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Jugendwohlfahrt: 40 Tiroler Kinder ins Ausland verbracht

Ein weiteres Mal muss der Tiroler Landtag das Budget der Jugendwohlfahrt um weitere 3,2 Millionen Euro erstrecken. In den nächsten Jahren erwartet die verantwortliche Landesrätin Christine Baur (Grüne) keine Entspannung im Bereich der Fremdpflege. Dennoch, viele leibliche Eltern prangern die Zügellosigkeit unerfahrener und oft kinderloser Sozialarbeiterinnen an, die für privatwirtschaftliche Erziehungsanstalten Kinder beschaffen – unter dem Deckmantel „Erziehungshilfe“.

Minenfeld Jugendwohlfahrt – So vernichtend fällt ausländische Evaluierung der Jugendwohlfahrt Österreich aus

Sie kommen aus schwierigen Verhältnissen, so lautet zumeist der Tenor um Kinder, die nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen dürfen. Die Alternativen der österreichischen Jugendwohlfahrt zeigen immer noch die bevorzugte Tendenz zum Fremdplatzierungsmodell. Während Experten der ambulanten Familienhilfe durchaus Chancen einräumen, reißen Jugendämter vorschnell Kinder aus ihrer gewohnten Bezugsumgebung.

Desaster Jugendwohlfahrt: Sozialpädagogen im Nebel

Viele tausend österreichische Kinder sind bekanntlich zwangsweise in Erziehungsheimen untergebracht, oft beschönigend, aber nichtsdestotrotz unzutreffend »Wohngemeinschaft« genannt. Vereine wie SOS Kinderdorf, Pro Juventute, Volkshilfe verdienen pro Monat und Kind 4-5000 Euro, plus Zulagen. Ein sehr lukratives Geschäft also, die Jugendwohlfahrt ist bestrebt, den Befüllungswünschen der Heime jederzeit nachzukommen; wie jüngst im Fall Haaser genügt eine erfundene Meldung – und schon steckt ein Kind im Heim. Das Aufsichtspersonal, früher Erzieher genannt, wird nun als „Sozialpädagogen“ geführt. Die Methoden änderten sich nicht.

Zwar sollte eine Fremdunterbringung nur zur unmittelbaren Abwendung einer akuten Gefahr stattfinden, und auch nur soweit und so lange, als kein gelinderes Mittel möglich ist. Um diese Einschränkungen schert sich die Jugendwohlfahrt nie; diese jeder Kontrolle entbehrende Behörde schaltet und waltet, wie sie will. Im Wissen, daß Pflegschaftsverfahren oft jahrelang hinausgezögert werden, damit die Heime keine finanziellen Einbußen erleiden. – Leider waren bisher politisch die Forderungen nicht durchsetzbar, Richtern die Einhaltung von Arbeitszeiten aufzutragen und Pflegschaftsverfahren zu befristen.

Der Verein Pro Juventute wirbt damit, Kindern, welche im Auftrag des Jugendamtes ihrem häuslichen Umfeld entzogen werden, ein Zuhause und die Chance auf eine gesunde Entwicklung zu geben. Denn, so der kalte Geschäftszweck: „Pro Juventute ist die führende Marke für soziale Kinder- und Jugendpädagogik in Österreich.“ Geht es noch deutlicher? In der Kindervermarktung hat Pro Juventute lange Tradition. Denn zwischen 1926 und 1973 raubten das Kinderhilfswerk »Pro Juventute«, das mit staatlichen Geldern unterstützt wurde, und das von Pro Juventute 1926 gegründete Hilfswerk »Kinder der Landstraße« 3000 Kinder aus jenischen Familien. In der Schweiz sollte die jenische Kultur zerstört werden, die als minderwertig und krank betrachtet wurde. Man wollte die „Vaganten“ zur Seßhaftigkeit zwingen (zit. 3Sat).

Doch nicht alle scheinen diese geschäftsmäßige Entwicklung unter Zwang und durch Einsperren als gesund zu empfinden. Ein aktueller Fall läßt aufhorchen.

