Start Web Telekom Aufgedeckt! So skrupellos erhöhen A1, Magenta & Drei die Preise

Aufgedeckt! So skrupellos erhöhen A1, Magenta & Drei die Preise

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Preiserhöhung A1, Magenta, Drei

Als wäre dank der Corona Pandemie die Volkswirtschaft nicht schon angeschlagen genug, drehen die nationalen Netzbetreiber Player A1, Magenta und Drei mit März kräftig am Tarifentgelt. Von Servicepauschale bis hin zum monatlichen Grundentgelt müssen Kunden mit massiven Preiserhöhungen rechnen. Sowohl der Telekom-Regulator als auch die Bundeswettbewerbsbehörde sehen zwar eine schiefe Optik, aber kein Erfordernis zum Einschreiben. Betroffenen Kunden bleibt nur das Sonderkündigungsrecht.

Während im Zuge der Marktliberalisierung gerade mobiles Telefonieren massiv günstig wurde, feilten im Laufe der Marktentwicklung die Netzanbieter vermehrt an neuem „Körberlgeld“. Den Beginn machte die Servicepauschale, heute das eigentliche jährliche Grundentgelt eines jeden Mobilfunkvertrags, und vermehrt auch Einnahmequelle bei Festnetzkunden. Virtuelle Anbieter wie Spusu oder Hot werben zwar mit günstigen Tarifen und schwören es gebe nie Preiserhöhungen, eher Vergünstigungen. Das Manko liegt aber im Detail.

Aktuell bewirbt Spusu einen unlimitierten Datentarif mit bis zu 80Mbit/s Download Geschwindigkeit um pauschale Euro 19,90 im Monat. Bei genauer Betrachtung fällt schnell die geringe Upload Geschwindigkeit von bis zu 20Mbit/s auf. Ein ähnliches Desaster erleben die Angebote von Hot. In der Realität scheitern diese Angebote gegenüber den Netzbetreiber Produkten an der tatsächlichen Datendurchsatzrate. Das XlargE Magazin wagte den Test zwischen Hot und Drei. Während der Discount Tarif im Speedtest auf maximal 10Mbit/s im Download und gerade einmal 5Mbit/s im Upload misst, sehen die Werte bei Drei mit rund 60Mbit/s Download- und 25Mbit/s Uploadgeschwindigkeit spürbar anders aus, obwohl im Test beide Tarife mit bis zu 150Mbit/s Downloadrate und bis zu 50Mbit/s Uploadrate bestückt waren.

Weniger ins Gewicht fallen hingegen Telefonie Tarife mit inkludierten Freiminuten. Hier können virtuelle Anbieter den Großen durchaus Paroli bieten, wenngleich auch hier Geschwindigkeitseinbußen bei Internetnutzung am Smartphone zu berücksichtigen sind, und das obwohl Smartphones im Internetbetrieb gegenüber Datenverträgen mit Routern bei den Netzbetreibern – auch den virtuellen – priorisiert werden, und deshalb immer höhere Datenraten erzielen.

Konsumentenschützer raten betroffenen Kunden jedenfalls zur Ausübung des Sonderkündigungsrechts. Das kommt zum Tragen, wenn eine einseitige vertragliche Änderung dem Kunden zum Nachteil gereicht wird. Wer kündigen will, sollte aber beachten die Kündigung muss bis zum 28. Februar 2021 beim Anbieter einlangen. Selbst wenn Kündigungen per Email möglich sieht, raten Konsumentenschützer zur Kündigung am eingeschriebenen Postweg. Im Fall der Kündigung darf der Anbieter bei einer Rufnummernmitnahme außerdem keine Kosten verrechnen.

Worin die Gründe der Preiserhöhungen liegen, versuchen A1, Magenta und Drei märchenhaft zu illustrieren. A1 argumentiert in einem Kommentar man investiere in den nächsten Jahren 480 Millionen in den Netzausbau. Alle drei begründen ihre Preiserhöhung im Tenor mit Tarifen, die seit Jahren nicht mehr angepasst wurden. Von Breitband Milliarde und Subventionen, die den Netzbetreibern gerade für ihren 5G-Netz Aufbau zufließen, hört man nichts.

Ein Insider kommentiert die Argumente von A1, Magenta und Drei durchwegs als flach. Nach wie vor teils teuer subventionierte Smartphones – in Verbindung mit einem Vertrag – stützen von jeher die Hersteller mit satten Zuwendungen, um die Verkaufszahlen ihrer Produkte zu kaschieren. Technisch müssen die Anbieter gar nicht vieles investieren. Das Groß der Investitionen liegt allenfalls in der Montage neuer Antennen, und auch da wurde die für 5G erforderliche Technik schon lange implementiert, wie selbst YouTube Videos der Deutschen Telekom belegen. Und noch eines: die erforderlichen Glasfaserstrukturen liegen längst im Boden – selbst der ländliche Raum sei dem Branchen Insider zufolge gut gerüstet.

In der Praxis also verwenden A1, Magenta und Drei vornehmlich bestehende Standorte. Die Aufrüstung erfolgt in erster Linie Software technisch, und gegeben falls durch Tausch der eingesetzten Antennen.

Das weitere Argument der Anbieter mit Home Office stieg die Internetnutzung signifikant an, mag durchaus stimmen. Viele Unternehmen sattelten im Zuge der Corona Pandemie bei ihren Mitarbeitern ins Home Office um. Hinzu kamen während der Schulschließungen scharenweise ganze Familien, die ihr Leben plötzlich gänzlich zu Hause fristen mussten.

Aber auch da sieht der Branchenexperte gegenüber dem XlargE Magazin keinen berechtigten Ansatz für Preiserhöhungen. Die längst in Österreich bestehenden Glasfasernetze kommen den heutigen Nutzungsansprüchen durchwegs nach. Die Kapazitäten nach oben sind offen, und das Limit noch lange nicht erreicht. Hingegen ortet der Branchen Insider die tatsächlichen Gründe in der langfristigen Preispolitik. Im Laufe der Zeit entfielen den Anbietern die lukrativen Einnahmen aus dem Gewinn bringenden Geschäft mit Auslandstelefonie bzw. Internet surfen im Ausland. Konkret mussten alle Mobilfunkanbieter in Europa den EU Vorgaben zur Neugestaltung der Roaming Gebühren folgen. Bislang konnten Anbieter die Preise bei Roaming frei bestimmen. Honorige Telefonrechnungen im drei- bis vierstelligen Ausmaß blieben keine Seltenheit.

Und auf eines darf man aus Sicht des Experten ohnehin nicht vergessen: Dank der in den letzten zwei Jahrzehnten erfolgten Fusionswelle ist zwar die Zahl der virtuellen Netzbetreiber gestiegen. Allerdings jener, die über ihr eigenes Netz verfügen, drastisch gesunken, und Konsortium Strukturengibt es keine mehr. Die verbliebenen Konzerne müssen jährlich Gewinn versprechende Bilanzen ihren Eignern präsentieren. Kunden orientierte Preise, wie sie noch zu Zeiten von max.mobil gängige Praxis waren, sind da heute fehl plaziert.

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