Kategorie Archive: Netzpolitik

Schluss mit toten Kinderseelen: So lässt Kindopfer Missbrauch-Buch einstampfen

Im Club 2 machte Hermine Reisinger dank ihres Buches „Tote Kinderseelen“ von sich reden. Ihre Geschichte als Ex-Prostituierte, die mit dem verdienten Geld ihre Tochter zurückkaufen wollte, verlangt nach Anerkennung ohne Zweifel. Doch ihr Verlag musste Konkurs anmelden und am Ende entpuppte sich das Gespann aus Autorin und Verleger als Reinfall. Gerade einmal rund 1000 Bücher waren der Lohn vieler Buchvorlesungen und öffentlichen Interviews. Doch wie weit muss Aufklärung gehen, die persönlich motiviert und emotional gelenkt ist.

Facebook als Terroristen-Bank?

Bankkunden müssen sich seit Jahren immer stärkeren Einschränkungen und Kontrollen unterziehen. Damit soll angeblich der Geldfluss zu terroristischen und kriminellen Organisationen eingeschränkt werden. Diese kümmern sich wenig darum, es gibt bessere Möglichkeiten.

AUFGEDECKT: Schweinegrippe führt zu Massenpanik im Internet

schweinegrippeDer Ausbruch der Schweinegrippe hat eine weltweite Panikwelle im Internet ausgelöst. Obwohl bislang noch nicht einschätzbar ist, wie akut die Bedrohung des Virus tatsächlich ist, hat sich die Schweinegrippe innerhalb kürzester Zeit zum Top-Thema auf Web-2.0-Plattformen und Social Networks entwickelt. Der Begriff „Swine Flu“ rangiert derzeit auf Platz eins der Top-Themen im Microblogging-Dienst Twitter. Google Maps wird regelrecht gestürmt, um nachzusehen, an welchen Punkten auf der Welt bestätigte Ansteckungen oder Verdachtsfälle der Krankheit eingetragen wurden. So lässt sich für besorgte Nutzer rund um den Erdball auf einen Blick die Ausbreitung der Schweinegrippe mitverfolgen.

Allerdings dienen die Online-Plattformen nicht einfach der Information, sondern fördern die Entstehung von Massenhysterie und Panik. Auch in den Medien ist die Schweinegrippe derzeit Schlagzeilenthema Nummer eins. „Die Panikmache bei nutzergenerierten Inhalten funktioniert zunächst einmal ähnlich wie über herkömmliche Massenmedien und der Austausch über diverse Internetportale trägt natürlich zur Hysterie bei“, sagt Kai-Uwe Weidlich, Medienexperte und Geschäftsführer des Medien Institut in Ludwigshafen http://www.medien-institut.de, im Gespräch mit pressetext. Der Unterschied zu journalistisch aufbereiteten Berichten sei jedoch, dass bei User-generated-Content weniger Know-How und sehr viel Halbwissen im Spiel sei. „Damit ist die Gefahr, dass der Informationsfluss aus den Fugen gerät weit höher, weil die journalistische Recherche und damit valide Fakten fehlen“, erklärt Weidlich.

Auf Twitter posten alarmierte Menschen auf der ganzen Welt aktuell fast im Sekundentakt Links zu neuen Beiträgen rund um das Virus, stellen Fragen oder verbreiten Gerüchte über neue Fälle. Auch in den Google Trends kletterte der Begriff innerhalb von nur zwei Tagen schlagartig in die Liste der Top-Suchworte. Auf Facebook gibt es mittlerweile knapp 70 verschiedene Gruppen rund um das Thema und in diversen Blogs wird bereits eifrig an Verschwörungstheorien gebastelt.

