Drachenlord: Szene Figur der Hater

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Das Kapitel „Drachenlord“ dominiert seit Jahren nicht nur mehr die virtuelle Welt. Medien und sogar eine von ARD und ZDF beleuchtete Doku hinterfragt die vielen Geschehnisse um den Drachenlord. Die Szenefigur des Rainer Winkler, aus dem bayerischen Altschauerberg, ist seit wenigen Tagen um mediale Bekanntheit reicher. In Auseinandersetzung mit seinen „Hatern“ setzte es für den 32-jährigen vor dem Amtsgericht Nürnberg vor wenigen Tagen zwei Jahre unbedingte Haft – nicht rechtskräftig.

Alles begann vor vielen Jahren auf der zu Google gehörenden Videoplattform „YouTube“. Selbsternannte Darsteller ihrer eigenen Kunst transportieren in ihren Videobeiträgen meist täglich, als sogenannte „Influencer“, Inhalte ihrer besonderen Art. Längst verdienen Kinder und Jugendliche Millionen mit eingestelltem Videomaterial aus dem eigenen Kinderzimmer auf „YouTube“.

Nach eigenen Angaben verdient Rainer Winkler mit seinen täglichen YouTube-Darbietungen rund 1.500 – 2.000 Euro. Damit liegt er eher im unteren Feld der Influencer Szene. Nebst Fans zählt der Drachenlord aber überwiegend sogenannte „Hater“ zu seinem Stammpublikum. Zuschauer, die sich am einstigen Sonderschüler ergötzen, mit eigenen Schmäh-Videoschnippseln Publikum anlocken und schon scharenweise nach Altschauerberg pilgerten.

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Letzteres führte schließlich seitens der Gemeinde zu einem drastischen Schritt. Mittlerweile ist es unter Strafe gestellt wenn Ansammlungen im Ort stattfinden, oder gar Scharen dem Drachenlord vor seiner „Drachenschanze“ auflauern. Die örtliche Polizei hat jedenfalls jede Menge Arbeit, und die Bewohner Frust und Ärger mit den Schaulustigen, die sogar nächtens beim Dorfwirt klingeln, oder den Pizzaboten mobilieren.

Doch was führt zum Hass im Netz und letztlich dem realen Irrsinn wie im Fall des Drachenlord, der wild brüllend vor laufender Kamera auszuckt, und schließlich unliebsame Besucher höchst persönlich mit Pfefferspray oder Taschenlampe attackiert. Jedenfalls zog das Amtsgericht Nürnberg jetzt einen Schlussstrich von staatlicher Seite. Bereits vor zwei Jahren war Rainer Winkler infolge seiner Pfefferspray Attacke zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Jetzt will man seinen Provokationen im Netz mit schwedischen Gardinen begegnen., und damit wohl auch eine künstliche Trennlinie zur Hater-Gemeinde schaffen. Das könnte buchstäblich für Abkühlung im Fall des Drachenlord sorgen.

Provokant und redselig ist der Drachenlord. So plauderte er nicht zuletzt seine private Adresse aus und lud „Hater“ zum Zweikampf auf die Drachenschanze. Die Folge ein „Schanzenfest“ in Altschauerberg und einige Jahre später die tiefe Reue des Rainer Winkler vor Gericht. Er will jetzt sein Haus verkaufen und einen Neubeginn wagen, sagt zumindest sein Verteidiger im Prozess.

Rainer Winkler alias Drachenlord spaltet das Internet

Das mehr als traurige Beispiel „Drachenlord“ zeigt wie schnell im Netz das Mobilisieren funktioniert und Hassgelüste freien Lauf nehmen. In Österreich schob der Gesetzgeber zumindest dem virtuellen Hass Anfang des Jahres einen Riegel vor. Ein Journalist kennt aber das perfide Unterfangen mit der virtuellen Welt. Groß sind die Versuchungen, versteckt hinter VPN Server, sozialen Netzwerken, Tastatur und Computer in sicherer Distanz.

Vor rund 15 Jahren begann ein virtuelles Gemetzel mit einem schaurigen Protagonisten. Begonnen hat alles mit der Berichterstattung um ein statthaftes Betrugsverfahren. Am Ende hagelte es für den Protagonisten eine mehrjährige Haftstrafe wegen zahlreicher schwerer Betrugsverbrechen. Das hinderte den Schreiberling jedoch nicht gegen Journalisten zu hetzen, ihren höchst-persönlichen Lebensbereich im Internet u diffamieren, und am Ende mit Lügenkonstrukten zu poltern. Schnell sammeln sich weitere Hater und Gleichgesinnte um den einschlägig vorbestraften Unternehmensberater mit gefakten Doktortitel, der nicht einmal vor erfundenen Klagen und Anzeigen gegen den Journalisten zurückschreckt.

Die Auseinandersetzungen dauern Jahre und bis der Oberste Gerichtshof und das Oberlandesgericht im ursächlichen Betrugsverfahren endlich entscheiden, und der Protagonist hinter Gitter landet, vergeht Zeit, rund zwei Jahre. Die weiß der Stalker zu nutzen. Kreativ erstellt er Blogseiten mit Bildmaterial und feinfühligen Texten. Wenig später gesellt sich dem stalkenden Treiben ein bestechlicher Gerichtssachverständiger, ein korrupter Polizeibeamter und weiteres Gefolge hinzu. Tatsachen verdrehen, und den Leser der obskuren Texte beirren. Die Zielsetzung ist klar. Wer über mich berichtet, wird ewig der Gejagte sein.

