Zahl der Sorgerechtsentzüge steigt um 13 Prozent

In 10.800 Fällen haben deutsche Gerichte im vergangenen Jahr den vollständigen oder teilweisen Entzug der elterlichen Sorge angeordnet. Dies geht aus einer heute, Freitag, veröffentlichten Erhebung des statistischen Bundesamtes http://www.destatis.de hervor. Dies bedeutet einen Anstieg von 12,5 Prozent oder 1.200 Fällen zum Jahr 2006. Gegenüber 2005 betrug die Steigerung der Sorgerechtsentzüge knapp ein Viertel. „Dies führen wir vor allem auf die zunehmende Sensibilisierung der Bevölkerung zurück“, erklärt Paula Honkanen-Schobert, Geschäftsführerin beim Deutschen Kinderschutzbund http://www.dksb.de, gegenüber pressetext. „Nach den Kindstötungsfällen des letzten Jahres schauen Nachbarn und Freunde vielfach genauer hin.“

Mehr als verdoppelt hat sich die Zahl der Sorgerechtsentzüge in Bremen, von 56 Fällen im Jahr 2006 auf 126. Ähnliche Tendenzen zeigten sich in Niedersachsen, Thüringen und Rheinland-Pfalz, wo die Steigerungsraten zwischen 25 und 30 Prozent lagen. Rückläufig sind die Zahlen hingegen in Schleswig-Holstein, Berlin und Sachsen-Anhalt, wo im Schnitt bis zu 15 Prozent weniger Fälle auftraten. „Gründe dafür sehen wir nicht unbedingt darin, dass es weniger Probleme in den Familien gibt, sondern dass die Präventionsarbeit in den Ländern besser funktioniert“, sagt Honkanen-Schobert. In einen ähnliche Richtung argumentiert auch Holger Paech, Sprecher des Kinderministeriums Sachsen-Anhalt http://www.ms.sachsen-anhalt.de , auf pressetext-Nachfrage: „Der richterliche Sorgepflichtentzug ist die letzte und härteste uns zur Verfügung stehende Maßnahme, die Kinder zudem in eine schwere seelische Situation bringt. Diese Notbremse wird nur in Ausnahmefällen gezogen.“

Von daher setzt die sachsen-anhaltische Landesregierung auf das Prinzip der frühzeitigen Hilfe für Familien. „Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist kein Zeichen der Schwäche, sondern zeugt von sozialer Verantwortung gegenüber den Kindern. Denn diese müssen am Ende die Folgen tragen“, so Paech. Um Eltern eine Vertrauensperson an die Hand zu geben, soll es in Zukunft in jeder Kindertagesstätte in Sachsen-Anhalt eine Kinderschutzfachkraft geben, die Eltern bei Fragen und Problemen beraten kann. „Schließlich sind Eltern zwei Mal am Tag in der KITA und da ergibt sich sicher die Möglichkeit zum Gespräch“, ergänzt Paech.

Insgesamt haben die Jugendämter 2007 knapp 12.800 Anzeigen zum vollständigen oder teilweisen Entzug der elterlichen Sorge an die Gerichte gestellt. Dies bedeutet eine Steigerung um 18,5 Prozent oder 2.000 Fällen gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für die fortwährende Zunahme der Anzeigen macht Honkanen-Schobert neben der Sensibilisierung der Bevölkerung auch den vermehrt zu beobachtenden sozialen Abstieg einzelner Familien verantwortlich. „Arbeitslosigkeit, finanzielle Probleme, Alkoholmissbrauch – die Möglichkeiten für soziale Probleme sind mannigfaltig und daraus ergeben sich regelmäßig Spannungen zwischen Kindern und ihren Eltern.“ Damit keine neue Generation von überforderten und finanziell schlecht ausgestatteten Eltern heranwächst, fordert der Kinderschutzbund ein noch stärkeres Engagement der Politik für sozial schwache Familien. „Kinder, egal aus welchem Millau, müssen die gleiche Chance auf Bildung und damit auf eine gesicherte Zukunft bekommen“, erklärt Honkanen-Schobert. (pte/red)

Impressum | Kontakt | Sitemap

BlitznewsSteirerblattXeleon.TVWhats Up TV