Sexueller Missbrauch – SOS Kinderdorf beschwichtigt

Eigentlich sollten Kinder in einem SOS Kinderdorf Schutz, Hilfe und Zuflucht finden. Während dem mutmaßlichen 63-jährigen im Fall von sexuellen Missbrauch im Vorarlberger Kinderdorf nun der Prozess gemacht wird, muss nun der einstige Solidaritätspartner, SOS Kinderdorf Österreich, selbst zur Aufarbeitung von sexuellen Missbrauch Stellung beziehen.

Gegenüber dem Nachrichtenmagazin Xlarge ist die verantwortliche Geschäftsführerin Dr. Sabine Juffinger allerdings zu keiner Stellungnahme bereit. In einer Aussendung von SOS Kinderdorf Österreich stellt Juffinger aber klar »Ich habe unmittelbar nach der Anzeige Kontakt mit den Opfern aufgenommen, die mittlerweile erwachsen sind und nicht mehr im SOS-Kinderdorf leben«

Der Aussendung zufolge, sollen sich die Übergriffe gegen zwei Buben und ein Mädchen gerichtet haben und der Täter selbst im Kinderdorf aufgewachsen sein. Die Vorfälle selbst hätten sich vor über 20 Jahren beim Besuch des heute 42-jährigen Pädophilien in seiner einstigen Kinderdorffamilie ereignet.

»Während von der Reinigungskraft bis zu den Kinderdorfmüttern entsprechende Trainings durchgeführt werden, dürfte der Täter selbst in seiner Kindheit vergessen worden sein« sagt der renommierte Kinder- und Jugendpsychologe Dr. Rolph Wegensheit, der im konkreten Fall Sexuellen Missbrauch am mutmaßlichen Täter nicht ausschließen will.

Unterdessen hat sich das Opfer nach einer aufwändigen Psychotherapie nunmehr zur Anzeige entschließen können. Die Strafermittlungsbehörden schließen weitere Fälle nicht aus, und gehen weiteren Verdachtsmomenten nach.

Die heute 18-jährige Natascha K. aus Tirol kennt das Martyrium, sie wurde über Jahre vom eigenen Vater sexuell missbraucht »Nachdem ich eine mehrjährige Psychotherapie hinter mir habe, konnte ich mich kürzlich zu einer Anzeige gegen meinen Erzeuger entschließen. Für das Mädchen aus Vorarlberg sicherlich kein leichter Schritt. Dazu braucht es viel Mut und Selbstsicherheit. Lange Zeit habe ich mir die Schuld für die zerrütteten Familienverhältnisse und diese Misshandlungen gegeben. Heute bin ich froh, diesen Schritt gesetzt zu haben«

Der Kinder- und Jugendpsychologe Dr. Rolph Wegensheit hat immer wieder mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen zutun. Der gebürtige Tiroler kennt die Thematik und oftmals schwierigen Situationen in der Fremdunterbringung »Die Kinder und Jugendlichen stammen aus schwierigsten Familienverhältnissen, haben nicht selten am eigenen Leib ihr Martyrium erlebt und setzen in ihrem Verhalten jenes Spiegelbild, das ihnen widerfahren ist. Deshalb ist ein effizientes Hilfeplansystem unterlässlich und müssen alle Eventualitäten mitberücksichtigt werden«

Auf die Frage ob derartige Übergriffe verhindert werden können, sagt der Vater von vier Kindern »Täter die als Opfer Sexuellen Missbrauch an anderen ausüben, handeln impulsiv und meist in ihrem Unterbewusstsein. Wird den Betroffenen keine frühkindliche Therapierung zu teil, geschieht die Verarbeitung ihres Traumas in Form eben solcher Tatbegehungen. Verhindern kann man derartige Übergriffe aber niemals zu 100 %, jedoch verfügen Fachleute zwischenzeitlich über moderne Instrumente wie die EMDR-Traumatherapie. Dadurch können sogar Erwachsene mit Kindheitstraumatas erfolgreich behandelt werden«

Maria-Theresia Unterlercher, regionale Geschäftsführerin von SOS Kinderdorf wollte wie ihre Kollegin zu den Vorfällen keine Stellungnahme abgeben. Zur Frage ob der neue Obsorgefolder, ein sachlich und rechtlich orientierender Leitfaden für die Jugendwohlfahrt ein besseres Zusammenwirken zwischen Fremdunterbringung und Herkunftssystem bedeuten könnte, sagt Unterlercher gegenüber dem Nachrichtenmagazin Xlarge »Leider findet das Kindeswohl weder im Bereich der Fremdunterbringung noch bei den leiblichen Eltern oft jene wünschenswerte Berücksichtigung, die an sich gefordert wäre. Für mich steht das Wohl des Kindes an oberster Stelle und ich würde mich freuen, wenn nicht nur das Nachrichtenmagazin Xlarge in seiner Berichterstattung darauf Bedacht nehmen würde«

Für Patricia Göller von Sorgentreff erleichternde aber auch unverständliche Worte zugleich »Es freut mich, wenn SOS Kinderdorf mit neuen Standards Bewegung in das verkrustete Fürsorgewesen bringen möchte. Ich würde mir aber wünschen, dass im aktuellen Fall von Sexuellen Missbrauch nicht von einem Einzelfall gesprochen wird, der bereits Jahre zurückliegt. Weder hat das Kinderhilfswerk dem nunmehrigen Täter in seiner Kindheit geholfen, noch will die Organisation klar dazu Stellung beziehen, ob den Opfern die exorbitanten Therapiekosten von über Euro 80,- pro Stunde sowie ein Rechtsbeistand bezahlt werden«

In seiner Dezember Ausgabe wird das Nachrichtenmagazin Xlarge exklusiv weitere Fälle von sexuellen Missbrauch enthüllen, die sogar mit einem aktiv tätigen Dorfleiter verstrickt sind, wie Herausgeber Simon Polterer erläutert »Wir werden nicht nur der Frage nachgehen, weshalb SOS Kinderdorf Österreich keine Kinderbeiräte in ihren Dörfern unterstützt und in diesem Zusammenhang ehemaligen SOS Kinderdorf Kindern eine Stimme geben«

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