»Zum Kampusch Jahrtag« Österreichs vermisste Kinder

2
1

In Österreich werden derzeit rund 150 Kinder vermisst. Bedeutende Schicksalsschläge wie Julia Kührer oder Ingrid und Philipp Ehmann, bilden nur die Spitze vom Eisberg. Gerade Teenager verschwinden Tag für Tag und die Gründe hierfür könnten nicht vielfältiger sein. Krach mit den Eltern, Probleme in der Schule oder einfach nur Stress mit sich selbst. Der Kinder- und Jugendpsychologe Dr. Rolph Wegensheit »Leider nehmen sich die Eltern oft zu wenig Zeit und Probleme können so nicht ausreichend durch Früherkennung beseitigt werden. Schließlich sind Probleme dazu da, dass man sie löst«

Drei Tage nach der erfolgreichen Flucht von Natascha Kampusch, verschwand Julia Kührer. Die heute 17-jährige wurde laut Eintrag in ihrem Gästebuch zuletzt am Bahnhof von Salzburg gesehen. Dort soll sie angeblich in der Junkie-Szene untergetaucht sein. Trotz intensiver privater Suche und der internationalen Fahndung, konnte Julia bis heute nicht gefunden werden.

Die Geschwister Ingrid und Philipp Ehmann sind mit ihrem Vater bereits seit drei Jahren verschwunden. Er dürfte die Kinder widerrechtlich im Sorgerechtsstreit nach Kanada entführt haben. Wie im Fall der heute neunjährigen Yasemin Kobal, entführen Elternteile im Rosenkrieg immer wieder das eigene Kind.

Unterdessen hat Natascha Kampusch ihr aktuelles Interview zum Jahrtag gegeben. Darin sagt sie über ihren Vater »Er ist im Umgang mit der Presse naiv und nutzte meine Bekanntheit auch finanziell« Ihre Mutter veröffentlichte kürzlich ein Buch mit dem Titel „Verzweifelte Jahre“, in dem sie über ihre Zeit ohne Tochter schreibt. Allerdings werden nach Angaben des Medienberaters von Ludwig Koch, Vater von Natascha Kampusch, Unwahrheiten durch seine Ex-Frau mit diesem Buch verbreitet. Deshalb seien bereits rechtliche Überprüfungen einer Klage im Gange und die Anwälte rechnen sich gute Erfolgsaussichten aus.

Nach wie vor erhält Natascha Kampusch pro Tag zahlreiche Interviewanfragen. Sie wurde als zehnjährige von Wolfgang Priklopil am Schulweg entführt, und acht Jahre lang in seinem Haus festgehalten. Erst mit 18. gelang Natascha Kampusch die Flucht, als sie das Auto ihres Entführers im Garten waschen musste.

Den Medien Hype kritisch, betrachtet auch Wegensheit »Natürlich ist es für die Eltern eine Art Selbsttherapierung und das letzte Ventil zum Durchatmen. Dennoch sollte jeder den Schritt in die Öffentlichkeit mit Büchern und Interviews überlegen«

Die von Kampusch angekündigte Fondation gibt es bis dato nicht, wie sie dem Thema-Journalist Christoph Feuerstein in ihrem Interview verrät. Demnach müsse sie erst zur Ruhe kommen und sich selbst finden. Für Kampusch Kritiker, sie haben bereits das Engagement des Gerichtssachverständigen Prof. Max Friedrich in Frage gestellt, naturgemäß ein Grund mehr die Vorgänge zu hinterfragen. Bisher getätigte Spenden von rund Euro 50.000,00 bleiben vorerst auf den Spendenkonten und sollen nach Gründung der Kampusch-Fondation ihren Zweck erfüllen.

Für die Mütter von Julia, Philipp und Ingrid wenig Trost. Sie warten noch heute auf die Rückkehr ihrer Kinder.
©Foto: www.findetjulia.org

2 KOMMENTARE

  1. Die Zahl verschwundener Kinder ist noch weit höher. Doch in vielen Fällen weigert sich die Polizei, eine Vermisstenanzeige aufzunehmen. Ein Beispiel von vielen:

    Am 30. Dezember 2009 wurde der kleine Atreyu Angelo Dalewski, geboren erst am 26. Dezember 2009, von der offenbar geisteskranken Renate Babe aus der Geburtsstation des Krankenhauses Bruck an der Mur entführt. Von dem Säugling fehlt seither jede Spur. Angenommen wird, dass die Täterin den Säugling unter falschem Namen in ein anderes Land verkaufte. Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelten bisher genau nichts.

Comments are closed.