Die Web-2.0-Dienste können neben der Begünstigung von Massenpanik aber durchaus auch einen sinnvollen Zweck erfüllen. „Was die Geschwindigkeit der Informationsverbreitung betrifft, sehe ich zwar keinen Vorteil gegenüber den Medien. Allerdings können die Plattformen einen interaktiven, individuellen Austausch bieten, mit dem die journalistische Information nicht dienen kann“, meint Weidlich gegenüber pressetext. So würden über Twitter und Co zum Beispiel lokal relevante Informationen getauscht, die in klassischen Medienberichten fehlten. (pte/red)

Außer Rand & Band: eBay Powerseller plötzlich willkürlich ausgesperrt

ebayGewerbsmäßige eBay-Verkäufer laufen Gefahr, ohne Vorwarnung gesperrt zu werden. Wie der aktuelle Fall eines deutschen Powersellers zeigt, nimmt sich die Auktionsplattform das Recht, Accounts auf Verdacht und ohne weitere Begründung auf Eis zu legen. So wurden laut pressetext vorliegenden Informationen Anfang März alle eBay-Accounts der Jungunternehmer-Firma Logotrans GmbH offenbar willkürlich geschlossen. eBay habe zunächst Eigentumsnachweise für verschiedene Artikel – darunter zahlreiche iPhones – gefordert und schließlich einen Tag darauf die Mitgliedskonten ohne Vorwarnung oder ausreichende Begründung gesperrt, beklagt Logotrans-Geschäftsführer Andreas Migotz gegenüber pressetext. In einer wenig aufschlussreichen E-Mail-Benachrichtigung sei der Satz „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir dazu keine weiteren Angaben machen können“ zu lesen gewesen.

Nach mehrmaligen Nachfragen konnte der gesperrte Powerseller bruchstückhaft in Erfahrung bringen, dass eBay offenbar Zweifel an einem seiner Lieferanten anmeldete, sich jedoch auch dazu nicht näher äußern wollte. Der betreffende Lieferant, der selbst über eBay verkauft, wurde jedoch auf der Seite nicht gesperrt, während die Firma Logotrans dazu aufgefordert wurde, diverse Dokumente, Lieferscheine und Rechnungen bei eBay vorzulegen. Der Account blieb auch nach Einreichung aller gewünschten Unterlagen weiter gesperrt. Dem Unternehmen, das nach eigenen Angaben monatlich bis zu 200.000 Euro umsetzte, ging dadurch der Hauptanteil seiner Einnahmen verloren. „Natürlich hat der Plattformbetreiber das Recht, bestimmte Spielregeln für seine Plattform aufzustellen. Zudem kann er Verkäufern unter bestimmten Umständen auch außerordentlich kündigen“, erklärt Max-Lion Keller, Rechtsanwalt bei der IT Recht Kanzlei http://www.it-recht-kanzlei.de, im Gespräch mit pressetext. In diesen Fällen sei jedoch immer eine detaillierte Begründung erforderlich und die Erläuterung mit vorgefertigten Textbausteinen für eine Sperre des Verkäuferaccounts in der Regel nicht ausreichend.

Eine Entscheidung des OLG Brandenburg von Herbst 2008 belegt, dass eBay die Sperre eines Mitglieds ohne nähere Erläuterung nicht ohne weiteres durchführen kann. eBay hatte einen Händler mit der Begründung, dass sein Mitgliedsname gegen die AGB verstoße, vom Handel auf der Plattform ausgeschlossen, ohne dies näher zu erklären. Der betroffene Händler klagte dagegen und bekam Recht. „Generell hat eBay einen recht großen Spielraum und kann relativ uneingeschränkt gegenüber seinen Mitgliedern handeln, ohne dabei besondere Rücksichten nehmen zu müssen, sagt Keller. In der Regel berufe sich eBay dabei immer auf seine AGB. Allerdings würde mitunter auch hin und wieder subtiler Druck ausgeübt und suggeriert, dass allen eBay-Forderungen nachzukommen sei – sonst bleibe der Account schlicht gesperrt. Diese Vorgehensweise bestätigt auch Logotrans.

Das Urteil des OLG Brandenburg zeigt eBay jedoch zumindest bestimmte Grenzen auf. „Zwar ist es eBay auch in Zukunft nicht verwehrt, Sanktionen gegen solche Mitglieder zu verhängen, die sich nicht an die von eBay aufgestellten Grundsätze halten. Jedoch hat auch eBay seinen Nutzern gegenüber einige Verpflichtungen einzuhalten, die nicht einfach mit pauschalen substanzlosen Behauptungen ausgehebelt werden können“, resümiert die IT Recht Kanzlei auf ihrer Homepage zu der Entscheidung.

