Der schlecht geschützte Präsident

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Bundespräsident Van der Bellen

Ist der Bundespräsident ausreichend geschützt? Der österreichische Bundespräsident Alexander van der Bellen leistete sich wieder einmal eines seiner Kabinettstückchen. Er saß im lauschigen Schanigarten eines Gastwirtes, in der Wiener Innenstadt. Mit ihm am Tisch, so sagte er, waren seine Frau und zwei Freunde. Keine Personen aus einem gemeinsamen Haushalt.

Zu später Stunde, das heißt, lange nach der amtlichen Sperrstunde, wurde van der Bellen samt Begleitung dort von der Polizei angetroffen, im Schanigarten des Ristorante Sole. Auf dem Tisch standen gefüllte Gläser, die sicherlich noch keine Stunde alt waren. Die Polizei kam, sah, zeigte an. Ob die vorgezogene Sperrstunde, ob die Anzeigen sinnvoll waren, fragte in diesem Moment niemand.

Alexander van der Bellen zeigte sich am nächsten Tag zerknirscht. Er habe die Sperrstunde übersehen, man sei einfach sitzen geblieben. Die Gläser wären eben noch nicht leer getrunken gewesen. Der Präsident meinte gütig, sollte der Wirt eine Strafe bekommen, werde er diese für ihn auslegen. Dazu lautet die aktuelle Verordnung: „Wer als Inhaber einer Betriebsstätte nicht dafür Sorge trägt, dass die Betriebsstätte, deren Betreten (…) untersagt ist, nicht betreten wird, begeht eine Verwaltungsübertretung und ist mit einer Geldstrafe von bis zu 30.000 Euro zu bestrafen.“ Zur Betriebsstätte zählt jedenfalls auch ein Gast- oder Schanigarten. Experten streiten sich nun heftig, ob das auch für den Bundespräsidenten und seine überzeitige Konsumation gelte.

Der Wirt, Aki Nuredini, ist (partei-) politisch gut vernetzt. Die „Abteilung Migration“ des Roten Kreuzes lobt ihn, in Akis Trattoria in der Annagasse eröffne sich „ein Mikrokosmos für humanitäre Projekte“. Sein politisches Engagement bracht Nuredini, aus Mazedonien stammend, auch das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ein. Ob die gesetzwidrige Bewirtung des Bundespräsidenten auch zu seinen Verdiensten zählt?

Doch in der hektischen Diskussion um des Bundespräsidenten nächtliche Erlebnisse ging etwas anderes völlig unter. Wo war Alexander van der Bellens Polizeischutz? Von Amts wegen erhalten in Österreich der Bundespräsident, der Bundeskanzler und der Innenminister Personenschutz. Dieser Schutz wird von der Polizei-Einheit Cobra ausgeübt. Jener Spezialeinheit, die unter anderem durch das Erlegen von Rindviechern internationale Berühmtheit erlangte.

Was war mit diesen Cobras passiert? Hatten sie übersehen, ihrem Schützling zuzuflüstern: „Herr Präsident, oba jetzt samma schon spad dran.“ Oder waren sie es, die noch Getränke serviert hatten? Wieso fiel den Cobras nicht auf, dass sich da eine Polizeistreife näherte? Hätte man die Sache nicht von Kollege zu Kollege bereinigen können?

Fragen über Fragen. Bei denen die letzte die lauteste ist: Oder waren gar keine Cobras dort? War der Bundespräsident, nichts weniger als der Bundespräsident, etwa ungeschützt?

1 KOMMENTAR

  1. Man stelle sich vor, statt der Polizei wären dort Bewohner des humanitären Mikrokosmos aufgetaucht!

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