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Türkische Selbstbefragung

Der Verein Aktionsradius in Wien 20 (dessen Webseite leider kein Impressum trägt) setzt regelmäßig kulturelle Aktivitäten. Am 9.11. wurde das Thema ISLAM – ZWISCHEN RELIGION UND POLITIK geboten, ausdrücklich und sehr aktuell als „Türkische Selbstbefragung“. Diskutanten waren derBundesrat der Grünen Efgani Dönmez, dazu der Leiter des Vereins Türkische Gemeinde in Österreich und Geschäftsführer des Neue Welt-Verlags, Birol Kilic. Die Islamische Glaubensgemeinde schaffte es offenbar nicht, einen türkischen Teilnehmer zu entsenden, die aus Deutschland stammende Carla Baghajati war im Rahmen einer Türken betreffenden Diskussion doch eher deplaziert. Geleitet wurde die Diskussion von der Journalistin Georgia Meinhard, die eindeutig überfordert wirkte.

Carla Baghajati versuchte gleich eingangs, zu provozieren. Sie stellte Österreich als Modell-Land im Umgang mit Moslems dar; die typische Sicht der Islamischen Glaubensgemeinschaft, die nach Baghajatis Version seit 1979 bestehe. Durch das Islamgesetz sei Religionsfreiheit geschaffen worden, religiöse Grundlagen hätte die Imamekonferenz erarbeitet. Eine Sichtweise, die von der IGGiÖ in Unkenntnis der Gesetze gern verbreitet wird.

Birol Kilic erklärte zunächst die Herkunft des Wortes Islam und nahm die Provokation auf, indem er die Machenschaften Omar Al-Rawis angriff, der als SPÖ-Gemeinderat eine politische Tätigkeit ausübt und gleichzeitig die Wahlkomission für die IGGiÖ-Wahlen leitet. Baghajatis Begründung, Al-Rawi hätte Erfahrung in der Abwicklung von Wahlen, klang lahm. Wahlen in der IGGiÖ sind schließlich in deren Statuten nicht vorgesehen, was Al-Rawi eigentlich wissen müsste. Interessant wurde die Debatte um Mitgliederzahlen der IGGiÖ. Die Glaubensgemeinschaft hatte erst 2010 erstmals begonnen, überhaupt Mitglieder zu erfassen. Von den (je nach Quelle) 500-700.000 Moslems in Österreich, die laut Islamgesetz alle Mitglieder wären, seien erst 46.000 registriert worden und von diesen auch nur 16.000 wahlberechtigt, weil die anderen keinen Mitgliedsbeitrag gezahlt hätten. Deshalb habe die Grazer Religionsgemeinde die Wahlen für ein halbes Jahr aussetzen müssen, weil zu wenige Wahlberechtigte erfasst wären. Baghajati ließ unerwähnt, dass die Grazer Religionsgemeinde nur aus einer einzigen Person besteht, Kamel Mahmoud, der bei den Moslems alles andere als gut angeschrieben ist. Dönmez wandte ein, wenn die IGGiÖ Vorbildwirkung hätte, würde die Moslems kommen.

Heftig wurde kritisiert, dass die IGGiÖ für die Zulassung zur Wahl eine Gebühr von 40 Euro einhebe. Dem wollen Moslems nicht folgen, da sie das aus den Herkunftsländern nicht kennen und nicht mit dem Islam vereinbar halten. – Leider kam nicht zur Sprache, wofür die IGGiÖ die angeblich schon eingenommenen 640.000 Euro verwende, da sie angibt, nur ehrenamtliche Funktionäre zu beschäftigen und auch keine Ausgaben für religiöse Einrichtungen hätte.

Efgani Dönmez erzählte, er stamme aus Anatolien, sei daher ein echter Türke (als Seitenhieb). Er sei Moslem und Alevit, doch die Islamische Glaubensgemeinschaft würde alevitische Moslems nicht zulassen. Baghajati konterte, dass doch auch andere Glaubensgruppen zugelassen würden, führte unter diesen aber nur unbedeutende Kleingruppen auf, nicht aber Aleviten, Schiiten und andere größere Gruppen.