Pro Juventute unterhält in Golling das Heim »Leuchtsturm«. Ein sehr passender und dem Hintergrund angemessener Name. Nach offenbar erheblichen Quälereien und schon einem früheren Selbstmordversuch flüchtete vor einigen Tagen ein 13-jähriger Insasse des Heims, fuhr nach München, versuchte dort, in Kontakt mit Medien zu kommen, um die Mißstände im Heim hinauszuschreien, und warum er denn nicht endlich zur Mutter zurück dürfe. Denn das ist schon einem Kind klar: österreichische Medien sind angewiesen, über die Brutalitäten der Jugendwohlfahrt und ihrer Kinderkäfige zu schweigen.

Keine Chance für den Buben. Nach ihm wurde wie nach einem Verbrecher gefahndet. Die Polizei griff ihn auf, Jugendamts-Mitarbeiter führten ihn aus München ab und brachten ihn ins Heim zurück. Einen teuren „Markenartikel“ kann man nicht so einfach frei laufen lassen. Nach den Schilderungen des Kindes ist es unschwer auszumalen, welche Strafen ihn dort erwarten. Alles nach dem Credo: „Pro Juventute – Aus Freude am Leben“.

Ein 13-jähriger im Heim? Geht einfach. Die Jugendwohlfahrt sucht gezielt Eltern aus, meist allein erziehende Mütter, von denen wenig Gegenwehr zu erwarten ist. Denen wird das schwere (und kaum überprüfbare) Verbrechen zur Last gelegt, nicht ausreichend erziehungsfähig zu sein. Die Strafe dafür ist in vielen Fällen, das Kind bleibt bis zur Volljährigkeit im Heim. Unter der Aufsicht von Sozialpädagogen, deren Erziehungsfähigkeit niemand prüft. Laut Anwalt der Mutter gebe es in diesem Fall ein Gutachten, das den Vorwurf weitgehend widerlege. Wird aber wenig bringen, denn die Jugendwohlfahrt ist nicht dafür bekannt, Kinder freiwillig aus Heimen freizugeben. Die könnten ja quasi „aus der Schule“ plaudern. Natürlich würde das jeweilige Heim auch eine Einnahmsquelle verlieren, dagegen wehren sich Heime in der Regel allerheftigst.

Pro Juventute empört sich, gegen den Verein werde öffentlich Stimmung gemacht. Richtig so. Die Jugendwohlfahrt und ihre Heimindustrie gerät immer mehr in den Blickwinkel der Öffentlichkeit, kann nicht mehr alles im Verborgenen treiben. Vielleicht irgendwann auch einmal in jenen der Justiz. Denn eines macht (nicht nur) in diesem Fall nachdenklich: Weshalb prüft die Justiz nicht Mißhandlungen von Kindern, durch die Jugendwohlfahrt und in Kinderheimen? Bei der Blindheit unserer Politiker ist dagegen die zweite Frage überflüssig: Weshalb haben diese Heime betreibenden Vereine das Spendengütesiegel? Wo sie doch an ihren Insassen bestens verdienen. Allein Pro Juventute rund 10 Millionen Euro im letzten Jahr, aus öffentlichen Geldern.

Auf die naheliegendste Idee – Probleme in Familien anders als durch Einsperren von Kindern zu lösen, kommt ohnehin niemand. Alles andere würde nämlich das einträgliche Geschäft der Kinderheim-Industrie stören.

Amtlicher Größenwahnsinn – Wie das Jugendamt in Familien Schicksal spielt

Immer öfter spielt die Jugendwohlfahrt Schicksal, holt Kinder gegen den Willen der Eltern aus ihren Familien. Sie müssen sich dafür nicht rechtfertigen, denn eine Kontrollinstanz gibt es nicht. Ein neuer Verein will dem Größenwahnsinn „Jugendwohlfahrt“ nun entgegentreten. Wie entrechtete Väter sich in Vereinen konstituieren, treten nun geprellte Eltern auf den Plan.

