Anonyme Schreiberlinge: So läuft Trend mit skurriler Webblog Dynamik

Die Tendenzen abseits sozialer Netzwerke wie Facebook oder Twitter sind anonym anmutende Webblogs als Schreibwerkstatt unterschiedlicher Sonderlinge. Zwischen Gerichtsreportern von eigenen Gnaden und internationalen Journalismus ohne Impressum geht die Schreibwut um. Dank Google landen selbstgetextete Artikel nach dem Geschmack der Verfasser nicht selten unter die Top 10. Ein Blogger, Marcus Oswald, wurde nun Opfer islamistischer Hacker, die sich Fr13nds Team nennen.

Der Wunsch abseits vom Medien-Mainstream zu thematisieren, ist Kerngedanke vieler Blogger. Bislang machte das Phänomen in politisch brisanten Ländern auf sich aufmerksam. Hierzulande erlangte Marcus Oswald als Mistkübl-Stiderer vom Landl (Anm. d. Red.: Straflandesgericht Wien) schlussendlich traurige Berühmtheit. So fand der Wahlwiener heiße Akten ungeschminkt im Papiercontainer.

Marcus J. Oswald vor Gericht

Marcus J. Oswald vor Gericht

Tatsächlich war Blogger Marcus Oswald mehrfach Hinter Gitter, unter anderem da er einen Richter nicht unerheblich bedrohte. Unzählige Blog-Versuche unter wordpress.com und zahlreiche Klagen von Betroffenen führten wiederholt zur Löschung der akribisch geführten Oswald Blogs. Oswald selbst entgegnete dem massiven Blogschwund letztlich mit eigener Internetadresse, die nun von Hackern der Gruppe Fr13nds gekapert wurde.

Das Phänomen seine persönlich motivierte Meinung mit Blogs unter die Internetgemeinde zu mischen, greift selbst in Österreich seit Jahren um sich. Von Justizopfer bis hin zu „rauen Seiten“ soll der nach Blogger-Meinung einseitigen Tagespresse entgegengewirkt werden.

In den meisten Fällen verzichten die selbsternannten Autoren aber auf die nötigen Quellen und Belege, die schließlich aus ihrer Sicht nicht von Nöten seien. Einen bemerkenswerten Gegenpol zeichnet Andrea Juen aus dem Tiroler Oberland mit ihrem Beitrag über Justizwillkür. Unter www.justizopfer-andrea-juen.com erwartet den Leser eine Fülle an Belegen, Quellen und der oft vermissten Objektivität. Während andere „heiß & rau“ dahinschreiben, kann Andrea Juen sogar Parallelfälle minutiös aufzeigen.

Experte Stephan Pfeifhofer sieht in Blogs hierzulande oftmals ein Mitteilungsbedürfnis, das anderenorts an die Öffentlichkeit nicht kommuniziert werden kann  icon-angle-double-right Querulanten wollen vermehrt durch ihren Blog die Öffentlichkeit via Internet vereinnahmen. Das gründet sich auf ihrem Mitteilungsbedürfnis, denn sie erlangen auf den anderen üblichen Kommunikationswegen keine Aufmerksamkeit, um ihre Meinung zu posaunen. Dabei bleibt es meistens dann auch, wenn weder journalistische Sorgfaltspflicht noch medienrechtliche Grundsätze zum Tragen kommen  icon-angle-double-left

Pfeifhofer warnt im Gespräch mit XlargE auch vor dem Irrglauben man sei für seinen Blog nicht haftbar oder könne sich seiner Verantwortung entziehen  icon-angle-double-right Auch ein Blog ist ein Medium das medienrechtlichen Bestimmungen unterliegt. So z.B. muss selbst jeder Blog ein Impressum inkludieren, egal ob der Blog in Österreich oder auf einem ausländischen Server betrieben wird  icon-angle-double-left

Übrigens, seit der Novellierung des Mediengesetzes können von der Österreichischen Nationalbibliothek auch Online Medien erfasst und archiviert werden.

Pikanterie am Ende: Für Marcus Oswald bestellte das Handelsgericht Wien inzwischen zweimal einen Zustellkurator wegen gegen Oswald gerichtete Unterlassungsklagen zu AZ 007 43 CG 84/15y und AZ 007 57 CG 22/15h, da die Zustellung der Klagen und der Anträge auf Erlassung einer einstweiligen Verfügung an Marcus Oswald nicht erfolgen konnte und der Aufenthalt des Bloggers unbekannt ist.

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