Jugendwohlfahrt kontra Kindeswohl

Ein wunderschöner Frühlingstag, mit strahlend blauem Himmel. Die Mutter der kleinen Lydia fährt zu einem ersehnten Kontakt mit ihrem Kind nach Oberpullendorf. Mit an Bord ihre ältere Tochter, die ihre kleine Schwester schon lange nicht mehr sehen durfte. Lydias Vater wäre gern mitgefahren, muss jedoch arbeiten.

Die Mutter erzählt, was so alles passiert ist und zeigt die Unterlagen und ärztlichen Befunde vor. Eine Geschichte, bei der das Nachdenken immer lauter wird. Was ist vorgefallen?

Die kleine Lydia [siehe die Vorberichte] ist nun zwei Jahre alt. Seit 15 Monaten wird sie vom Jugendamt Oberpullendorf ohne gerichtliche Genehmigung bei einer Pflegefamilie in Kleinwarasdorf gehalten. Wie heißt es doch so schön? Die Abnahme eines Kindes kann immer nur eine äußerste Notmaßnahme darstellen. Aus den Berichten und Befunden ist kein Grund erkennbar, warum das Kind abgenommen wurde. Noch weniger kann man einen Grund für eine Notmaßnahme sehen. Die Dauer der Fremdunterbringung liegt ebenfalls bereits weit jenseits des Zumutbaren.

Worum geht es dem Jugendamt wirklich? Welche Motive liegen hinter solchen Horuck-Schritten? Sind es wieder einmal finanzielle Motive? Bei fast 10.000 Fremdunterbringungen setzt die Kinderaufbewahrungs-Industrie pro Monat 50, 60 und mehr Millionen Euro um, da wäre das nicht so unwahrscheinlich.

Viele Eltern mögen Schwierigkeiten mit Pflege und Erziehung ihrer Kinder haben. Wenn nicht ernsthafte Gründe vorliegen, wäre in den meisten solcher Fälle eine professionelle Betreuung und Unterstützung der Eltern wesentlich sinnvoller; selbstverständlich auch billiger. Dieser Meinung ist auch der Kinderanwalt. Doch gerade damit sind Jugendämter in der Regel überfordert, mangelt es der Mehrzahl der Mitarbeiter doch sowohl an der professionellen Qualifikation als auch an der kindesorientierten Einstellung.

Zurück zu Lydia. Die Eltern dürfen ihr Kind nach der Abnahme jeweils etwa eine halbe Stunde sehen, durchschnittlich alle 4-5 Wochen. Nicht nur gibt es keinen Grund für eine derartig brutale Kontaktbeschränkung, die Auswirkungen sind für ein Kleinkind natürlich verheerend. Ein Gerichtsgutachter empfiehlt eine Ausdehnung der Kontakte. Kaum liegt das Gutachten vor, bricht das Jugendamt die Kontakt selbstherrlich für ein halbes Jahr ab, nicht einmal zu Weihnachten dürfen die Eltern ihr Kind sehen. Grund? Die Eltern waren unartig. Sie ließen sich nicht ständig vom Jugendamt kontrollieren. Wozu weder Auftrag noch Notwendigkeit bestand. Und man dürfe eben auch die Gewöhnung des Kindes an die Pflegefamilie nicht gefährden, heißt es. Eigenartigerweise fehlt auch hier ein Gerichtsbeschluss.

Wie finden diese Kontakte statt? Nun, beim letzten Termin wage ich es, als Beobachter anwesend sein zu wollen. Die Sozialarbeiterin tritt energisch entgegen, sie lasse keine Fremden zu, gemeint war auch Lydias Schwester, das würde das Kind gefährden. Mutter, Sozialarbeiterin, Lydia und der Pflegevater – ist er kein Fremder? – werden wie üblich in ein kleines Büro gepfercht. Das Kind weiß mit der Situation wenig anzufangen, ist durch die Anwesenheit des Pflegevaters völlig irritiert, spricht nichts, schlägt sich den Kopf am Schreibtisch an, die Sozialarbeiterin löchert die Mutter zwischendurch mit Fragen. Als das Kind die hingehaltene Jacke ergreift, wird der Kontakt sofort abgebrochen, das Kind wolle gehen. Als die Mutter dann noch schüchtern Einsicht in den Mutter-Kind-Paß nehmen will, rastet die Sozialarbeiterin aus und beginnt vor dem Kind zu schreien und zu drohen. Kindgerecht bis ins letzte Detail.

Ich sehe mich inzwischen etwas um. Ach ja, der Mutter war vorgeworfen worden, sie rauche und gefährde dadurch das Kind. Der Wagen des Pflegevaters wirkt innen völlig verschmutzt, mehrere Zigarettenpackungen liegen herum. Das Haus der Pflegeeltern in Kleinwarasdorf scheint ein wenig verwahrlost, gleich daneben ein teilweise verfallenes Anwesen, mit rostigen Autowracks. Gegenüber toben sich mehrere Hunde aus. Alles in allem, sehr einladend für ein kleines Pflegekind.

Wie aktuelle Befunde zeigen, brachte die Fremdunterbringung des Kindes bereits erkennbare Erfolge. Hieß es noch 2006, das Kind sei altersgemäß entwickelt und waren alle ärztlichen Befunde unauffällig, so änderte sich das Bild deutlich. Ein Jahr nach Abnahme wird nun festgestellt, disharmonisches Gedeihen, emotionale Irritabilität, motorische Unruhe und eine Sprachentwicklungsverzögerung. Außerdem ist das Kind sichtlich abgemagert, mit ärztlich bestätigter deutlicher Gewichtsreduktion. Man kann richtig greifen, daß die Fremdunterbringung dem Kind ja wohl nur gut getan haben muss.

Wie soll es weitergehen? Das Fehlen eines wirklichen Abnahmegrundes und der Zustand des Kindes verlangen jedenfalls eines: raschest mögliche Entfernung von den Pflegeeltern und Rückführung zur eigenen Familie. Die Eltern sind auf Betreuung und Unterstützung ansprechbar, wenn man ihnen nicht mit Zwang und Drohungen kommt.

Weiter oben wird man sich auch ernsthaft Gedanken über den Zustand des Jugendamtes Oberpullendorf machen müssen. Die zuständige Sozialarbeiterin und Referatsleiterin mag Qualitäten besitzen, definitiv aber nicht für den Bereich Jugendwohlfahrt. Ihr geht es, wie leider allzu vielen ihrer Kollegen, merkbar eher um Kriegsführung und das Ausspielen persönlicher Macht, gegen den bösen Feind Eltern. Kindern dürfen solche Sozialarbeiter und ihre Willkür nicht zugemutet werden.

Und wer prüft die Pflegefamilien? Etwa dieselben, die mit ihnen im sehr einträglichen Bereich der Kindesunterbringung in Geschäftsbeziehungen stehen? Auch dieser Dunkelgraubereich sollte einmal genau durchleuchtet werden, vor allem die Geldflüsse.

Fazit: Das Kind ist erst zwei Jahre alt. Noch kann man die eingetretenen Schäden beheben.

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