Eigentlich wären es die Jugendämter und ihr Fachpersonal, das dafür Sorge tragen müsste, dass Eltern wieder in der Lage sind für ihre Kinder selbst zu sorgen. Das sieht auch Anna K. (Name von der Redaktion geändert) so. Seit mehr als drei Jahren kämpft sie um ihre Tochter, die 6 Autostunden von ihr in einem Kinderheim untergebracht ist. Auslöser der behördlichen Querelen war die Verurteilung ihres Ex-Mann wegen Besitz von Kinderpornografie. Der Mutter unterstellte die Bezirkshauptmannschaft fehlende Distanz zum Täter und mangelnde Erzziehungsfähigkeit ihres Kindes. Doch sechs Jahre vor Abnahme ihrer heute 10-jährigen Tochter, bescheinigte noch die selbe Behörde der Mutter die Fähigkeit alleine für ihr Kind sorgen zu können. Das führte schließlich zu einer alleinigen Obsorge der Mutter.

Anna K. trennte sich vor mehr als einem Jahr von ihrem Mann, bezog eine neue Wohnung, investierte mehrere Tausend Euro in das  neue Heim, um endlich die Voraussetzungen für eine Rückkehr ihrer Tochter „behördengerecht“ zu machen. Das Jugendamt interessieren die Bemühungen der 30-jährigen nicht. Man beruft sich auf das familienpsychologische Gutachten, wonach die Kindesmutter erst mittels Therapie wieder die Fähigkeit zum Erziehen des eigenen Kindes erlangen soll. Unterstützung bietet die Jugendwohlfahrt freilich keine. Stattdessen veröffentlichen die Verantwortlichen ein Foto des Kindes für Werbezwecke im Internet. Schließlich soll das betreuende Kinderheim gut wegkommen.

Nach den Vorfällen in Bad Mitterndorf kein Wunder, denn ähnlich der Pro Juventute Einrichtung, musste sich auch das Kinderheim im Fall Anna K. Vorwürfe gefallen lassen. Sogar die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein – ohne erkennbares Ergebnis.

So wie Anna K. ergeht es vielen Eltern, die sich im Netz des behördlichen Größenwahn gefangen sehen. Anlässlich einer Tagung meinte der für Kärnten verantwortliche Soziallandesrat Christian Ragger (FPK) „Das Ziel ist es nicht, den Eltern ihre Kinder wegzunehmen, sondern vielmehr die Familien wieder zusammenzuführen“. Davon spüren viele Eltern nichts, weiß Florian Meiser, ehemaliger Sozialarbeiter und Mitbegründer des neuen Vereinskonzepts „Wir wollen nicht die Betroffenen selbst auf das Problem hetzen, sondern aus einer Gruppierung von fachlich versierten Personen heraus Lücken aufzeigen und Kontrolle üben. Betroffene Eltern können uns sozusagen auch als unabhängige Ombudsstelle kontaktieren“.

Voraussichtlich ab 2011 will Meiser und sein Team an die Öffentlichkeit treten. Bis dahin sei man mit umfassenden Vorbereitungsarbeiten eingedeckt. Mit politisch motivierten Äußerungen, die unter anderem von Christine Gachler-Andreasch (SPÖ), Leiterin der Jugendwohlfahrt in Kärnten, suggeriert werden, wonach die Elternarbeit wichtig sei, um den betroffenen Kindern und Jugendlichen irgendwann eine dauerhafte Rückkehr in ihre Familie zu ermöglichen, damit kann Meiser schon jetzt nichts anfangen „In den meisten Fällen erfolgt keine Elternarbeit. In Kärnten leben derzeit mehr als 600 Kinder und Jugendliche in Heimen. In zwei Drittel der Fälle warten Eltern vergebens und sehen sich mit einem jahrelang andauernden Kampf um ihr Kind konfrontiert“.

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