Wien-Wahl: Das Zünglein an der Bier Partei

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Wien Wahl Bierpartei Foto Credits Bierpartei/Facebook

Heute wird in Wien nebst einem neuen Gemeinderat bzw. Landtag die neuen Bezirksvertreter gewählt. Wie eh denn je ist das Antreten neuer bürgerlicher Formationen alles andere als einfach. So gilt es die 5 % Hürde zu knacken. Selbst während des Wahlkampfes kämpfen politische „Neulinge“ generell um mediale Aufmerksamkeit. Gerade der durch Zwangsgebühren finanzierte öffentlich-rechtliche ORF hadert bisweilen mit demokratischer Einladungspolitik.

Die Wien-Wahl zeigt eines deutlich auf: Nicht nur die Wiederwahl des Wiener Bürgermeisters Michael Ludwig (SPÖ) scheint garantiert, wenngleich der Wiener Bürgermeister nicht direkt gewählt wird. Vielmehr gestalten die prozentualen Wählerstimmen Mandate und diese am Ende die Sitzverteilung im Wiener Gemeinderat. Das heißt die Stimmen stärkste parteipolitische Kraft stellt in der Regel den Bürgermeister.

Vom zu prognostizierenden Koalieren bis hin zu oppositionellen Weichenstellung, oder der Frage, ob Heinz-Christian Strache es in den Wiener Gemeinderat schafft. Alles das beruht auf mathematischen Spitzfindigkeiten denn das zuletzt geänderte Wiener Wahlsystem ist alles andere als durchschaubar.

Eines sagt uns dieses Wahlsystem allerdings mit Sicherheit voraus: Kleinstparteien wie Dr. Marco Pogo’s Bierpartei haben es schwer. Obwohl der Sänger und promovierte praktische Arzt aus Wien Simmering in den sozialen Medien vor allen anderen Parteien führt, stehen seine Chancen laut Umfrage bei etwa 1 %.

Experten orten das Problem nebst dem Hürden reichen Wiener Wahlsystem in den Köpfen der WählerInnen, denn niemand will seine Stimme verschenken und viele sagen sich beim Kreuzerl neben einer Kleinstpartei verpufft meine Stimme. Dennoch kann Dr. Marco Pogo, Frontsanger der Punk-Rock-Bank „Turbobier“ in gewisser Weise doch zum Zünglein an der Waage mutieren, denn seine klare, wenn auch satirische Sprache spricht prekäre Missstände in der Wiener Stadtregierung an und Probleme, die schließlich von etablierten Spitzenkandidaten im Laufe des Wahlkampfes aufgenommen wurden.

Selbst wenn die Bierpartei den Einzug heute verpasst, hat sie zumindest eines bewegt, das Aufzeigen prekärer Probleme in Wien, und vielleicht noch eines dazu: Die Politikverdrossenheit wieder zu entschärfen, und wenn nur mit dem satirisch gesetzten Wiener Schmäh.

Und eines zeigte die Bierpartei im Wahlkampf zur Wien-Wahl ganz deutlich: Man braucht weder eine Obergrenze von 6 Millionen Euro Wahlkampfkosten noch einen Bruchteil davon.