Schwarzbuch Jugendwohlfahrt: Monika Pinterits & Herta Staffa in Erklärungsnot

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Seit Jahren nehmen Vorwürfe gegenüber der Jugendwohlfahrt kontinuierlich zu. Zwei Betroffene aus Wien, ein Gerichtsmediziner und eine Tierärztin, präsentierten am Montag ihr Schwarzbuch über die Jugendwohlfahrt. Die Wiener Kinder- und Jugendanwältin Monika Pinterits und die Sprecherin der Wiener Jugendämter Herta Staffa ringen in Medien dagegen mit Erklärungsnot. Beide beziehen ihre Gehälter von der Stadt Wien, die auch für die Jugendwohlfahrt verantwortlich zeichnet.

Schwarzbuch Jugendwohlfahrt
Schwarzbuch Jugendwohlfahrt

Kinder die barfüßig in Nachtwäsche der Barfuss-Strafe im Pro Juventute Kinderheim Bad Mitterndorf regelmäßig unterzogen werden, oder Mädchen und Buben, die in Erziehungsanstalten der Stadt Graz reihenweise Vergewaltigungen ausgesetzt sind. Die belegten Vorwürfe in österreichischen Erziehungsanstalten, Heimen oder Kinderdörfern erreichten sogar die Volksanwaltschaft. Im Fall der Kinderwohngruppe von Pro Juventute in Bad Mitterndorf endete die Aufarbeitung vor dem Strafrichter – für die Heimleiterin und ihre Angestellten wohlgemerkt.

Vor acht Jahren begleitet XlargE einen 12-jährigen und seine Oma zur Kinder- und Jugendanwaltschaft in Klagenfurt. Das Kind klagt über Missstände in einer Einrichtung von Lebensraum Heidlmair. Für die Kinder- und Jugendanwaltschaft kein Grund zum Einschreiten. Nicht nur Kinder, leibliche Eltern richten vermehrt ihren Unmut an Medien und klagen an.

Wenn auch jene Gründe, die zu einer Kindesabnahme führen nicht unterschiedlicher sein können, löst das Vorgehen von Sozialarbeiterinnen der Jugendwohlfahrt oftmals Unverständnis aus. Viele Bedienstete von Jugendämtern seien Mitte 20, selbst Kinderlos und wie XlargE über Jahre hinweg recherchieren konnte ihr Privatleben ein Chaos.

Das von Herta Staffa in Medien propagierte 4-Augenprinzip und die nachhaltige Elternarbeit vermissen betroffene Familien immer noch. In den Augen der Betroffenen sei das gelindeste Mittel die Kindesabnahme und fehle im Vorfeld oftmals ambulante Hilfe, die nachhaltig zu Verbesserungen im jeweiligen Familienverband führen könnten.

Ein weiterer Kritikpunkt fußt im scheinbar multi-professionellen Team, das sowohl die Jugendwohlfahrt wie auch ihre Auftragnehmer umgarnt. Dennoch bleibt in unzähligen Fällen von Kindesabnahme die professionelle Abklärung aus. Therapien für Kinder setzen oft erst verspätet nach einem Jahr ein, wie XlargE vorliegende Gerichtsakten belegen.

Kooperieren Eltern nicht, wie die Jugendwohlfahrt umgangssprachlich verdeutlicht, folgt bei fehlender Einverständnis durch die leiblichen Eltern, der behördliche Akt mit Verweis auf „Gefahr in Verzug“. Die Folge eine Fremdunterbringung der betroffenen Kinder.

Das von Johann Missliwetz und Angelika Schlager verfasste „Schwarzbuch Jugendwohlfahrt“ umreißt rund 70 Einzelfälle. Die erhobenen Vorwürfe entsprechen dem Ergebnis jahrelanger Recherchen durch XlargE, ein Umstand der nun für Erklärungsnot seitens der Verantwortlichen sorgt.

