Geheimakte Max Friedrich: Sexueller Missbrauch & dubiose Testverfahren in Kinderpsychiatrie

Der Hype gegen Fatal Gutachter in Österreich nimmt seinen Lauf. Unter den Geächteten Richtern in weiß, der Kinderpsychiater Max Friedrich. Er soll zahlreiche Fehlgutachten erstellt und so für etliche Schuldlose hinter Gitter gesorgt haben.

Max Friedrich setzt nun zur Gegenwehr, habe gar seinen Rechtsbeistand, der nicht genannt werden möchte, mit der Causa befasst. Eine Dynastie, die am Landesgericht Klagenfurt und Wien seinen Lauf nahm. Eine Tragödie, die vor Jahren in Klagenfurt ihren Ursprung fand.

An der Abteilung für Neurologie und Psychiatrie des Kindes- und Jugendalters in Klagenfurt ist Max Friedrich kein Unbekannter. Nachdem 2004 erste Vorwürfe aufkeimen, dutzende Eltern Testmethoden und Behandlungsweisen in der Abteilung von Georg Spiel zu hinterfragen beginnen, tritt der renommierte Gutachter aus Wien als Revisor auf den Plan. Seine Aufgabe, die Untersuchung etlicher Krankengeschichten, ua. jene von Vanessa A. Das Mädchen war 2002 Opfer einer siebenwöchigen Zwangsanhaltung in der Kinderpsychiatrie – ohne richterlichen Beschluss. Die Folgen sind dramatisch, zog sich die damals 11-jährige Schülerin während dem Aufenthalt eine bleibende Brust- und Augenverletzung zu.

Eigentlich sollte das Mädchen abgeklärt werden, Vorwürfe von sexuellem Missbrauch waren Grund der Untersuchungen. Die Mutter, bedacht wie immer, sah ihre Tochter bei Georg Spiel und seinem Helferstab in besten Händen. Doch was niemand ahnen konnte, schon bald traten Verwandte auf den Plan und dubiose Testverfahren taten ihr übriges. Das Resultat, ein dubioser Befundbericht soll dem Gericht sein Urteil vorwegnehmen.

Darin heißt es „Da der Lebensgefährte (Anm.d.R.: mutmaßliche Täter) gerichtlich verurteilt wurde, konnte Vanessa wieder zur Kindesmutter entlassen werden“. Tatsächlich aber begann der Prozess vor Gericht erst am 30. Dezember 2002, also vier Monate nach Entlassung der Schülerin.

Schließlich bewogen erste mediale Berichte einen Schwenk. So schritt Max Friedrich als interner Revisor zur Tat. Ziel sollte die Entkräftung der Vorwürfe gegenüber der besorgten Eltern und ihrer Kinder sein, wobei vom Revisor selbst eingestand werden musste, dass er als Psychiater die beanstandeten Krankengeschichten nicht prüfen könne. Einer der Vorwürfe: Eine eifrige Psychologin hätte das sogenannte „FPI-R“ Verfahren an unter 16-jährigen angewandt. Ein Testbogen, der laut den Entwicklern der Universität Freiburg an sich nur für mutmaßliche Sexualstraftäter und Jugendliche ab 16 Jahren vorgesehen sei. Auswertungen die Xlarge exklusiv vorliegen, besagen das Gegenteil. Schon 11-jährige mussten höchst persönlichen Fragen wie „Ich hole sicherheitshalber ärztlichen Rat ein, wenn ich länger als zwei Tage erhöhte Temperatur (leichtes Fieber) habe“ nachgehen. Sogar Max Friedrich habe für seine Gutachten vor Gericht diese Testergebnisse herangezogen.

Der Gerichtsgutachter Manfred Germadnik aus Kärnten stellt in einer Gegenexpertise hingegen fest »Das Testverfahren „FPI-R“ (Freiburger Persönlichkeits-Inventar) ist für eine elfjährige Klientin absolut ungeeignet, zumal keine diesbezüglichen Normen vorherrschen«, dh. für die Auswertung stünden nicht einmal erhobene Vergleichswerte zur Verfügung. Der Kinder- und Jugendpsychologe Dr. Rolph Wegensheit meint im Gespräch mit Xlarge gar »Ein derartiges Testverfahren kann mitunter zu bleibenden Schäden bei einem Kind dieses Alters führen«

Trotz mehrmonatiger Erhebungen kommt der Abteilungsleiter Georg Spiel im Fall Vanessa A. und ihrer subjektiv vernommenen Sehstörung zum Schluss „Eine Augenverletzung habe es nie gegeben, lediglich eine verklebte Wimper sei aus dem Auge entfernt worden“. Weshalb das Mädchen in der Kinderpsychiatrie plötzlich zu rauchen begann, eitrige Zähne aufwies und eine Brustverletzung davon trug, konnte man der besorgten Mutter in einer schriftlichen Stellungnahme nicht erklären. Noch heute leidet die Schülerin an den Vorkommnissen in der Kinderpsychiatrie, trug sogar die sogenannte „posttraumatische Belastungsstörung“ davon.