Unvermeidlich kam das Gespräch auf die von Anas Schakfeh aufgebrachte Diskussion über Moscheen mit Minaretten. Deutlich Dönmez dazu, Minarette wären überflüssig und kein Bestandteil der Religion. Die Tatsache wurde angeprangert, dass die Islamische Glaubensgemeinschaft selbst keine einzige Moschee oder sonstige religiöse Einrichtung betreibt, sondern alle diese Einrichtungen von – mehr oder minder – politisch orientierten Vereinen betrieben würden. Das führte zu heftiger Kritik daran, dass der türkische Staat in Österreich Vereine unterhält, Beispiel ATIB, mit türkischen Beamten und einem Botschaftsrat als stellvertretenden Vorsitzenden. Es könne nicht angehen, so Kilic, dass die Türkei damit versuche, das Leben der Türken in Österreich zu beeinflussen. Die Vorfälle in der Dammstraße im selben Wiener Bezirk, wo die ATIB als Religionsgemeinschaft auftritt und ein islamisches Zentrum mit Moschee bauen will, blieben nicht unerwähnt.

Baghajati meinte, die IGGiÖ sei wichtig als religiöse Autorität. Sie konnte aber nicht begründen, weshalb. Hier kam ihr die Kritik entgegen, dass der Islam eine persönliche Religion sei, ohne kirchliche Hierarchie. Strukturen wie in Österreich gäbe es im Islam nirgends, vor allem niemanden, der sich als (sinngemäß) als religiöser Führer präsentiere. Die Kluft zwischen den echten Moslems und der Vertreterin der IGGiÖ war unübersehbar und wurde noch größer, als Baghajati die Rolle der IGGiÖ als Sammelbecken moslemischer Vereine verteidigte; damit frühere Aussagen bestätigend, dass die IGGiÖ nur der Dachverband islamischer Vereine sei.

Carla Baghajati trat mit ihrem engen Kopftuch und Hosen auf, beides unislamisch. Unvermeidlich war deshalb auch eine Auseinandersetzung über das Tragen des Kopftuches. Während Baghajati das Kopftuch als religiöse Vorschrift verteidigte, ließ besonders Kilic kein gutes Haar daran. Das sei, als „paulisches“ Kopftuch, eine Erfindung aus Kleinasien, lange vor den Moslems. Ein „Kopftüch“, wie es erst seit kurzem als moslemisch schick kreiert werde, hätte es in dieser Art auch in der Türkei nie gegeben. Alice Schwarzer wurde zitiert, die dieses Kopftuch als frauenfeindlich kritisiert hatte. Baghajati sah es als feministisches Statement und meinte, sie würde jede Frau an die Gleichbehandlungsanwältin verweisen, die wegen des Kopftuches keinen Arbeitsplatz erhielte. Auch bei dieser Gelegenheit blieb die Diskussion darüber ergebnislos. Die eine Seite beharrt darauf, das Kopftuch sei religiöse Auslegung, die andere Seite beruft sich auf den Koran (in dem das Kopftuch nicht enthalten ist) als einzige zulässige religiöse Vorschrift.

Dönmez griff das Thema der Scharia auf, die als Schreckgespenst im Hintergrund drohe, doch im Koran nicht vorgesehen sei, sondern späteren Gebräuchen entstamme. Während Baghajati ein politisches Ressort für Integration forderte, stelle Dönmez den Vorschlag in den Raum, Moslems Räumlichkeiten für religiöse Aktivitäten zur Verfügung zu stellen, natürlich nicht gratis, und betonte die wirtschaftlichen Beziehungen Österreichs zu islamischen Ländern.

Die Diskussion wanderte dann noch mehr in das politische Feld ab, als Baghajati Muhammad Asad in das Spiel brachte, einen vom Judentum zum Islam übergetretenen Konvertiten, der bei der IGGiÖ wegen seiner antizionistischen Haltung in hohem Kurs steht. Durch diese Einbeziehung außen liegender Themen und durch die Teilnahme einer Vertreterin der IGGiÖ, der die kulturellen und religiösen Wurzeln von Türken fehlen, kam die eigentliche Diskussionsgrundlage, die „Türkische Selbstbefragung“, etwas zu kurz.

Diskussionsleiterin Meinhard, die sich ungünstig an den Rand des Podiums gesetzt hatte und dadurch wenig Übersicht behielt, lud dann das Publikum zu Fragen ein. Dieses Vorhaben scheiterte an den mehr oder weniger aggressiven Meinungsäußerungen, die vorgetragen wurden und wenig Zeit für echte Fragen ließen. Nachdem dann auch einige brisante Fragen in Richtung IGGiÖ nicht beantwortet wurden, fand die zumindest in Teilen sehr interessante Veranstaltungen ihr Ende. Fortsetzungen zu ähnlichen Themen sind schon vorgesehen.

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