentlichkeit zu treten, habe aus seiner Sicht mit dem Wunsch zu tun, mit der Gesamtsituation zu Recht zu kommen. „Es ist in jedem Fall mutig“, betonte der Psychologe. „Beachtenswert ist, dass sie diesen Versuch macht.“

„Angespannt, nervös und untrainiert“

Insgesamt wirke Natascha Kampusch angespannt, nervös und untrainiert, so Kral. „Aufgefallen ist halt schon, dass es beträchtliche Unsicherheiten gibt.“ Merkbar sei dies beispielsweise am Augenkontakt zu Niki Lauda. Man dürfe jedoch nicht vergessen, dass die 20-Jährige in ihrer achteinhalb Jahre dauernden Gefangenschaft fast niemals die Chance gehabt habe, solch soziale Kontaktfähigkeiten zu üben.

Was Niki Lauda erzähle, klinge nachvollziehbar und emotional greifbar, erklärte Kral. Bei Natascha Kampusch sei dies nicht der Fall. „Ich glaub, dass sie sich sehr schützt und schützen muss, um nicht zu viel von sich preiszugeben“, meinte er. Dass sie das Martyrium – wie Natascha Kampusch in dem Interview selbst meint – bereits verarbeitet habe, glaubt der Psychologe nicht. „Davon kann man nicht ausgehen“, betonte der Fachmann. Wenn sie dies allerdings sage, müsse man ihr diese Sichtweise lassen.

Ins „Schwimmen“ gekommen

Generell komme Natascha Kampusch besser an, als bei ihren bisherigen Interviews. Damals habe sie allerdings stets in der Rolle des Gastes gesteckt, erklärte Kral. „Es ist natürlich einfacher für jeden zu fragen, als über sich selbst zu reden.“ Es falle der 20-Jährigen sichtbar leichter zu sprechen, wenn sie nicht so viel von sich selbst preisgeben müsse. Deutlich merkbar sei dies an den Gegenfragen Laudas, bei denen sie doch ein bisschen ins „schwimmen“ komme.

Offensichtlich sei gewesen, dass das Gespräch deutlich geschnitten wurde, urteilte Kral. „Man kann natürlich von Frau Kampusch nicht erwarten, dass sie der journalistische Profi ist.“ Und gerade bei Unsicherheiten werde die 20-Jährige greifbarer. So zum Beispiel in der Situation, in der sie sich bei der Frage nach dem Altersunterschied zwischen Lauda und seiner Lebensgefährtin verspricht. „Da ist sie für mich auch authentischer rübergekommen, als an anderen Stellen des Gespräches“, so der Psychologe.

Generell werte er die Entscheidung Natascha Kampuschs für die Sendung als aktiven Versuch, aus der Opferrolle herauszukommen und ihre Rolle, ihr Erscheinungsbild zu ändern, betonte Kral. Hoffen könne man daher nur, dass die 20-Jährige auch in zukünftigen Gästen so hilfreiche und angenehme Gesprächspartner finden werde wie in Niki Lauda. (APA)

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