Junge Täter: Viele kriminelle Kinder kommen aus Heime und Kinderdörfer

0
2

silviag2008 müssen unter 14-jährige über 7000 Anzeigen verantworten. In der Gesamtstatistik nehmen kriminelle Kids nach Informationen des Verein Neustart rund 0,1 % ein, dennoch,die Zahl der Anzeigen in der Tätergruppe 10-14 stieg gegenüber dem Vorjahr um satte 25,8 Prozent. Für Kinder und Jugendpsychologe Dr. Rolph Wegensheit nicht alarmierend. Er appelliert trotz allem an die Vernunft von Eltern und Lehrern „In unserer Konsumgesellschaft triften gerade unter 14-jährige merklich ab. Was vor rund vier Jahrzehnten mit Schlüsselkinder begann, artet heute vor Spielekonsole und TV richtig aus. Viele Eltern sind berufstätig, nur die wenigen kümmern sich konsequent um ihren Nachwuchs“. Besorgniserregend findet Wegensheit zudem den prekären Lebensalltag jener Familien, die in Armut leben „Gerade sozial schwache Familien brauchen Antrieb, denn Eltern die bevorzugt einen Tagesrhythmus meiden, prägen ihre Kinder. Dazu gehören beispielsweise geregelte Mahlzeiten, gemeinsame Unternehmungen, Dinge, die eben eine Familienkonstruktion positiv erhalten“.

Der Fall Silvia G. hat unzählige Xlarge LeserInnen schockiert. Mit 15 brennt die Schulabbrecherin eine Yacht im Wert von 100.000 Euro nieder, verübt Einbrüche, ist in gewalttätigen Auseinandersetzungen mit anderen Jugendlichen verwickelt. Im April des vergangenen Jahres muss das Mädchen schließlich vor Gericht, und kommt mit einer Bewährungsstrafe davon. Mit acht kommt die junge Klagenfurterin, wie ihre vier anderen Geschwister auch, ins Heim. Ihre Mutter will nicht für sie sorgen, beauftragt das Jugendamt mit Pflege und Erziehung, auf Kosten der Steuerzahler. Als Silvia 15 ist, gerät das Mädchen nach mehrmaliger Flucht aus dem Heim auf die schiefe Bahn, bietet ihren Körper eine zeit lang zum Sex an.

Xlarge Chef Reporter Stephan Pfeifhofer lernt die 15-jährige vor drei Jahren in Klagenfurt kennen. Begleitet fortan ihren Leidensweg, holt sie nach einem plötzlichen Drogenexzess von der Straße, und bringt sie kurzerhand bei ihrem Bruder unter. Dem Jugendamt Klagenfurt gefällt die eigenmächtige Familienlösung mit medialer Beteiligung nicht. Der an sich im Fall Silvia G. zuständige Sozialarbeiter Erich Dreves-Pobaschnig wird plötzlich, nach sieben Monaten Untätigkeit, aktiv. Längst lebt die Schülerin auf der Straße, begeht Straftaten, nimmt Drogen. Gegenüber dem Pflegschaftsgericht argumentiert die Vorsteherin Dr. Petra Moser-Stadtmann „Man habe versucht die Jugendliche in einer sozialpädagogischen Einrichtung unterzubringen. Dagegen habe sich das Mädchen verwehrt“.

So wie Mario H. (14), ein Freund von Silvia G., der nach mehreren Straftaten Ende 2006 erstmals hinter Gitter muss. Heute sagt Mario im Gespräch mit Xlarge Chef Reporter Stephan Pfeifhofer „Liebe gehe ich wieder in den Knast, bevor ich nochmal in ein Heim gehe“. Xlarge trifft den eigentlich zurückhaltenden Jungen nach mehrmaliger Verurteilung und Aufenthalt im Jugendknast am Heiligengeist-Platz. Für das Jugendamt ist der heute 17-jährige ein hoffnungsloser Fall. Sollte Mario sich wieder was zu schulden kommen lasten, ist seine Zelle bereits reserviert. Das zumindest ließ ihn der Richter wissen, als Mario das letzte Mal vor Gericht stand.

Im vergangenen Herbst verwüsten drei weitere Mädchen aus einem Heim in Kärnten die Villa eines Pensionisten – Xlarge hat berichtet. Für Kinder- und Jugendpsychologe Dr. Rolph Wegensheit kein Einzelfall „Viele der in Obhut des Jugendamt befindlichen Minderjährigen haben Gewalt in der eigenen Familie erlebt und geben ihr Potential weiter. Bedauerlicherweise verfolgen die unzähligen Einrichtungen in Österreich keinerlei Ambitionen, um die Kinder- und Jugendlichen auf den richtigen Weg zu bringen. Genau genommen gehören sie nur auf Zeit in derartige Heime. Diese sollte genutzt werden, das desolate Sozialgefüge wieder zu kitten“.

Im vergangenes Jahr überfallen drei Jugendliche ihre ehemalige SOS Kinderdorf Mutter in Hinterbrühl. Mit der Beute von ca. 800,- Euro wüten die 14 bis 17 Jährigen Zöglinge vom Franz-Staufer-Hof an mehreren Schauplätzen. Resümee:  Mehrere Tausend Euro Schaden und ohnmächtige Betreuer. Im Erziehungsheim Lebensraum Heidlmair stiftet hingegen ein Betreuer gleich mehrere Schutzbefohlene zu Diebstählen an. Als die Polizei seine Wohnung stürmt, finden die Kriminalisten Berge weise Diebesgut.

Wegensheit kennt das Problem mit Jugendlichen, die nicht erst von heute auf morgen die schiefe Bahn erobern. In seiner Klinik suchen Eltern immer wieder Rat, wenn ihr Nachwuchs außer Kontrolle gerät. „Wir nehmen derart problematische Fälle für etwa sechs Wochen auf, und suchen anschließend nach Lösungen. Ohne effiziente Eltern-Kind Arbeit aber funktioniert das allerdings nicht. Im Gegensatz zu Jugendämtern nutzen wird deshalb einen besonderen Bonus – die Willenskraft der Erziehungsberechtigten, und die Möglichkeit, dass gemeinsam eine Familientherapie stattfinden kann. Kinder und Jugendliche, die vom Jugendamt betreut werden, erfahren diese Form der Rückführung nicht. Das Fürsorgesystem versucht lediglich seine Klientel bis zur Volljährigkeit irgendwie über Wasser zu halten“.

Silvia G. ist heute volljährig, ohne Ausbildung und Schulabschluss. Trotz jahrleanger Betreuung durch das Jugendamt der Stadt Klagenfurt hat Silvia G. keine Perspektiven finden können. Vielleicht hat Silvia aber dennoh eine allerletzte Chance – ihre Mutter. Sie meinte zuletzt vor drei Jahren – Silvia könne wiederkommen, wenn sie 18 ist.