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Big Brother kämpft ums Überleben

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Das Reality-TV-Format Big Brother hat langsam, aber sicher ausgedient. Nachdem der australische Sender Ten Network http://ten.com.au, angekündigt hat, das Format mit dem Ende der aktuell laufenden Staffel definitiv abzusetzen, wird auch in Europa laut über die verbleibenden Überlebenschancen der Sendung nachgedacht. Buchmacher bezweifeln das Weiterbestehen des Formats bereits und haben die Chancen darauf deutlich herabgesetzt, wie der Guardian berichtet. Dass sich die populäre Endemol-Show im Laufe der Jahre abgenutzt hat, darüber sind sich die Medienexperten einig. „Ich denke, in gewisser Weise hat sich das Format sicherlich totgefahren“, meint Big-Brother-Experte Jürgen Grimm, Professor am Institut für Publizistik der Universität Wien http://www.univie.ac.at/Publizistik , im Gespräch mit pressetext. Was das Reality-TV-Format einst groß gemacht habe, würde mittlerweile nicht mehr in diesem Ausmaß greifen und sei von anderen Trends abgelöst worden.

„Endgültig kann man noch nichts sagen, aber fürs erste ist es jetzt einmal vorbei. Ich glaube nicht, dass wir da in den nächsten Monaten noch viel sehen werden“, prognostiziert auch der Medienexperte Kai Weidlich vom Medieninstitut Ludwigshafen http://www.medien-institut.de gegenüber pressetext. Bestätigt wird diese Einschätzung von den sinkenden Quoten, die zuletzt auch bei der australischen Version zum angekündigten Aus führten. Selbst Super-Promi-Auftritte wie jener von Pamela Anderson konnten an dem geringen Interesse des Publikums nichts mehr ändern. „Der einstige Erfolg von Big Brother entstand im Zuge des Reality-TV-Hypes. Als die Sendung an den Start ging, gab es einen Bedarf nach Alltagsleben und typischen Durchschnittsmenschen im Fernsehen“, erläutert Grimm. Zuvor seien im TV überwiegend Prominente oder bekannte Personen präsentiert worden. „Mit dem Aufkommen von Reality-Shows wurde beim Zuseher erstmals das Bedürfnis nach normalen Menschen im Fernsehen befriedigt.“

Der anfängliche Hype liegt darüber hinaus auch in einer Art „angeborenem Voyeurismus“ des Menschen begründet. „Andere in intimen Situationen zu beobachten, übt einen starken Reiz aus“, ergänzt Weidlich. Dass sich TV-Formate über die Jahre schließlich abnutzen, sei völlig normal. Im Fall von Big Brother haben dazu aber auch die Sender selbst beigetragen, indem sie das Konzept laufend veränderten und „formatfremde Elemente“ einführten. „In Deutschland führten schon in der zweiten und dritten Staffel die Versuche, die Show mit Games oder Sexappeal aufzupeppen, zu einem ersten Attraktivitätsverlust“, erklärt Grimm im pressetext-Interview. Solche Elemente würden zwar kurzfristig Quoten bringen, seien aber langfristig nicht erfolgreich. „Wer sexuelle Stimulation wünscht, findet diese anderswo und braucht dazu nicht Big Brother“, so der Medienexperte.

Das Format hat sich mit der Zeit zu sehr von seinem ursprünglichen Konzept entfernt. Auch die Teilnehmer kamen schließlich nicht mehr nur, um bei dem TV-Experiment mitzumachen, sondern um bewusst berühmt zu werden, sich im Fernsehen darzustellen. „Die Leute haben sich immer mehr wie in einer Castingshow verhalten und wollten entdeckt werden“, erklärt Grimm, der seinerzeit selbst Begleitstudien zu den ersten beiden Staffeln im deutschsprachigen Fernsehen durchgeführt hat. Heutzutage populäre Castingshows seien demnach die logische Weiterentwicklung des Reality-TV-Formats. „Was sich vom Ursprungstrend gehalten hat, ist das Orientierungsbedürfnis der Zuschauer. Sie holen sich bei den Sendungen eine Art Anleitung, um sich selbst zu positionieren“, erklärt Grimm.

In Hinblick auf Big Brother und sein absehbares Ende müsse aber eines auf jeden Fall beachtet werden: „Bei diesem Format handelt es sich um einen Megatrend, der sich rund eine Dekade gehalten hat. Das ist im Fernsehen und angesichts der heutigen Kurzlebigkeit eine lange Zeit.“ Derzeit gefragte Formate müssten sich bereits einer deutlich schnelleren Abnutzung stellen. Diese Ansicht stützt auch Weidlich, der den Castingshows ebenfalls ein baldiges Ableben bescheinigt. Bleibt abzuwarten, ob auch hierzulande der Zenith dieses Formats endgültig überschritten ist und wie viele Zuschauer RTL2 mit der nächsten, ab Dezember geplanten Staffel erreichen kann. Castings für Runde neun laufen bereits, die achte Staffel endete erst vor wenigen Tagen. (pte/red)

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