Jugendamt Klagenfurt bezahlt für Seelenreinigung & Co.

Ein Debakel für die Jugendwohlfahrt mustert die Geschichte der heute 17 jährigen Silvia G. aus Klagenfurt. Mehr als ein Jahr verbringt Silvia G. (15) auf der Ferieninsel Teneriffa, tausende Kilomenter von ihrer Familie entfernt. Eine erlebnispädagogische Maßnahme wie es in Fachkreisen heißt, die nicht unumstritten scheint, wie der Kinder- und Jugendpsychologe Dr. Rolph Wegensheit zu wissen scheint »Die Kinder werden bewusst Barrieren ausgesetzt, müssen sich neuen sozialen Mustern unterwerfen und sind von ihrem bisherigen Leben abgetrennt. Aus Angst heraus fügen sich die meisten Jugendlichen den zeitlich begrenzten Maßnahmen. Sind sie erst einmal wieder zu Hause, kommen sie nur selten mit den neu gewonnenen Freiheiten zurecht«

Das Jugendamt der Stadt Klagenfurt in Kärnten kann allerdings mit weiteren Besonderheiten aufwarten. Während üblicher weise verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche mit geschulten Betreuern ins Ausland geschickt werden, soll die 15 jährige Kärntnerin alleine zur Seelenreinigung nach Teneriffa. Die Landesregierung von Kärnten lässt sich diese Odyssee auch einiges kosten – nämlich rund 100.000,- Euro! Verantwortlich für den Reinkarnationstrip zeichnet der deutsche Jugendhilfe Verein »Weg-EV.de« – Das Nachrichtenmagazin hat bereits ausführlich berichtet!

In einem Schreiben vom 30. Oktober 2006 erläutert der verantwortliche Sozialarbeiter DSA Erich Dreves-Pobaschnig die Vorzüge dieser Maßnahme »Silvia verbrachte erst die Zeit vom 21.09.2006 bis 26.09.2006 in der Clearingstelle der Einrichtung in Porziano/Italien und wurde mit 27.09.2006 in der Betreuungsstelle in Teneriffa/Spanien, bei Fam. Uwe und Claudia Radtke […] aufgenommen. Die individualpädagogische Maßnahme war nötig, da die Minderjährige seit Ende der letzten Jugendwohlfahrtsmaßnahme in der Wohngemeinschaft Heidlmair in Oberösterreich, mit 9.11.2005, alle Betreuungsversuche im Rahmen von Jugendwohlfahrtseinrichtungen in Österreich verweigerte. Die Minderjährige hielt sich in einem sehr negativen Umfeld auf, in welchen es immer wieder zu Straftaten, und vermutlichen Kontakt mit Drogen, Gewalttätigkeiten bis hin zu Prostitution und sexuellen Missbrauch kam«

Als Silvia G. Anfang Juli vor der Wohnung ihres Bruders Andrea K. steht, ist sie vollgepumpt mit Drogen und hatte sich sogar Bier in die Vene gespritzt – dem Nachrichtenmagazin Xlarge liegt der Befundbericht vom Landeskrankenhaus Klagenfurt exklusiv vor. In einem eigenen Schreiben vom 6. August 2006 schreibt das Mädchen an den Pflegschaftsrichter »Jetzt will ich mein Leben aber ändern, weil es so nicht weitergehen kann. Ich wohne jetzt bei meinem Bruder und fühle mich da auch sehr wohl und will für immer da bleiben«

Wie sich später herausstellen wird, soll diese Aussage ein Hinkelstein für den eifrigen Sozialarbeiter sein, der in seinem Schreiben vom 30. Oktober 2006 an das Bezirksgericht Klagenfurt weiter ausführt »Ende Juli 2006 bekam die Minderjährige schließlich über ihren Halbbruder […] Kontakt zu einem Verein namens INHR – Int. Network of Human Rights […] Silvia wurde über die Mitglieder dieses Vereins vermittelt, dass die mit ihr erarbeitete Jugendwohlfahrtsmaßnahme in Teneriffa für sie absolut negativ und sie dort eingesperrt und geschlagen werde«

Schließlich lässt sich Silvia G. dennoch animieren die Zelte beim Halbbruder abzubrechen und nach Teneriffa zu gehen. Im Gegenzug sollte die Jugendliche in Österreich kein Strafverfahren erfahren, weshalb die Staatsanwaltschaft Klagenfurt bis heute jedes Verfahren gegen das Mädchen unterbrochen hat.

Für den Jugendwohlfahrtsträger die letzte Rettung, denn bevor sich die 15 jährige auf die Reise begibt, war das Jugendamt seitens ihrer Klientin aufgefordert Auskunft über den Verbleib von Familienbeihilfe und Unterhalt zu geben. Ein finanzielles Nirwana, das bis heute unaufgeklärt bleibt.

