Desaster Jugendwohlfahrt: Sozialpädagogen im Nebel

Viele tausend österreichische Kinder sind bekanntlich zwangsweise in Erziehungsheimen untergebracht, oft beschönigend, aber nichtsdestotrotz unzutreffend »Wohngemeinschaft« genannt. Vereine wie SOS Kinderdorf, Pro Juventute, Volkshilfe verdienen pro Monat und Kind 4-5000 Euro, plus Zulagen. Ein sehr lukratives Geschäft also, die Jugendwohlfahrt ist bestrebt, den Befüllungswünschen der Heime jederzeit nachzukommen; wie jüngst im Fall Haaser genügt eine erfundene Meldung – und schon steckt ein Kind im Heim. Das Aufsichtspersonal, früher Erzieher genannt, wird nun als „Sozialpädagogen“ geführt. Die Methoden änderten sich nicht.

Zwar sollte eine Fremdunterbringung nur zur unmittelbaren Abwendung einer akuten Gefahr stattfinden, und auch nur soweit und so lange, als kein gelinderes Mittel möglich ist. Um diese Einschränkungen schert sich die Jugendwohlfahrt nie; diese jeder Kontrolle entbehrende Behörde schaltet und waltet, wie sie will. Im Wissen, daß Pflegschaftsverfahren oft jahrelang hinausgezögert werden, damit die Heime keine finanziellen Einbußen erleiden. – Leider waren bisher politisch die Forderungen nicht durchsetzbar, Richtern die Einhaltung von Arbeitszeiten aufzutragen und Pflegschaftsverfahren zu befristen.

Der Verein Pro Juventute wirbt damit, Kindern, welche im Auftrag des Jugendamtes ihrem häuslichen Umfeld entzogen werden, ein Zuhause und die Chance auf eine gesunde Entwicklung zu geben. Denn, so der kalte Geschäftszweck: „Pro Juventute ist die führende Marke für soziale Kinder- und Jugendpädagogik in Österreich.“ Geht es noch deutlicher? In der Kindervermarktung hat Pro Juventute lange Tradition. Denn zwischen 1926 und 1973 raubten das Kinderhilfswerk »Pro Juventute«, das mit staatlichen Geldern unterstützt wurde, und das von Pro Juventute 1926 gegründete Hilfswerk »Kinder der Landstraße« 3000 Kinder aus jenischen Familien. In der Schweiz sollte die jenische Kultur zerstört werden, die als minderwertig und krank betrachtet wurde. Man wollte die „Vaganten“ zur Seßhaftigkeit zwingen (zit. 3Sat).

Doch nicht alle scheinen diese geschäftsmäßige Entwicklung unter Zwang und durch Einsperren als gesund zu empfinden. Ein aktueller Fall läßt aufhorchen.

Pro Juventute unterhält in Golling das Heim »Leuchtsturm«. Ein sehr passender und dem Hintergrund angemessener Name. Nach offenbar erheblichen Quälereien und schon einem früheren Selbstmordversuch flüchtete vor einigen Tagen ein 13-jähriger Insasse des Heims, fuhr nach München, versuchte dort, in Kontakt mit Medien zu kommen, um die Mißstände im Heim hinauszuschreien, und warum er denn nicht endlich zur Mutter zurück dürfe. Denn das ist schon einem Kind klar: österreichische Medien sind angewiesen, über die Brutalitäten der Jugendwohlfahrt und ihrer Kinderkäfige zu schweigen.

Keine Chance für den Buben. Nach ihm wurde wie nach einem Verbrecher gefahndet. Die Polizei griff ihn auf, Jugendamts-Mitarbeiter führten ihn aus München ab und brachten ihn ins Heim zurück. Einen teuren „Markenartikel“ kann man nicht so einfach frei laufen lassen. Nach den Schilderungen des Kindes ist es unschwer auszumalen, welche Strafen ihn dort erwarten. Alles nach dem Credo: „Pro Juventute – Aus Freude am Leben“.

Ein 13-jähriger im Heim? Geht einfach. Die Jugendwohlfahrt sucht gezielt Eltern aus, meist allein erziehende Mütter, von denen wenig Gegenwehr zu erwarten ist. Denen wird das schwere (und kaum überprüfbare) Verbrechen zur Last gelegt, nicht ausreichend erziehungsfähig zu sein. Die Strafe dafür ist in vielen Fällen, das Kind bleibt bis zur Volljährigkeit im Heim. Unter der Aufsicht von Sozialpädagogen, deren Erziehungsfähigkeit niemand prüft. Laut Anwalt der Mutter gebe es in diesem Fall ein Gutachten, das den Vorwurf weitgehend widerlege. Wird aber wenig bringen, denn die Jugendwohlfahrt ist nicht dafür bekannt, Kinder freiwillig aus Heimen freizugeben. Die könnten ja quasi „aus der Schule“ plaudern. Natürlich würde das jeweilige Heim auch eine Einnahmsquelle verlieren, dagegen wehren sich Heime in der Regel allerheftigst.

Pro Juventute empört sich, gegen den Verein werde öffentlich Stimmung gemacht. Richtig so. Die Jugendwohlfahrt und ihre Heimindustrie gerät immer mehr in den Blickwinkel der Öffentlichkeit, kann nicht mehr alles im Verborgenen treiben. Vielleicht irgendwann auch einmal in jenen der Justiz. Denn eines macht (nicht nur) in diesem Fall nachdenklich: Weshalb prüft die Justiz nicht Mißhandlungen von Kindern, durch die Jugendwohlfahrt und in Kinderheimen? Bei der Blindheit unserer Politiker ist dagegen die zweite Frage überflüssig: Weshalb haben diese Heime betreibenden Vereine das Spendengütesiegel? Wo sie doch an ihren Insassen bestens verdienen. Allein Pro Juventute rund 10 Millionen Euro im letzten Jahr, aus öffentlichen Geldern.

Auf die naheliegendste Idee – Probleme in Familien anders als durch Einsperren von Kindern zu lösen, kommt ohnehin niemand. Alles andere würde nämlich das einträgliche Geschäft der Kinderheim-Industrie stören.

Impressum | Kontakt | Sitemap

BlitznewsSteirerblattXeleon.TVWhats Up TV