JUGENDLICHE ARBEITSSKLAVEN: Hotelier beutet junge Mädchen aus

gastronomiepraktikumEinen Hotelier aus Kärnten ließen die Appelle von Eltern und Arbeiterkammer bis zuletzt unbeirrt. Exakt 606,5 Stunden mussten fünf Schülerinnen im Rahmen ihres Pflichtpraktikums für ihn schuften. Nun zahlt der „Einsichtige“ auf Verlangen der Arbeiterkammer 7.395,- Euro an offenen Ansprüchen.

Eigentlich sollten Kinder und Jugendliche mit dem Jugendschutzgesetz auch vor Ausbeutung der Erwachsenenwelt geschützt werden. Wer das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht hat, darf beispielsweise nach 23 Uhr nicht mehr arbeiten. Sogar Überstunden sind für Minderjährige Arbeitnehmer verboten, dass aber einen Hotelier aus Velden am Wörtersee wenig beeindruckt. Im Rahmen ihres Pflichtpraktikums sollten die Schülerinnen erste Erfahrungen in der Berufswelt sammeln, dass sie dermaßen prekär waren, konnten nicht einmal die eigenen Eltern fassen. »Trotz Intervention habe der Hotelier weitergeknechtet« erzählt eine Mutter.

Laut Arbeiterkammer ist ein Pflichtpraktikum als befristetes Dienstverhältnis mit allen Rechten und Pflichten anzusehen. »Weil die Schülerinnen noch nicht 18 sind, gelten für sie die Schutzbestimmungen für Kinder und Jugendliche« weiß AK-Boss Johann Kalliauer.
Somit hätte der Arbeitgeber die Minderjährigen nicht länger als acht Stunden täglich und vierzig Stunden wöchentlich beschäftigen dürfen. Stattdessen mussten die jungen Mädchen 606,5 Überstunden leisten und das oft nach 23 Uhr.

Für den Chef der oberösterreichischen Arbeiterkammer Johann Kalliauer ein untragbarer Zustand, aber leider kein Einzelfall. Trotz der Androhung das Praktikum vorzeitig zu beenden, wollte der Arbeitgeber nicht einlenken. Zu einem Ende kam es erst, als die Eltern der betroffenen Kinder einschritten, und dem Unfug ein Ende bereiteten.

»Wir haben unsere Tochter kurzum aus den Fängen dieses Wahnsinnigen befreit« schildert einer der besorgten Väter die Nacht- und Nebenaktion.

Unter Vorlage ihrer Arbeitsaufzeichnungen, konnten die Praktikantinnen schließlich mit Hilfe der Arbeiterkammer offene Ansprüche von Euro 7.395,- geltend machen, die vom Arbeitgeber auch bezahlt wurden.

Wie die Arbeiterkammer betont, neigen Touristiker nicht selten zu brachialen Arbeitsmethoden. So müssten gerade Lehrlinge über Wochen durcharbeiten, obwohl ihnen von Gesetz wegen freie Tage zustünden. Die AK rät den jungen Arbeitnehmern deshalb vor Dienstantritt zu einer unentgeltlichen Beratung bei der für sie zuständigen Geschäftsstelle. Weiters können Arbeitszeitaufzeichnungen helfen, die Geltendmachung von finanziellen Ansprüchen gegenüber dem Arbeitgeber erst zu ermöglichen.

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