Nachdem die 15 jährige in Teneriffa aufgenommen wurde, schreibt sie am 5. Oktober 2006 einen erschütternden Hilferuf über die Online Community »Szene 1« an die Ex-Frau ihres Halbbruders »Hilfe holts mi ausa de habn des telefonkabel ausa gezogen das de nix hern wenn wer anruft i darf net ins Internet bin grad heimlich drinnen weil da pc steht in mein zimma da dreves lasst net nach drei monat erst i will aber nerma do bleibn den reisepass haben a wieda de i kumm net nach klagenfurt ma helfts ma bitte i will nerma do bleibn kizz silvia«

Recherchen vom Nachrichtenmagazin Xlarg ergeben, dass sich hinter dem Nickname „X-Tina14“ Silvia G. verbirgt und die Nachricht tatsächlich aus Spanien stammt. Im Widerspruch gibt der Sozialarbeiter in seinem Schreiben vom 30. Oktober 2006 gegenüber dem Gericht an »Mit Silvia selbst wurde auch am 6.10.2006 von der Erziehungsleitung in Teneriffa ein Gespräch geführt in dem sie erklärte sich dort wohl zu fühlen und nicht weg zu wollen«

Seit August 2007 ist Silvia G. wieder zurück in Österreich, ohne Schulabschluss und ohne Ausbildungsstelle. Erneut hat sie Ende Oktober 2007 beim Int. Network of Human Rights um Rat gefragt, wie Roland Reichmann erläutert »Ja das ist richtig, denn Silvia hat mich angerufen und von den Eskapaden berichtet. Bevor das Nachrichtenmagazin Xlarge nach Teneriffa aufbrach, sei sie von der Familie Radtke rausgeworfen und nach Klagenfurt zurück geschickt worden«

Anstatt der Besorgnis des damaligen Verein Int. Network of Human Rights nachzugehen, beschließt das Amt der Kärntner Landesregierung um SPÖ Amtsmandatarin Christine-Gaschler Andreasch eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Klagenfurt zu übermitteln. Demzufolge wäre die Entführung von Silvia G. geplant gewesen und hätte man Mitarbeiter bedroht.

Roland Reichmann hingegen sieht sich keiner Schuld bewusst »Das Mädchen wollte ihren Hauptschulabschluss nachmachen und eine Lehrausbildung beginnen, beides sollte in den Augen des Sozialarbeiters Pobaschnig niemals Realität werden. Zumindest nicht unter der Obhut ihres Bruders, der nicht einmal einen einzigen Cent für seine Schwester vom Jugendamt bekam, obwohl sie fast drei Monate bei ihm unterkommen konnte. In dieser Zeit nahm das Mädchen weder Drogen noch Alkohol zu sich, distanzierte sich vom bisher negativen Freundeskreis und bemühte sich aktiv um die eigene Zukunft. Eine Pädagogin von INHR kümmerte sich in dieser Zeit aufopfernd um das Mädchen und ihre Perspektive. Bei Gericht wurden wir aber nie gehört«

Während die Voruntersuchungen gegen das Int. Network of Human Rights beim Landesgericht Klagenfurt brach liegen, bereits die Volksanwaltschaft wegen Verfahrensverschleppung ermittelt und der Verein Weg-EV ein Fall für die Staatsanwaltschaft München ist, praktiziert Claudia Radtke sowohl in Deutschland als auch auf Teneriffa munter weiter.

Nachdem das Jugendamt Klagenfurt mit ihrem Latein am Ende schien, waren nun die heilenden Kräfte der Deutschen gefragt. Ob Hypnose, Seelenreinigung, Rückführung in ein früheres Leben, Familienaufstellung oder andere Praktiken, beim Jugendamt der Stadt Klagenfurt ließ man sich die Behandlung von Silvia G. immerhin über 100.000,- Euro kosten.

Mit den Fakten konfrontiert, zeigt sich SPÖ Amtsmandatarin Christine Gaschler-Andreasch wenig betroffen und schweigt. Bis heute bleibt jede Presseanfrage zu diesem Fall seitens des Amtes der Kärntner Landesregierung und Soziallandesrätin Gaby Schaunig (SPÖ) unbeantwortet. Indes ermittelt das Bundesministerium für Familie und Jugendschutz von Andrea Kdolsky (ÖVP) aufgrund der Berichterstattung vom Nachrichtenmagazin Xlarge und dessen exklusive Enthüllungen.

Für die heue 17 jährige Silvia G. wenig Trost, die sich erneut mit einem weiteren verlorenen Jahr konfrontiert sehen muss. Das Mädchen bietet sich seit vergangenem August im Internet wieder zum Sex an, während ihre Mutter Petra G. auf Anfragen vom Nachrichtenmagazin Xlarge nicht weiß wo sich ihre Tochter derzeit aufhält.

Im Telefon Interview mit Xlarge Herausgeber Simon Polterer gibt Claudia Radtke zu, dass sie für Kinder die ihr vom Jugendamt geschickt wurden, Rituale wie Seelenreinigung angewandt habe. Jetzt hätte sie aber gekündigt und nichts mehr mit den Jugendämtern zutun. Abgesehen davon müsse man die Chronologie sehen. Konfrontiert damit, dass sie bereits seit 12 Jahren auf Teneriffa Reinkarnationstherapien anbiete, führte schließlich zum abrupten Ende des Telefonats.

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