ÖVP Geheimpapier – Hier kommen die Erziehungscamps

Ihre Namen und Logos sind markenrechtlich geschützt, die helfende Hand den Kindern gegenüber gepflastert von medialer Berichterstattung. Einer ihrer Fürsprecher heißt Roland Koch, jener hessische CDU Ministerpräsident, der vergangenen Sonntag mit 12 Prozentpunkten dennoch eine Wahlschlappe bei den Landtagswahlen in Hessen auf sich nehmen musste. Von sich reden machte Koch mit Erziehungscamps, eines davon heißt »Durchboxen im Leben« und wird vom einschlägig vorbestraften Ex-Boxer Lothar Kannenberg geführt.

Die Methoden dort sind suspekt und erniedrigend zugleich, weshalb der Heimkinderverband Deutschland jetzt sogar Strafanzeige gegen den Campbetreiber Lothar Kannenberg wegen Körperverletzung, Misshandlung von Schutzbefohlenen und Nötigung erstattet hat.

Schon einmal haben sich ehemalige Partner und Mitarbeiter von Lothar Kannenberg zu Wort gemeldet. Demzufolge müssten die Schützlinge ihre Liegestütze in Schlammpfützen absolvieren oder würden samt Kleidung in einen kalten Fluss gestoßen. Besonderes Aufsehen erregte die Jugendhilfe an ihrem alten Standort. Als unbewohnbar beschrieben die Vermieter das Areal »Gut Kragenhof« nach dem Auszug der Kids. Zerbeultes Mauerwerk, kaputte Duschen und eingetretene Türen, das sind nur einige Punkte der Mängelliste.

Während bei Kannenberg ausschließlich Jungs zwischen 13 und 18 Jahren schwitzen, müssen sich weibliche Teenager im Caritas Mädchenheim Gauting (Bayern) gerade der psychischen Gewalt durch Mitinsassen, Erzieherinnen und Pflegern stellen. Eine ehemalige Bewohnerin packt im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin Xlarge über die untragbare Situation aus »Besonders hart ist die ITG5, dort kann es schon vorkommen, dass ein Mädchen gegen ihren Willen mittels Implanon zwangsverhütet wird. Deine eigene Meinung ist überhaupt nicht gefragt und es gibt sogar eine Zelle. Dort werden Mädchen bis zu 8 Stunden, gerade einmal ausgestattet mit einer Matratze, eingesperrt, wenn sie ihre Meinung sagen. Vergangenen November hat es sogar eine Revolte gegeben, nachdem sich einige Mädchen den Machtmissbrauch nicht mehr gefallen lassen wollten. Die Polizei ist dann mit 15 Mann und Tränengas angerückt«

Zwischenzeitlich ermittelt gegen das geschlossene Erziehungsheim in Gauting (Bayern) ein Untersuchungsausschuss, und wie Prof. Dr. Michael Lindenberg vom Aktionsbündnis Geschlossene Unterbringung gegenüber dem Nachrichtenmagazin Xlarge bestätigt, sind derartige Unterbringungsformen äußerst umstritten »Eine repräsentative Studie über den Erziehungserfolg der betroffenen Kinder gibt es laut Lindenberg nämlich nicht«

ÖVP Generalsekretär Hannes Missethon sieht trotz zahlreicher Befürchtungen aus der Fachwelt und dem Koalitionspartner keinen Grund zur Absage, und wird deshalb im Februar ins Drillcamp von Lothar Kannenberg reisen.

Wie aus einem internen ÖVP Papier, es liegt der Redaktion vom Nachrichtenmagazin Xlarge exklusiv vor, nun hervorgeht, könnten bereits 2009 erste Erziehungscamps und geschlossene Heime in Österreich errichtet werden. Das soll durch eine Novelle des seit über zwei Jahrzehnten bestehenden Jugendwohlfahrtsgesetzes ermöglicht werden. Mögliche Standorte sind bereits in Wien, Kärnten und Tirol gefunden worden.

Unterdessen will die SPÖ mit einer Bildungsoffensive, der Schaffung neuer Lehrplätze und Gewalt Prävention an Schulen punkten. Am Adolf Pichler Platz Gymnasium in Innsbruck gibt es bereits ein solches Präventionsprogramm, wie Direktorin Brigitte Wartburg erläutert »Seit mehreren Jahren verfügen wir an unserer Schule über eine Schulmediation. In diesem Zusammenhang agieren rund 20 Schülerinnen und Schüler der Oberstufe als Streitschlichter gegenüber ihrer Mitschüler. Dazu haben die betroffenen SchülerInnen eine Ausbildung als SchulmediatorIn absolviert«

Wartburg zeigt sich erfreut über den Erfolg der Schulmediation, die am Adolf Pichler Platz Gymnasium nicht zuletzt für das gute Schulklima verantwortlich ist.

Immer mehr unter Kritik stehen aber auch die Jugendämter, die nicht nur nach Ansicht vieler Betroffener und Fachleuten zu langsam, einseitig und nicht zuletzt willkürlich auftreten. Deshalb engagiert sich die Präsidentin der Konferenz der Nicht Regierungsorganisationen (NGOs) des Europarates, Annelise Oeschger, für Kinder und Eltern, die zum Opfer wurden, wenn das Jugendamt eingeschritten ist. So konnte in Zusammenhang mit dem deutschen Jugendamt Skandalfall »Aeneas Heller« die Bamberger Erklärung, ein Forderungskatalog an die Jugendwohlfahrt, verabschiedet werden.

Die »Bamberger Erklärung« stellte als Ergebnis des Symposiums »Deutsche Jugendämter und die europäische Menschenrechtskonvention«, das im Oktober diesen Jahres in Bamberg stattgefunden hatte, fes: »Im Rahmen des Kinder- und Jugendschutzes in Deutschland, namentlich von Seiten der Jugendämter, kommt es zu Verletzungen der Menschenrechte, insbesondere der Artikel 3, 5, 6, 8, 13 und 14 der Europäischen Menschenrechtskonvention«

Betroffene Eltern und Spezialisten hatten alarmierende Berichte abgegeben, die die politisch Verantwortlichen zum Handeln aufrufen. So berichtete ein polnischer Vater, sein Sohn, der nach der Scheidung bei seiner deutschen Mutter lebt, dürfe auf Weisung der Behörden nicht mehr Polnisch sprechen. Der Junge, so der Vater, würde sogar geschlagen und kalt abgeduscht, wenn er gegen dieses Verbot verstieße. Aus dem Jungen solle ein »hundertprozentiger Deutscher gemacht« werden.

Für den Kinder- und Jugendpsychologen Dr. Rolph Wegensheit unhaltbare Zustände »Ich freue mich, wenn auch die EU Kommission einsieht, dass unser europäisch und staatlich geführtes Fürsorgewesen der Jugendwohlfahrt absolut veraltet scheint. Abgesehen davon kann man Problemkinder nicht mit kategorischen Zwängen geradebiegen. Ich selbst erfahre in meiner bedeutsamen Arbeit immer wieder, dass ohne Bindungsverhältnis, geprägt durch Vertrauen, rein gar nichts läuft. In den Anstalten mögen sich die Kinder den Regeln unterwerfen, meist aus Angst. Kaum sind sie wieder draußen, kommen die Kinder mit dem gewonnenen Freiraum nicht mehr klar. Deshalb muss an einer Erziehung in Freiheit, gebunden mit Liebe, Zuwendung und Geborgenheit gerade hier und heute gearbeitet werden«

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