Buchtipp:
Johann Missliwetz, Angelika Schlager: Schwarzbuch Jugendwohlfahrt. CreateSpace Independent Publishing Platform, 378 Seiten, 16,04 Euro. Bezug via amazon.de – siehe Link – ISBN 978-1502431936

6 KOMMENTARE

  1. Das Problem ist, dass die Sicherheit der fehlenden Kontrolle dazu geführt hat, dass die Jugendamtsangestellten mittlerweile offen dazu stehen, sich nicht an die Gesetze zu halten. Sie missbrauchen die Schweigepflicht, die es eigentlich zum Schutz des Privatlebens der Familien gibt, um ihre eigenen Unregelmäßigkeiten zu verbergen. Das wird mit dem 4-Augen-Prinzip abgesichert (Krähenprinzip). Deshalb scheuen Sozialarbeiterinnen handfeste Beweise wie der Teufel das Weihwasser und geben es gegenüber Gerichten auch unumwunden zu, dass sie nicht arbeiten können, wenn sie von den Eltern bei ihrer „Arbeit“ kontrolliert werden.
    Was die Sozialarbeiterinnen so den ganzen Tag machen, entspricht also nicht dem Gesetz. Es müssen sich aber auch Jugendämter an die Gesetze halten.
    Es gibt dann auch noch irgendeinen juristischen Trick, dass die Sozialarbeiterinnen plötzlich Privatpersonen sind, die damit gar nix zu tun haben und großzügigen Schutz genießen, oder so ähnlich. Ganz habe ich das noch nicht verstanden, aber nach Verantwortungsübernahme klingt das nicht. Die Täterinnen müssen also nicht einmal für ihre Taten geradestehen, und damit beleidigt das Jugendamt alle Eltern, die sich sehr wohl an die Gesetze halten müssen, denn der Kontrollor muss ja moralisch über dem Kontrollierten stehen – aber ich bin ganz sicher nicht auf einer Stufe mit einer Jugendamtsmitarbeiterin mit ihrer verschlagenen Sprache, ihren miesen Einschüchterungsversuchen, ihrer Kontrollscheu, ihren verbalen Ausweichmanövern, ihrer Feigheit,… Man muss schon eine solide kriminelle Ader haben, um diesen Job zu machen.

  2. Bis heute will niemand aus dem Bereich der Kinderverarbeitungsindustrie erklären, warum die Fremdunterbringung überhaupt notwendig ist. Einer Problemfamilie das Kind entziehen, schafft das Kind allenfalls aus der Gefahrenzone Familie, löst aber nicht das Problem der Familie. Entgegen dem Kinder- und Jugendhilfegesetz – vormals Jugendwohlfahrtsgesetz, bleibt die Bearbeitung dieser familiärer Probleme auf der Strecke. Ich kenne einen Fall einer Mutter, die ihre Tochter im Alter von 8 Jahren an eine Erziehungsanstalt verlor. Die Mutter verfügte über die Pflegeelternausbildung und war ausgebildete Tagesmutter. Auslöser der Fürsorglichkeit vom Amt seien strafrechtlich relevante Verfehlungen des Ehegatten gewesen, der sich angeblich kinderpornografisches Material aus dem Internet heruntergeladen hat. Für die Jugendwohlfahrt waren deshalb in der Folge Familienfotos und die Art und Weise, wie sich der Mann im Haus kleidete, ausschlaggebend für die Kindesabnahme. Die noch zuvor eingeschaltete „Bezirkspsychologin“ trug ihr Schärflein bei, und erkannte nicht einmal Fakten, die in den ersten beiden Semestern Psychologie an der Uni gelehrt werden. Na gut, auch wenn der Ehemann sich was zu Schulden kommen ließ. Warum verschaffte das Jugendamt der Mutter und ihrer Tochter nicht einfach eine neue Bleibe und rät zur Trennung? In einem anderen Fall steht die Sozialarbeiterin vor der Türe wenn die Mutter und ihr Sohn delogiert wird. Das Kind wird sofort ins Heim verfrachtet. Mir gefällt immer das Tränen reiche Geschreibe von SOS Kinderdorf und Pro Juventute an die Paten und Spender … die armen Kinder die aus den schlimmsten Verhältnissen kommen. Das am im Fall einer Sozialarbeiterin der neue Ehegatte mit seiner unmündigen, leiblichen Tochter über einen Internetchat eine eigenartige Liebesbeziehung unterhält und ihr täglich Rosen schicken will, das ist wurscht. Schließlich sieht ja die Frau vom Jugendamt in der Familie (übrigens selber keine Kinder) und hält die Augen drauf. Das System ist krank und gehört generalsaniert. Nur wer von der Politik wagt sich drüber?

