Die Auseinandersetzung: Koran und Islamgesetz

Integrationsminister Sebastian Kurz verlangte, eine einheitliche Übersetzung des Koran als verbindlich in das Islamgesetz aufzunehmen. Federführend dafür sollte die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich sein. Das ist gut gemeint, aber nicht durchdacht und nicht durchführbar.

Der Koran wurde original auf Arabisch geschrieben. Hunderte Übersetzungen existieren seither. Doch eine einheitliche deutsche Übersetzung, die für alle der verschiedenen Richtungen des Islam verbindlich wäre, ist unmöglich. Nicht nur deshalb, da ein großer Teil der Muslime in Österreich Deutsch nicht als Muttersprache hat und oft mit anderen Übersetzungen und Auslegungen aufgewachsen ist. Eine einheitliche Übersetzung wäre auch praktisch undurchführbar, denn wer sollte sie ausführen?

Diese Ausführung solle der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) überlassen werden, forderte Kurz. Das ist der Haken an der Sache. Die IGGiÖ ist keine anerkannte Religionsgesellschaft, sie ist nur ein Sammelbecken kleiner, meist radikaler Vereine. Unter dem Dach der IGGiÖ wird eigentlich nur eine einseitige, radikal-fundamentalistische Glaubensrichtung der Sunna zugelassen. Es ist nicht vorstellbar, dass diese kleine Gruppe nun eine verbindliche Einheitsübersetzung aufstellen und vertreten könnte.

Dagegen spricht vor allem der von der IGGiÖ angebotene Religionsunterricht. In diesem wird nicht eine allgemeine islamische Religionslehre unterrichtet. Statt dessen sagt die IGGiÖ selbst dazu:
Die Inhalte des Lehrplans für islamische Religion in den unterschiedlichen Schularten und Schulstufen gründen sich auf die Interpretation der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich als offizielle Vertretung der Musliminnen und Muslime in diesem Land und steht in keinem Widerspruch zu staatlichem Recht. (BGBl. II Nr. 234/2011, Anlage 1).

Wie soll eine kleine, allgemein als radikal bekannte Gruppe, die schon einen Religionsunterricht nach interpretierten Inhalten gestaltet, eine einheitliche Koranübersetzung bewerkstelligen? Überdies käme die IGGiÖ dann in Erklärungsnotstand, weshalb sie beispielsweise das Kopftuch als religiöses Symbol hinstellt, obwohl es im Koran nicht vorkommt.

Doch das wichtigste Argument gegen die Forderung von Minister Kurz blieb bisher unbeachtet. Der Staat solle per Gesetz den Inhalt religiöser Schriften festlegen? Das steht absolut und ohne einen Millimeter Spielraum außerhalb der Verfassungslage. Das wäre ein schlichtweg unmöglicher Eingriff in das Grundrecht der Religionsfreiheit, und würde vom Verfassungsgerichtshof bei der erstbesten Gelegenheit aufgehoben werden müssen.

Es ist schade, dass 900.000 Muslime in Österreich nicht gefragt werden, sondern nur eine kleine Gruppe Radikaler.

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