Ein Schultag auf Französisch

Wie in vielen Teilen von Österreich, hat auch in Frankreich nach den Sommerferien wieder die Schule begonnen. Normalerweise verständigen sich Schüler und Lehrer in ihrer gewohnten Muttersprache. Wie es einer 12jährigen ergeht, die mit ihren Eltern gerade nach Frankreich ausgewandet ist, kann man als Außenstehender nur erahnen.

Michelle ist eine gute Schülerin und sie versteht sich in Fremdsprachen. Zu Hause in Deutschland hatte Michelle immer gute Noten und ihre Englischlehrerin keine Sorge um die 12jährige Schülerin. Seit den Sommerferien lebt Michelle mit Ihren Eltern in Ostfrankreich, zwischen Strasbourg und Lyon in einem malerischen Dorf, fernab der Großstadt Idylle.

Ein Schultag in Frankreich unterscheidet sich in Vielerlei Hinsicht vom dem eines österreichischen. Während in Österreich nach und nach erst Modellversuche zur Gesamtschule starten, Kinder teilweise Platz in der Nachmittagsbetreuung finden, und Sitzen bleiben immer noch zum Problemkind Nummer eins gehört, hat Michelle ganz andere Sorgen.

Mit wenigen Vokabeln im Gebäck macht sich Michelle auf zum ersten Schultag. Der Weg ist nicht weit und der Morgen lädt zum Genießen ein, macht aber gerade eine neue Schule und ein neues Land nachdenklich. Werden mich die Kinder verstehen? Fragt sich Michelle auf ihrem Weg zur Schule, die sie den ganzen Tag besuchen wird. Kein Unterschied mehr zwischen Hauptschule und Gymnasium! In Frankreich gehen die Uhren anders und bis zum 14. Lebensjahr besuchen die Schüler eine allgemein bildende Gesamtschule. Anschließend kann man sich zwischen der Matura und einer Lehrausbildung entscheiden.

Auch wenn in Frankreich die Schule erst gegen 9 Uhr beginnt und gegen 18 Uhr endet, Michelle muss sich dennoch beeilen und hat nicht all zuviel Zeit zum Nachdenken. In der Schule angekommen, wird sie vom Rektor begrüßt und ihrem Klassenlehrer vorgestellt. Damit sich Michelle im Unterricht nicht ganz verirrt, hilft ihr ein Stützlehrer. Er begleitet die Schülerin maximal drei Monate, dann muss Michelle selbst in Französisch dem Unterricht folgen können.

Nachdem Michelle ihren Stundenplan bekommt, ist sie über die vielen verschiedenen Fächer wie Französisch, Mathematik, zwei lebende Fremdsprachen, Geschichte-Geographie-Gemeinschaftskunde, SVT (Sciences de la vie et de la terre, einer Mischung aus Biologie und Geowissenschaft), Physik-Chemie, Technologie, Bildender Kunst, Musikerziehung und Sport überwältigt. Der Lehrer erklärt, dass sie sogar eine weitere Fremdsprache wie Latein erlernen kann.

Soviel Information lässt den Vormittag schnell vorübergehen, und Michelle begibt sich wie alle anderen Kinder in die Mensa. Das Mittagessen bekommen französische Schüler in der Schule. Von Montag bis Samstag verbringen die Schüler in der Schule, sogar wenn Lehrer krank sind. Jeder 3. Samstag sowie an jedem Mittwoch ist Schulfrei, freut sich auch Michelle, nachdem sie gleich Freundschaft mit zwei Mädchen aus Österreich geschlossen hat, die so einiges erklären. Sie leben schon ein Jahr in Frankreich und beherrschen die Sprache genauso gut, wie sie Deutsch sprechen.

Der erste Tag ist schnell vorüber und Michelle wartet im Hort der Schule auf ihre Mutter. Ein aufregender erster Schultag, erzählt Michelle auf dem Nachhause Weg und sollte sie es auf Anhieb nicht schaffen, in Frankreich entscheiden ausschließlich die Eltern, ob ihr Kind eine Klasse wiederholen soll oder nicht.

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