Neue „EhRE“ Bewegung: Elite Väter rüsten zum Wahlkampf

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Fernab vom Wahlkampfgetöse der politischen Großparteien, formieren sich nun die „Elite-Väter“, eine Gruppierung, die vor gut zwei Jahren in Wien entstand. Damals, schicksalhaft berichtend am Gasthaustisch, waren die Ziele noch weit gesteckt. Heute kann die „Elite“ nach eigenen Angaben ein operatives Qualitätsmanagement für die verstaubende Justiz vorweisen. So zumindest skizziert sich ihr Kampf ums Kind, den ihre Frauen schon längst gewonnen haben wollen.

Sie sind Besserverdiener, unter ihnen Projektmanager, Bankiers, Ärzte und leitende Angestellte der IT-Branche. Ihre Gegner sehen sie gerne als Demagogen, Querschläger, Väter, die nicht selten bei Gericht Hausverbot erhalten, wenn sie ihren Anliegen höchst persönlich eine Stimme geben.

Nun gehen die vermeintlichen Demagogen selbst auf Stimmenfang, denn ihr Anliegen sind unsere Kinder. Mit ihnen ein schlagkräftiges Konzept, als Hoffnungsträger für ausgewogene Scheidungswillige. Mitunter könnte nach Ansicht eines Mitstreiters der gerichtlich bestellte Kollisionskurator alle Defizite in die Hand nehmen. Bezahlen müssten freilich die konfliktgeladenen Eltern selbst, und das Kind? Bis zur Klärung aller Ansprüche, Besuchsrechte und sonstigen juridischen Indifferenzen, soll der Nachwuchs bepackt mit Pflegepersonal in der elterlichen Wohnung alleine zurückbleiben und den Wahlkampf seiner Eltern aus der Ferne betrachten. Entscheiden wird nach wie vor das Pflegschaftsgericht, basierend auf dem Bericht des Kollisionskurators und allenfalls notwendiger Gutachten. Selbstverständlich gehen die Wahlhelfter alle drei Jahre auf Schulung. Die Richterschaft selbst soll mit eigens entwickelten Testverfahren auf demokratische Werte geprüft werden.

Die Mutmaßungen der 20 – 30 Think-Tanks dieser elitären Väterriege sind keineswegs weit hergeholt, denn jede 2. Ehe wird in Österreich geschieden, in über 100 Fällen pro Jahr sind Kinder dem erbitterten Rosenkrieg ihrer Eltern hilflos ausgesetzt, verbringen teils Jahre im Erziehungsheim, während Mama und Papa die Gerichtsbarkeit beschäftigen. Über 1000 Kinder werden schließlich Jahr für Jahr ein Fall für die Fürsorge, wenn das Recht auf Vater und Mutter außergerichtlich keine Einigung findet.

Ein Vater aus der Wiener Denkfabrik weiß warum »Spätestens nach drei Jahren geben die meisten Väter auf. Nicht ohne Grund verbleiben nach einer Trennung der Eltern die Kinder zu 90 % bei der Mutter«

Doch Österreichs Männerpartei ist keinesfalls die erste denkende Väter Elite. Seit Jahren kämpferisch gibt sich auch der Linzer Familienrechtler Dr. Günter Tews, der, wie es scheint, allerdings kommerzielle Interessen verfolgt.

Ein wichtiger Punkt, in dem sich die „EhRE-Partei“ von bisherigen Väterbewegungen unterscheiden will, wie ein Mitglied erklärt »Wir wollen eine Revolution der Intelligenz. Deshalb sind unsere Mitglieder, im Fokus die Justiz geschädigten Väter, mit Spezialwissen ausgestattet, das wir anderen Vätern gerne weitergeben, solange das Kind im Mittelpunkt steht«

Für neue Themen offen, will man jetzt für Unterstützung werben. Dafür sind laut Innenministerium für eine bundesweite Kandidatur rund 2600 Unterstützer Erklärungen, oder die Unterschrift von drei Nationalratsabgeordneten notwendig.

Schon jetzt lässt die Väter Elite mit neun Landesgruppen aufhorchen, unter ihnen der Luca Kinderschutzverein in Tirol, Kindergefühle in Salzburg, Int. Network of Human Rights in Kärnten, Väter ohne Rechte in Niederösterreich, Väternotruf in Oberösterreich, die Wiener Männerrunde sowie die Plattform „Trennungsopfer“ von Gerald Steiner.

Unter „www.humanesRecht.com“ können sich entschlossene Väter die notwendige Unterstützungserklärung abrufen.

Sollte der Einzug in den Nationalrat nicht klappen, gibt man sich schon heute siegessicher, wie ein „EhRE“-Funktionär im Gespräch mit XlargE weiß » Sollten wir es nicht schaffen, klappt es das nächste mal. Nach unserer Vorausschau wird es schon in zwei Jahren Neuwahlen geben, wenn dieser Wahnsinn weitergeht«

4 KOMMENTARE

  1. Es ist wenig sinnvoll, zur Unterstützung kleiner politischer Gruppen aufzurufen, unabhängig von deren Zielen. Stimmen für diese Kleingruppen erschweren es nur größeren Parteien, zu regieren. Viel mehr aber noch, erschweren es diesen größeren Parteien auch, zu einem inneren Umdenken zu finden. Apparatschiks der Großparteien sollten nicht unter sich bleiben dürfen, sondern auch mit frischen Ideen konfrontiert werden. Grenzt man sich selbst aus, dann kann man nichts gegen solche Unsinnigkeiten unternehmen, wie etwa den Verzicht auf Anzeigepflicht bei Mißhandlung und Mißbrauch von Kindern.

    Übrigens sind die Zahlen im Artikel oben viel zu niedrig, die Angaben falsch. Meist ist es nicht ein Rosenkrieg der Eltern (unsägliches feministisches Unwort), sondern ein brutaler Krieg der Behörden gegen Eltern. Die sogenannte Fürsorge hineinzuziehen, ist in den meisten Fällen erst der Auslöser für den erbitterten Krieg, diese Behörden haben mit Kindeswohl nichts am Hut.

  2. Ich finde das gar nicht so abwegig, wenn die Männerbewegung einen solchen Versuch startet. Obwohl, viel Chancen werden sie nicht haben. Jedenfalls können die Väter erstmals Zivil Courage zeigen und sich partizipieren.

  3. Nach aktuellen Berichten gibt es rund 21.000 Scheidungen im Jahr, von denen Kinder betroffen sind. In mehr als 90% dieser Scheidungen wird einem Elternteil die Obsorge entzogen, das sind eben nahezu ausschließlich Väter.
    Ein Vater, dem nicht mehr die Obsorge zukommt, kann nicht partizipieren. Ihm steht kein Recht zu, sein Kind zu pflegen, zu betreuen, zu erziehen. In einem Großteil der Fälle, über drei Viertel, wird in der Folge Information und Kontakt verweigert. Man kann daher diese Elternteile (denn es sind auch Mütter betroffen) verstehen, wenn sie damit nicht einverstanden sind.
    Das Bejammern des nicht gewährten Besuchsrechts ist allerdings zuwenig, Gesetzesänderungen sind seit Jahrzehnten überfällig. Diese können leider nicht durch kleine wahlwerbende Gruppen erreicht werden, sondern nur durch aktive Arbeit im gesetzgebenden Gefüge. Das Ergebnis der derzeitigen Rechtsprechung sieht man in allen Statistiken. Kinder von Alleinerziehern (meist -innen) weisen überwiegend schwere soziale Defizite auf, die dem Staat, d.h. uns allen, sehr teuer zu stehen kommen.

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