Krems und die Rostbrücke

Die niederösterreichische Stadt Krems – älteste Stadt des Landes und Statutarstadt – leidet lange schon an ihren unzureichenden Verkehrsanbindungen.

Nach Wien und nach St. Pölten gibt es nur eingleisige Bahnverbindungen. Durchgehende Züge von Krems nach Wien-Floridsdorf werden von den ÖBB nicht gewünscht. Zwischen Krems und Zwettl, dem Hauptort des Waldviertels, existiert keine Bahnstrecke. Die das Umland bedienenden Busse werden vom VOR (Verkehrsverbund Ostregion) immer weiter zusammengekürzt – viele Orte sind besonders an Wochenenden und in Schulferien nicht mehr erreichbar, der VOR nimmt auch keine Rücksicht auf Anschlüsse von und nach Krems, was teilweise zu stundenlangen Wartezeiten führt.

Dazu kommen noch die Querungen des – aus Verkehrssicht – Haupthindernisses der Region, der Donau. Zwischen Melk, am Eingang des Engtales der Wachau, und Tulln, weit unten im Tullnerfeld, gab es lange Zeit als einzige Brücke die Donaubrücke zwischen Stein (jetzt Ortsteil von Krems) und Mautern, am Südufer. Erst viel später wurde die Kremser Brücke gebaut, als notwendiges Bindeglied zwischen der Schnellstraße aus St. Pölten und dem Waldviertel.

Die sogenannte Mauterner Donaubrücke war, nach früheren Uralt-Brücken, 1895 gebaut worden, als Stahlkonstruktion. Sie bietet die einzige Verbindung zwischen Krems am Nordufer und dem Dunkelsteiner Wald, mit den Wachau-Orten rechtsseitig der Donau. Der Südteil der Brücke war im Mai 1945 durch den Standortkommandanten Oberst Ferdinand Soche von der Wehrmacht gesprengt worden, um seinen Truppen die Gefangenschaft durch die Sowjets zu ersparen.

Eine Gedenktafel an der Brücke gibt an, die Brücke sei durch „Deutsche Faschisten“ gesprengt worden – eine übliche stalinistische Geschichtsverzerrung – und durch die Rote Armee wieder aufgebaut. Nicht ganz richtig, denn der gesprengte Brückenteil wurde durch deutsche Kriegsgefangene gebaut, mit deutschem Brückengerät, das in Krems gelagert war. Dadurch bietet die Brücke ihr heutiges Bild: Die Bögen der kaiserlichen Brücke, daran anschließend das geradlinige Brückengerät zum Südufer.

Metallkonstruktion, behelfsmäßiges Brückengerät, darunter die Donau – das bedeutete, wie es auch anderen Brücken erging, ein Auslaufmodell. Große Teile der Brücke sind verrostet, werden seit Jahren mit Mühe „saniert“, der Rost einfach überstrichen. 2013 senkte sich ein Brückenpfeiler, nicht zum ersten Mal, ein Lager fiel heraus. Die Brücke ist, man kommt nicht darum herum, schlichtweg baufällig, wenn nicht einsturzgefährdet.

Die zuständigen Behörden versuchten in den letzten Jahren, diese Misere herabzuspielen und sich um den absolut notwendigen Neubau der Brücke herumzudrücken. Seit zwei Jahren gilt auf der Mauterner Donaubrücke eine Gewichtsbeschränkung von 9 Tonnen; ausgenommen allerdings Autobusse, womit das Gewichtslimit praktisch aufgehoben wird.

Wegen der schweren strukturellen Schäden an der Brücke, die nicht mehr reparierbar sind, soll jetzt ab September 2020 die Gewichtsbeschränkung allgemein gelten. Das bedeutet, keine Busse mehr über die Brücke. Alle Busverbindungen aus dem Süden und Südwesten Mauterns sollen dann über die Kremser Straßenbrücke geleitet werden, die am anderen Ende von Krems liegt. Fahrgäste ohne eigenen PKW – das sind vor allem Schüler und ältere Leute – sind dann von einer Direktverbindung nach Krems ausgeschlossen.

Es darf schon jetzt davon ausgegangen werden, dass der VOR seine Fahrpläne wieder nicht an die Anschlussverbindungen anpasst. Das heißt, zu den jetzt schon bei ein bis zwei Stunden Wartezeit auf die Anschlüsse würde dann noch gehörige Zeit dazu kommen. Wer den kahlen und unwirtlichen Bahnhof Krems und seine Umgebung schon genossen hat, wird sich schon darauf freuen, dann noch mehr Zeit dort vertrödeln zu müssen. Empfehlungen des VOR, Fahrgäste sollten doch die Donaufähren benutzen, zeugen von vollständiger Unkenntnis. Denn diese Fähren verkehren nur einen Teil des Jahres und sind kapazitätsmäßig eher auf kleine Touristengruppen ausgelegt.

Ein kleiner Hintergedanke kann nicht unterdrückt werden. In Krems wird zur Zeit die Hauptdurchzugsstraße, die Ringstraße, saniert. Diese Sanierung soll mehrere Jahre dauern. Da auch alle von Westen und Süden kommenden Busse die Ringstraße benutzten und es kaum brauchbare Umfahrungsmöglichkeiten in der Stadt gibt, scheint der Kremser Stadtverwaltung die Sperre der Mauterner Donaubrücke für den Busverkehr nicht ganz so ungelegen zu kommen. Dass Fahrgäste oft auch Wähler sind, stört alteingesessene Parteien nicht.

Die Hauptschwierigkeit an der Sache ist das Herumlavieren um einen Neubau der Donaubrücke. Dieser hätte sich spätestens bei der Einsturzgefahr 2013 aufdrängen müssen, dann könnte eine neue Brücke vielleicht schon stehen.

Die politisch Verantwortlichen sind sich unsicher – wie immer, wo es um Sachentscheidungen geht. Die Brücke stehe unter Denkmalschutz, heißt es aus St. Pölten. Das ist eine sehr müde Ausrede, wenn es um das Allgemeinwohl geht. Soll die geschützte Brücke in derselben Donau enden, in der schon 1976 die Wiener Reichsbrücke versank? Würde dann vielleicht der Denkmalschutz wegfallen? Der Bürgermeister von Mautern, der am stärksten betroffenen Gemeinde, schwieg bisher zum Brückenthema.

Eine noch dümmere Ausrede kommt aus der gleichen Richtung: Die Mauterner Donaubrücke gehöre zum UNESCO-Weltkulturerbe Wachau. Schön und gut, aber ehrlich – wen interessiert, was ein politisch sehr einseitig orientierter Verein wünscht? Ist Österreich kein souveräner Staat, um sich von einer Organistion wie der UNESCO gängeln zu lassen? Wird eine baufällige Donaubrücke Erbkulturen wie der Pizza und dem Schuhplatteln gleichgestellt?

Ein rascher Neubau der Mauterner Donaubrücke, als wichtiger Verkehrsader, sollte Vorrang vor politischen Spielereien haben.

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