Unbarmherzige Schwestern: So quälen Nonnen im Kinderheim St. Rafael

Szenen wie im Film "Die unbarmherzigen Schwestern" seien Erziehungsalltag im Kinderheim St. Rafael in Wien-Simmering

Die Schilderungen erinnern an das britisch-irische Filmdrama von Peter Mullan aus dem Jahr 2002. Herzlos demütigen katholische Nonnen ihre Schützlinge. Das sei nunmehr einem 9-jährigen Buben und einem 10-jährigen Mädchen im ÖVP nahen Kinderheim St. Rafael in Wien-Simmering widerfahren. Die 10-jährige habe keinen Ausweg mehr gesehen und sich in die Tiefe gestürzt.

Szenen wie im Film "Die unbarmherzigen Schwestern" seien Erziehungsalltag im Kinderheim St. Rafael in Wien-Simmering

Szenen wie im Film „Die unbarmherzigen Schwestern“ seien Erziehungsalltag im Kinderheim St. Rafael in Wien-Simmering

Gemeinsam mit Eltern anderer untergebrachter Kinder erhob jene Mutter massive Vorwürfe gegen die Jugendwohlfahrt, deren Tochter vergangene Woche als letzten Ausweg den Sturz aus dem Badezimmerfenster sah. Dem vorausgegangen seien massive Erniedrigungen durch Erzieherinnen der Anstalt.

Sissi Kammerlander vom Verein “Victims Mission” sprach von der “Deportation” von Kindern, die Kindsabnahme durch die Jugendämter sei “Barbarei” und ein menschenrechtswidriger Akt. Rechtsanwalt Alexander Krasser ortete ein “arrogantes System”, das seit Jahrzehnten unkontrolliert agiere und menschenverachtend und umsatzorientiert sei.

Weit über 12.000 Minderjährige fristen im Augenblick ihr Dasein in einem der Erziehungsanstalten der Jugendwohlfahrt. Offiziell zeichnen Jugendämter Horrorbilder, die erst einer Kindesabnahme vorausgehen müssen. Ansonsten wäre man nicht gehalten Kinder ihren Eltern abzunehmen und fremd zu platzieren.

Einen ähnlichen Ton schlägt die Wiener Jugendamtssprecherin Herta Staffa gegenüber ORF-Wien an. Sie vermisse auch, dass die betroffenen Eltern ihre Wahrnehmungen nicht an die Behörde herantragen. Nicht das erste mal sieht sich die MagElf (Anm. Jugendwohlfahrt Wien) mit Vorwürfen konfrontiert. Immer wieder treten Missstände in Einrichtungen der Jugendwohlfahrt zutage. Selten aber seien die Behörden gewillt die offenkundigen Vorwürfe objektiv zu prüfen. Schließlich hänge eine Kinderverarbeitungsindustrie wie ein Tropf an den örtlichen Bezirksverwaltungsbehörden, die pro Monat und Kind bis zu 5.000 Euro aus Steuergeldern bezahlen.

Wenig überraschend sind die jetzt geäußerten Vorwürfe gegen das Kinderheim St. Rafael in Wien-Simmering nicht. Ein ehemaliger Zögling berichtete bereits im Juli 2013 von unhaltbaren Qualen, die wehrlose Kinder dort erleiden müssen. So sei er von den Nonnen geschlagen worden, wenn sein Benehmen nicht den Vorstellungen der Nonnen entsprach. Für jede Kleinigkeit hätte er sich bei „Gott“ entschuldigen und rechtfertigen müssen. Schläge ins Gesicht oder gar Hiebe mit dem Besen seien an der Tagesordnung. Aus dem Strafkatalog der Nonnen hieß es etwa: stundenlang in der Ecke stehen oder Schlafensentzug. Selbst beim Duschen wussten die Nonnen den Glauben treffsicher einzusetzen: „Der Herr möchte haben dass ihr sauber seid“.

Kinderheim St. Rafael: Magdalena Niescioruk

Kinderheim St. Rafael: Magdalena Niescioruk

Nach mehreren Anzeigen betroffener Eltern ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Unterdessen weist die Heimleitung sämtliche Vorwürfe zurück und überlegt rechtliche Schritte. Magdalena Niescioruk zu ORF Wien  icon-angle-double-rigDas kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Die sind grundsätzlich jeden Tag in der Gruppe, als Leitung, auch als Aufsicht kann ich mir nicht vorstellen, dass so etwas vorgefallen ist. Wir werden aber jeder Meldung grundsätzlich gut nachgehen, auch mit der Revision, auch mit behördlicher Revision werden wir das alles überprüfenicon-angle-double-left

Betroffene Kinder und ihre leiblichen Eltern können ab sofort Missstände zu diesem oder anderen Erziehungsanstalten der Jugendwohlfahrt anonym unter www.beschwerdestelle.at melden.

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