eBay selbst zeigt sich wortkarg, was die scheinbar willkürliche Sperre von Powersellern betrifft. „Nach meinen Informationen hat immer Kommunikation zwischen dem Verkäufer und eBay geherrscht“, sagt eine Plattform-Sprecherin auf Nachfrage von pressetext im Fall der Firma Logotrans. Dass diese „Kommunikation“ wenig aufschlussreich für den Händler war und dieser sich aufgrund der geforderten Herausgabe sämtlicher Unternehmensdokumente unrechtmäßig durchleuchtet fühlte, will man seitens eBay jedoch nicht kommentieren. „Unbegründet wird niemand gesperrt und konkrete Informationen sind gegenüber den Medien aus Datenschutzgründen nicht möglich“, erklärt die Sprecherin auf mehrmaliges Nachhaken. Nach wochenlangem Tauziehen wurde der Powerseller schließlich mit einem Handelslimit wieder freigeschaltet. „Bis heute bin ich nicht aus der Vorgehensweise von eBay schlau geworden und kann mir die Sperre nicht erklären“, sagt Migotz und kritisiert, dass ihm durch das auferlegte Limit ein Großteil seines Geschäfts verloren gehe. (pte/red)

AUFGEDECKT: Nackte Kinder auf Google Street View sorgen für Aufruhr

londonDie virtuellen Straßenansichten des Kartendienstes Google Maps http://maps.google.com sind Zentrum einer Debatte über Privatsphäre in Großbritannien. Mit Google Street View kann man sich Fotos in hoher Qualität von fast allen Gegenden Londons und anderen großen Städten ansehen. Die Zeitung The Independent on Sunday hat auf Fotos einer Straße in London nackte, spielende Kinder entdeckt, deren Gesichter nicht unkenntlich gemacht worden sind. Eigentlich soll das Service die Gesichter von Menschen automatisch unkenntlich machen, was jedoch nicht immer funktioniert. Seit das Google-Angebot vergangenen Donnerstag auch für London gestartet worden ist, gab es hunderte Anfragen von Menschen, die ihre Bilder entfernen lassen wollten. Darunter waren Fotos von Prominenten, die gerade Sex-Shops verlassen oder sich in der Öffentlichkeit übergeben.

Die Fotos der spielenden Kinder wurden im vergangenen Sommer aufgenommen und zeigen das Leben in einer ruhigen Seitenstraße, die von den meisten wohl als halb-privat betrachtet würde. Es ist keine Durchfahrtsstraße und die Kinder spielen auf Rasenflächen am Straßenrand. Die Fotos haben eine derart gute Auflösung, dass sogar das Gesicht eines dreijährigen Kleinkindes klar identifizierbar ist. Nachdem die Fotos von Journalisten entdeckt und Google informiert worden ist, hat das Unternehmen die Bilder innerhalb einer Stunde aus Google Street View entfernt. Zuvor hat das Unternehmen verlautbart, dass 99,9 Prozent der Gesichter unkenntlich gemacht werden. Dass das nur im übertragenen Sinn gemeint gewesen sei, hat das Unternehmen nun zugegeben. „Die Technik ist nicht vollkommen perfekt. Die Idee ist nicht, jedes einzelne Gesicht unkenntlich zu machen, sondern nur jene, die klar identifizierbar sind“, so die Google-Sprecherin.

Google zeigt sich nicht besorgt darüber, dass auch die Gesichter anderer Kinder, beispielsweise vor Schulgebäuden, noch immer zu erkennen sein könnten. Falls dies so wäre, könnten Eltern in Google Street View eine Taste drücken und die Bilder entfernen. Zudem seien die Fotos nur eine Momentaufnahme und nicht live. Mit Google Street View kann man derzeit Straßenansichten von fast allen größeren Städten in den USA betrachten. Seit kurzem ist das Service von Google Maps auch für Städte in Großbritannien und den Niederlanden verfügbar. Auch von einigen Städten in Frankreich, Spanien und Italien sind virtuelle Straßenansichten abrufbar. In Deutschland sind derzeit Fotografen-Teams unterwegs, die zum Teil für großen Unmut sorgen. Der kleine Ort Molfsee in der Nähe von Kiel hat bereits eine Kampagne gegen Google Street View gestartet. (pte/red)

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