Ein weiterer Fall – der 10-jährige Benedikt G. (Name von der Redaktion geändert). Der hyperaktive Junge war im Juni 2005 gar Opfer sexueller Übergriffe an jener Abteilung ausgesetzt, wo drei Jahre zuvor Vanessa A. ihr Martyrium erfahren musste.

Wie aus der Krankengeschichte des Kindes, die Xlarge exklusiv vorliegt, hervorgeht, sei ein Mitpatient am Nachmittag des 7. Juni 2005 dem damals 10-jährigen auf die Toilette gefolgt, habe dessen Penis in den Mund genommen und seinen eigenen anal bei Benedikt eingeführt – mit der Drohung, er werde ihn umbringen, sollte der Junge etwas verraten, ließ der 15-jährige Täter Mario W. (Name von der Redaktion geändert) schließlich von seinem Opfer ab.

Die Mutter, von der untätigen Klinikleitung im Unklaren gelassen, erfuhr erst eineinhalb Jahre später von diesem Vorfall. Neuerliches Schweigen des Revisor Max Friedrich, obwohl vor Jahren der bekannte Kinderarzt Dr. Wurst zahlreiche Schützlinge aus besagter Abteilung sexuell missbraucht haben soll.

Gegenüber Xlarge war Abteilungsleiter Georg Spiel trotz mehrerer Anfragen bis heute zu keiner Stellungnahme bereit. Wie von Seiten der Firma Schuhfried, verantwortlich für das Computertestverfahren „FPI-R“ in Spiels Abteilung, betont, können ausschließlich speziell geschulte Psychologen das fragliche Verfahren durchführen. Wie Psychologin Hochfilzer von Schuhfried gegenüber Xlarge erklärt, erhalte man bei Probanden unter 16 Jahren dutzende Warnmeldungen am Computerbildschirm, bevor der eigentliche Test überhaupt begonnen werden kann.

Xlarge wollte den Fatal Gutachter mit diesen Vorwürfen konfrontieren. Der allerdings war zu keiner Stellungnahme bereit und verwies auf die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Klagenfurt.

Wie drangsalierend der Ausgang von Max Friedrich Gutachten sein kann, zeigen unzählige Familienschicksale auf, die nach Einschreiten des Sachverständigen einem Schlachtfeld gleichen. Bis heute dürfen hunderte Kinder, allesamt begutachtet vom Wiener Kinderpsychiater, ihre Elternteile nicht sehen. Dennoch, Max Friedrich findet sich auf Nachschau von Xlarge noch immer in der Sachverständigen Liste, die vom Justizministerium herausgegeben wird.

In welchem Rollenspiel Sachverständige und Jugendämter agieren, präzisierte schon Prof. Dr. Uwe Jopt, Dozent der Universität Bielefeld, anlässlich der Wormser Prozesse. Seine Studien an missbrauchten Kindern, deren potentielle Täter schließlich vor Gericht einen Freispruch errungen haben, stilisierten das prekäre Sittenbild. Bis heute glauben die Betroffenen, von ihren Eltern nach wie vor getrennt, an den eigenen Missbrauch.

In Richtung Jugendfürsorge sagt Jopt »Ich kenne so viele Einzelschicksale, so viele verschiedene Jugendämter, wo in der Person der Vertreter sich Inkompetenz, Willkür, Naivität bis hin zur Dummheit paaren, und das Ganze eingebunden in eine einzige Macht«

Jopts Kritik scheint nicht unbegründet, denn hunderte Kinderschutz Organisationen in Österreich schwören auf den wissenschaftlichen Beirat von Prof. Dr. Max Friedrich. Nicht selten decken Prozessbegleitung und herbeieilende Gehilfen, bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch, das umstrittene Thesen Bild des Star-Gutachters.

Für den Kinder- und Jugendpsychologen Dr. Rolph Wegensheit ein klares Zeichen zum Handeln »Sollten wir uns weiterhin von profunden Standards, nämlich der Nullhypothese, die grundsätzlich vom Unwahr-Zustand ausgeht, loslösen, erfährt die österreichische Gerichtsbarkeit einen Kollaps« Der Kinder- und Jugendpsychologe ordiniert seit Jahren im Kontext mit betroffenen leiblichen Eltern. Seine Devise sind Kind neutrale Modelle und Elternteile, die nicht nur ihre eigenen Rechte wahrnehmen, sondern Verantwortung für ihren Nachwuchs übernehmen wollen.

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Siehe auch: Medial Irrtum: Der “falsche Professor” analysiert wieder
Siehe auch: Pilot wehrt sich gegen Gutachter Max Friedrich

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