  3. Das habe ich gerade im aktuellen Pro Juventute Newsletter gelesen:

    „Weine nicht“, flüstert Stefan, 8, und wischt eine Träne vom Gesicht seiner kleinen Schwester Marie. „Jetzt vergisst dich das Christkind bestimmt nicht mehr.“ Wie gerne sie ihm glauben würde! Denn die beiden haben noch nie ein richtiges Weihnachtsfest erlebt. Deshalb sind Stefan und Marie jetzt bei Pro Juventute.

    Zu oft waren er und sein Schwesterchen Marie enttäuscht und verlassen worden. Einzig einander waren sie Trost und Stütze. Langsam lernen die beiden, auch anderen Menschen zu vertrauen. Jeden Abend vergewissert sich Marie: „Bist du da, wenn ich aufwach?“- „Ja“, sagt Betreuerin Birgit dann, „Ich bin da.“
    Schritt für Schritt vergessen Marie und Stefan ihre traurige Vergangenheit und beginnen, einfach Kind zu sein. Jeden Tag ein wenig mehr!
    Pro Juventute schenkt Kindern wie Stefan und Marie ein Zuhause voller Wärme und Geborgenheit

    Doch jetzt vor Weihnachten vermissen die Kinder ihre Eltern besonders. Wie schön wäre es, glücklich mit Mama und Papa unterm Christbaum zu sitzen, wie andere Kinder auch!

    Unsere Betreuerinnen und Betreuer begleiten unsere Schützlinge besonders behutsam durch
    diese Zeit. Auch ein liebevoll gestalteter Weihnachtsabend hilft kleinen Seelen, zu heilen: Bitte, seien Sie der Weihnachtsengel, den unsere Kleinen so sehr brauchen!

    Mit Ihrer Spende legen Sie unseren Kindern ein Packerl unter den Christbaum:

    € 80,- für ein Weihnachtspackerl mit z. B. einem warmen Schianzug und Winterstiefeln
    € 35,- für ein Weihnachtspackerl mit z. B. einem Buch und Playmobil
    € 15,- für ein Weihnachtspackerl mit z. B. einer Puppe oder einem Legoauto

    Wir danken Ihnen von Herzen! Wie viel Sie auch geben können, Ihre Hilfe macht Weihnachten zu einem frohen Fest. Wir wünschen Ihnen glückliche, friedvolle Festtage!

    Die kassieren dann für den Schianzug sicher auch noch Bekleidungsgeld vom Jugendamt nur sagen die das ihren Spendern nicht. Gehört meiner Meinung nach angezeigt sowas!

    Arme Marie und armer Stefan, die vergessen und verlassen sind. Auf die Tränendrüsen drücken kann Pro Juventute gut. In Bad Mitterndorf mussten Kinder Regenwürmer und Nacktschnecken fressen und barfuss im Pyjama im Schnee ausharren. BRAVO BRAVO LIEBE JUGENDWOHLFAHRT! Ich sage nur pfui, da sind Rabenmütter noch echte Weinachtsengel für ihre Kinder!

  4. @Patricia Göller: Eh klar, die kassieren Bekleidungsgeld und Spendengelder für ein und dieselbe Sache. Außerdem kostet eine Schihose und ein Paar Winterstiefel beim Lidl oder Hofer keine 80,- Euro. Möchte nicht wissen was die wirklich mit dem Geld machen. Wahrscheinlich braucht Pro Juventute wieder ein paar Extra Euro um gegen leibliche Eltern zu prozessieren. Bei SOS Kinderdorf sind die unhaltbaren Zustände nicht anders.

  5. Aus Wikipedia – das sagt wohl alles:
    Im Wesentlichen unterliegt die Organisation der Jugendwohlfahrt den Vorgaben von Arge Jugendwohlfahrt, sowie dem in den einzelnen Bundesländern installierten Jugendwohlfahrt-Beirat.

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