Während journalistische Vertreter dieses Phänomen zu sehr unterschätzen, und jetzt allenfalls im Fall des „Ibiza-Detektiv“ Julian H. mit den Säbeln rasseln, da man eine konstruierte Anklage ortet, stehen Betroffene von Hass im Netz nicht selten alleine da. Selbst wenn, wie im Fall des Drachenlord, Provokation vorausgeht, zeigen vielen Fälle gleiche Muster. Gerade soziale Netzwerke wie Facebook schüren Hass. Trotz Meldung werden Inhalte nicht gelöscht, und wie eine ehemalige Facebook Mitarbeiterin sagt, bewusst nicht. Schließlich will das soziale Netzwerk von Mark Zuckerburg Werbung verkaufen, und die verkauft sich wohl bei Hass geschürten Beiträgen am Besten.

Die Beispiele zeigen aber auch wie schnell Gehasste selbst in die Mühlen der Justiz geraten. Während der Rechtsstaat im Vorfeld gar nicht oder zu langsam reagiert, sind Strafanträge im Fall der eigenen „Notwehr“ schnell gefertigt. Der klassische Hater oder Stalker ist Vergangenheit. Heute dominieren Provokation, Schmäh-Anzeigen bei der Polizei und andere praktikable Mittel zum Stalken. Im Fall des Journalisten halfen schier unendliche Anzeigen gegen den Betrüger und Stalker reichlich wenig, während der laufend die Polizei antanzen ließ. Es dauerte Jahre bis die Staatsanwaltschaft endlich wegen Nötigung und Körperverletzung Strafantrag stellte, und es zu einer Verurteilung kam.

Wer glaubt Stalking ist zeitlich begrenzt, der irrt. Nach einer Ruhephase kommt der Sturm. So auch im Fall des betroffenen Journalisten. Plötzlich läutet unaufgefordert der Pizzabote, rattert unentwegt das Redaktionshandy mit unzähligen Stalker-SMS und Anrufversuchen. Parallel werden Hetzschriften gegen den Journalisten per Email verteilt – mit immer der gleichen Botschaft: Man will das Internet von diesem Journalisten befreien. Ein weiterer Mitstreiter schreibt auf Facebook gar man werde nun sehen ob die eine oder andere Bühne verschwindet. Als wäre journalistische Arbeit eine Bühne?

In Wirklichkeit erschrecken sich die Hater an den enthüllenden Storys des Journalisten. So greift ein involvierter Polizeibeamter gar zu besonderen Mitteln, als ein ihn belastendes Handyvideo publik wird. Angeblich lenke der Journalist ohne Führerschein seinen PKW quer durch Österreich, weswegen der Beamte eine mehrseitige Erklärung über die Person des Journalisten verfasst und an befreundete Kollegen anderer Dienststellen verteilt.

Ein anderes Beispiel zeigt die Jagdbereitschaft sogenannter Kenner der rechten Szene, oder wie jüngst der titulierten „Cov-Idoten“. Auf eigens kreierten Webseiten bloggen unter anderem ein ehemaliger Polizeibeamter und ein ehemaliger Fremdenlegionär minutiös Verfehlungen und erstatten Anzeigen, die in der Regel allesamt nicht fruchten. Dank Twitter können Interessierte tagtäglich Aktualisierungen mit süffisant zugespitzten Beisätzen konsumieren.

Besonderen Hass erfuhr die prominente Grünen-Politikerin Sigrid Mauer. Ihr donnerten Hasspostings via Internet ins Haus, und sie donnerte zurück. Deshalb fand sich Maurer kurzzeitig auf der Anklagebank wieder – wegen übler Nachrede, da sie den sogenannten „Bierwirten“ als Absender der ursprünglichen Hass-Botschaften zu outen wusste.

Experten raten in jedem Fall Hass im Netz so gut es geht zu ignorieren. Das kann der Journalist gegenüber XlargE ausdrücklich bestätigen. Wer antwortet ist dem Treiben ungeschönt ausgeliefert. Das wurde am Ende selbst dem Drachenlord aus Altschauerberg zum Verhängnis. Der Journalist meint nach eigenen Erfahrungswerten, er glaube manchmal wartet die Justiz nur auf solche Anlässe, um auf ihre Weise ein Ende zu setzen – nicht zuletzt zum eigenen Vorteil, wenn man dadurch das Arbeitspensum minderen kann. Diese These ist, so der Journalist, gewagt, aber nicht selten weit her geholt. Getreu dem Motto: Erst das Gemetzel, dann selektiert der Rechtsstaat wie er will.

Die Beweggründe der treibenden Kräfte hingegen sind bis heute teils ein Rätsel, wenn selbst Gerichtssachverständige und Polizeibeamte in solchen Gruppierungen ihren Platz finden. Aber gerade sie sind es, die von vorgesetzten Dienststellen gedeckt werden. Erst langwierige Verfahren lassen diese Deckung brechen, und umso mehr Betroffene mit den Mitteln des Rechtsstaat dagegen vorgehen, meint der anonym bleiben wollende Journalist, desto mehr stehen vorgesetzte Dienststellen unter Druck.

Im Fall des Journalisten, der sogar mit einem gefälschten Polizeiausweis hätte gebrandmarkt werden sollen, nahm ein markanter Schritt aus dem Internet signifikant Wind aus den „Stalker-Segeln“. Zwischenzeitlich ließ der Journalist von einer Agentur sämtliche Fotos und Profile über ihn aus dem Netz entfernen. Juristisch am Ende ist der Fall trotzdem nicht. Nun müssen in zahlreichen gerichtlichen Verfahren die letzten Verursacher zur Verantwortung gezogen werden, erläutert der Journalist abschließend gegenüber XlargE.

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